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Tropf, tropf, tropf...

Ich bleibe wach! Hörst du?!

Es ist halb drei. Nachts. Scheiße, ich muss morgen früh raus! Ich liege in meinem Bett, die Decke bis zum Kinn gezogen... und friere. Ich starre an die Zimmerdecke. Irgendwann erscheinen in der trüben, grauschwarzen Masse über mir die ersten Gesichter...

Ich drehe meinen Kopf zur Seite. Ich ertrage es nicht, den widerlichen Fratzen in die verschwommenen Augen zu sehen... nicht all zu lange jedenfalls. 

Tropf, tropf, tropf...

Jetzt starre ich in die Finsternis in meinem Zimmer. Ich hoffe nur, dass sie nicht zurück starrt. Vorsicht hat noch nie geschadet! Langsam schiebe ich meinen rechten Arm unter der Decke hervor und winke höflich. Dankbar, dass ich ihr meine Aufmerksamkeit geschenkt habe, grinst mich die Finsternis an. Ich bin beruhigt. 

Tropf, tropf, tropf...

Scheiß Regen, denke ich und ziehe mir die Decke über den Kopf. Plötzlich höre ich Schritte vor meiner Zimmertür. Ich rolle mich fester zusammen und halte die Luft an. Wenn ich Pech habe, steht dort gerade ein messerschwingender Irrer in einem siffigen weißen Hoodie und will mir einen Gutenacht-Gruß ins Ohr flüstern. Aber ich will, KANN jetzt nicht Schlafen gehen! Ich bleibe wach! 

Oder es ist dieser maskierte Organhändler, der zur Zeit so von sich reden macht! Naja, ich bin ja großzügig, ein oder zwei Nieren werde ich wohl entbehren können. Trotzdem würde mich interessieren, an wen der Kerl mein Organ hinterher verschachert! Ich hab nämlich das Gefühl, dass seine Machenschaften nicht ganz legal sind. Angeblich soll dabei sogar schonmal jemand draufgegangen sein!

Tropf, tropf, tropf...

Die Schritte sind weg. Ich atme erleichtert auf. Die Luft unter meiner Decke ist heiß und schrecklich verbraucht. Fast so wie der Atem von dieser komischen, gollumartigen Kreatur, die mich letztens durch den Wald verfolgt hat. Ich weiß nicht mehr genau wie sie hieß, sie hat es mir gesagt, aber ich war zu beschäftigt mit den langen, messerscharfen Krallen, die sich in mein Fleisch graben wollten. Ich glaube der Name fing mit R an...

Ich starre wieder in die Dunkelheit, meine Augen sind weit aufgerissen. Im Flur ist jetzt das Licht an. Die Strahlen sickern durch Ritzen in der Tür. Das stört mich. Nun kann ich Umrisse im Raum erkennen. Schemenhaft. Ich glaube, sie kommen auf mich zu. Wenn ich jetzt aufstehe um in den Flur zu gehen und das Licht wieder zu löschen, werden verkrüppelte Hände unter meinem Bett hervorschießen und mir mit ihren abgebrochenen Fingernägeln das Fleisch von den Knöcheln reißen. Ich will lieber nichts riskieren. Ich bin schließlich ein vorsichtiger Mensch! Dass muss man, glaube ich, auch sein wenn man überleben will. In einer Welt wie dieser, vollgestopft mit kindermordenden Pseudo-Clowns und seltsamen Anzugträgern die, Tentakel schwingend und Zettel verteilend, im Wald Amok  laufen.

Tropf, tropf, tropf...

Nein,nein,nein,nein,nein,nein... Ich werde nicht schlafen! Ich bleibe wach!

Tropft dort vor meinem Fenster überhaupt noch Wasser? Blut? Irgendwas? Oder höre ich schon längst mein eigenes Gehirn, das sich auflöst und langsam aus meinem Kopf läuft? Ich starre in die Dunkelheit. Stunden lang. Jahre lang. Ein Leben lang. 

Meine Augen trocknen langsam ein. Es tut weh. Ich darf sie aber nicht zumachen! Wenn ich die Augen schließe, werden die Anderen genug Mut finden, um sich mir endgültig zu nähern. Das wäre dann Atemberaubend.

Wortwörtlich.

Es wird nicht mehr hell. Heute nicht mehr. Vielleicht gar nicht mehr. Ich brauche einen neuen Plan. Wenn ich keine Augen mehr habe, kann ich sie nicht mehr schließen. Wenn ich meine Augen nicht mehr schließen kann, werden die Anderen nicht kommen. Die Anderen werden nicht kommen, solange ich sie sehen kann. 

Ich schlussfolgere: Erst wenn ich keine Augen mehr habe, werde ich für immer sehen können und in Sicherheit sein. Das klingt logisch, oder? Logik ist lustig.

Diese Nacht werde ich noch durchhalten. Morgen Früh werde ich mir dann die Augen aus dem Kopf schälen.

Nicht dass ich den lustigen Organdealer mit der blauen Maske nachahmen will! Das würde ich niemals tun! Es wird mir danach einfach viel besser gehen und klingt außerdem nach sehr viel Spaß.

Ich starre weiter in die Dunkelheit. Ich zeige der Dunkelheit den Mittelfinger. Ich lache. 

Tropf, tropf, tropf...  murmele ich vor mich hin.

Ich liege lachend und zitternd in meinem Bett.

Heute werde ich nicht schlafen. 

Ich bleibe wach!



TheVoiceInYourHead (Diskussion) 02:07, 27. Apr. 2014 (UTC)

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