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Traurig schnappte sie sich ihren Teddy, knuddelte ihn durch und gab ihm einen Kuss. Sie machte die Augen zu und stellte sich vor, wie jede ihrer Ängste sich wie eine dicke Nebelmauer um sie bildet und beschützt. Dunkel war es in ihrem Zimmer. Nur der Mond schien durch das Fenster, welcher lange Schatten warf und alles düster wirken ließ. Hektisch strich sie sich eine Strähne aus der Stirn und klemmte sie sich hinter das linke Ohr. Es war eine kurze Zeit lang völlige Stille und man hörte nur ihren leisen Atem.

Doch dann hörte man mehr. Es waren schwere, laute Schritte und binnen Sekunden bildete sich Angstschweiß auf ihrer Stirn, ihre Hände wurden feucht und eiskalt. Ruckartig öffnete sie ihre Augen. Ängstlich presste sie den Teddy an ihren wehrlosen Körper und zitternd sah sie sich nach einem Gegenstand um, mit dem sie sich notfalls wehren könnte. Schnell griff sie nach einem Messer, das unter ihrem Schreibtisch lag. Gegenüber von ihr war die Tür, an die gleich eine Treppe grenzte, die in das untere Stockwerk führte. Die Schritte wurden immer lauter und die Treppe ächzte unter dem Gewicht der Person.

Ihr war klar, dass sie zu schwach war, keinen Mut hatte und sich nicht wehren konnte. Trotz des Messers fühlte sie sich schutzlos und winselte leise vor sich hin. Schon bald würde er die Schwelle ihrer Zimmertür erreichen, sie überschreiten und wütend auf sie einschlagen. Sie sandte ein Stoßgebet, dass er ihr nichts antun würde, sie höchstens anschrie und wild in die Luft boxen würde und sie verfehlt. ,,Samy! Ich bin wirklich sehr sehr wütend auf dich!! Komm raus, damit ich dir nicht wehtun muss!!", schrie er und schlug regelrecht auf die Tür ein. Ihr Herz pochte und zitternd flüstere sie dem Teddy in ihrem Arm ins Ohr: ,,Teddy, es wird alles gut. D-du brauchst dir keine Sorgen um mich zu machen... ich bin schon groß, ich schaffe das sch-schon..."

Ein kleiner Funken Mut packte sie und zögernd stand sie auf, legte den Bären auf das Bett und nahm entschlossen das Messer in die Hand. Mit wackligen Beinen setzte sie zum ersten Schritt an, doch dann riss er die Tür auf, sprang auf sie drauf und packte sie mit einem festen Griff am Hals und an ihrem Handgelenk. Er schrie etwas vonwegen, wie dumm sie doch sei nicht auf ihn zu hören, wie er sie umbringen will und ihre Leiche dann versteckt oder verbuddelt. Doch von alldem kriegt sie nichts mit. Viel zu oft hatte sie schon das gehört, viel zu oft sich schlagen, treten und rumschubsen lassen.

Heute wird es anders. Heute wird sie ihm zeigen, wie sehr sie gelitten hat und leidet. Heute würde es anders enden. Sie hatte es ihrem Teddy ja versprochen. Der Griff von ihm wurde etwas locker um ihren Hals und sie unterdrückte ein Husten. Schnell nutzte sie diese Gelegenheit und schubste ihn von ihr runter. Verdutzt über die Reaktion seiner Tochter löste er den Griff an ihrer Hand und sie hielt im das Messer unter die Nase. Sie rutschte weiter in Richtung Wand und versuchte sich aufzurappeln. Ihre Beine waren aus Gummi und mühsam baute sie sich vor der Wand und vor ihrem Vater auf. ,,Haha! Darüber kann ich ja bloß lachen! Ein... Messer! Ha! Hast du denn nichts besseres zu bieten?! Mit deinen erbärmlichen 8 Jahren! Kleines Stück Abschaum! Schlimmer als deine Mutter!" Mit diesen Worten torkelte er zurück und hielt sich am Türrahmen fest.

"Jetzt oder nie!", dachte sie sich und hielt das Messer weiter vor sich, rannte auf ihren Vater zu und stach ihm mit aller Kraft das Messer in seine Magengegend. ,, W-Was soll das?!" Entsetzt und voller Erstaunen sah er erst seine Tochter an und dann auf das Messer, das zur Hälfte aus seinem Körper rausschaute. Mit großen Augen und fehlenden Worten ging er einen weiteren Schritt zurück und war kurz vor der ersten Stufe. Mit aller Kraft zog sie das Messer raus und stach erneutes Mal zu. Diesmal war es nicht mehr so schwer und sie spürte keinen großen Widerstand, wie beim ersten Mal. Es spritzte Blut und tränkte ihr weißes Kleid in tiefes dunkelrot. ,,Aller guten Dinge sind drei!! ", schrie sie und rammte ihm nochmal das spitze Messer in den Bauch, sodass eine tiefe Wunde entstand.

Brüllend und voller Schmerz griff dieser nach seinem Bauch. Samy schubste ihn und er fiel rückwärts die Treppe runter. Er überschlug sich mehrmals und knallte mit dem Kopf gegen den Geländerpfosten. Die massive Holztreppe war nun voller Blut und aus seinem Kopf floss es in Ströhmen heraus. Zitternd ließ sie das Messer fallen, es klirrte dumpf die Treppe runter und geschockt stand sie im Türrahmen. ,, Pa-Papa...? B-Bist du tot...?", fing sie an zu stottern und ein arger Schwindel überkam sie. Bevor sie wirklich verstand was los war, regte sich ihr Vater nicht mehr. Erneut fragte sie leise ob er tot sei. Wieder kam keine Antwort und schnell stolperte sie die Treppe runter, kauerte sich neben den Leichnam ihres Vaters und schüttelte ihn.

Seine Augen starrten ins Nirgendwo und waren leblos.,,PAPA! Papa! Papa! Wach auf!", schrie sie und rüttelte an ihrem Vater rum. Keinerlei Reaktion. Hektisch krabbelte sie über ihn hinweg und rannte den Flur entlang zur Küche. "Wo ist das Telefon?!" Wild durchstöberte sie den Haufen an Zeitung der auf dem Küchentisch lag nach dem Telefon. Als sie es fand gab sie die Nummer des Rettungsdienstes ein, welche auf dem Zettel stand und an der Kühlschranktür den Platz hatte. 

Ehe sie alle Informationen den Beamten dort geben konnte war ihr eines klar: Heute hatte sie ihr Schicksal verändert und das ihres Vaters ebenfalls. Was würde jetzt passieren? Nachdem sie alles gesagt hatte was notwendig war, legte sie auf und rannte in Windeseile zurück zu ihrem toten Vater. Er lag einfach so da. Tat keinen Muckser und schließlich kauerte sie sich neben ihn und fing an zu weinen.

In wenigen Minuten war sowohl Polizei als auch der Notdienst vor Ort und sperrten alles ab, selbst Leute vom Jugendamt waren gekommen. Sie wurde mit einer Truppe von Frauen und Männern in einen Krankenwagen gebracht wo man sie auf Verletzungen oder ähnlichem untersuchte. Man fand nichts bei ihr. 

Plötzlich wurde ihr schwarz vor Augen und ihr letzter Gedanke war der, dass sie ihren besten und einzigen Freund, den Teddy, in ihrem Bett liegen gelassen und vergessen hatte.

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