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Ich hasse Gewitter. Einige finden es ja romantisch oder gar faszinierend, wenn die Welt draußen untergeht. Ich jedoch hasse es, wenn der Regen gegen die Fenster trommelt und der Donner mich hochschrecken lässt. So auch in dieser Nacht. Ich liege wach in meinem Bett und versuche die Gedanken an diese Naturkatastrophe da draußen zu vertreiben. Angespannt blicke ich aus meinem Fenster und erschrecke jedes Mal, wenn einer der grellen Blitze den Himmel taghell aufleuchten lässt.

Heute Nacht werde ich sowieso nicht schlafen können. Bei dem nächsten lauten Krachen setze ich mich aus meinem Bett auf und laufe durch den Flur zu meiner Küche. Der Wasserkocher piepst leise, als ich ihn einschalte. Ich hänge einen Teebeutel in meine Lieblingstasse und zittere leicht, als ich einen weiteren Blitz in der Spiegelung des Wassers erkennen kann. Mein Haus hat keine Rollläden, ich kann also das Gewitter nicht einfach aussperren und ignorieren. Mit einer Schüssel Chips und dem Tee im Gepäck schließe ich die Küchentür hinter mir. Ja, ich weiß. Der gesündeste Nachtsnack ist das nicht. Aber weiter in der Küche rumstehen und mir noch etwas Richtiges machen möchte ich auch nicht.

Zurück im Schlafzimmer stelle ich alles auf meinen Nachttisch und versuche mein zerwühltes Bett wieder gemütlich zu machen, als mich Donner zusammenfahren lässt. “Scheiße“ entfährt es mir, während mir bewusst wird, dass ich gerade mein Getränk von meinem Nachttisch gefegt habe. Seufzend setze ich mich auf mein Bett und halte mein Gesicht in den Händen. Draußen blitzt es erneut, jedoch versuche ich einfach wegzusehen. Ich greife neben mich und schalte mein Handy ein.

Ich kuschele mich in meine Bettdecke und scrolle durch Facebook. Ein paar Kochvideos, irgendwelche Petitionen und Pseudonachrichten. Ich werde heute Nacht sowieso nicht mehr schlafen, also suche ich auf gut Glück nach Horrorgruppen. Auch wenn Gewitter absoluten Terror bei mir auslösen, so bin ich doch ein Riesen-Fan von guten alten Creepypastas. Ich finde sogar eine, recht weit unten mit wenigen Mitgliedern und stelle eine Beitrittsanfrage. Bereits wenige Minuten später darf ich mitlesen, kommentieren und auf den obligatorischen “gefällt mir“ Button drücken.

Aber was ich dort sehe, widert mich an. Wieso zum Teufel lädt man so etwas hoch? Bilder von Menschen, die sich scheinbar vor Angst eingenässt haben und ängstlich in die Kamera starren, Bilder einer Frau mit leerem Gesichtsausdruck, deren Hände mit Tape an ein Kinderbett gefesselt sind. Vom Deckchen tropft eine dunkle Flüssigkeit in eine Pfütze am Boden. Bilder eines kleinen Jungen, der sich noch immer an den Torso eines Erwachsenen klammert, der mit leeren Augenhöhlen und Schaum im Mund in einer Ecke liegt. Dazwischen immer wieder Bilder von Hausfassaden, leeren Zimmern oder Gehwegen. Wie kann so etwas auf Facebook sein?!

Mir wird schlecht. Ich renne in mein Badezimmer und schaffe es gerade noch zur Toilette, bevor sich mein Mageninhalt in die Schüssel entleert. Als ich wieder zurück in mein Zimmer komme und auf mein Handy sehe, ist die Gruppe bereits verschwunden. Ich vermute, dass sie wegen des Inhalts gelöscht wurde. Gut so. Draußen zuckt wieder ein Blitz vorbei, heller als alle anderen zuvor. Ich versuche mich wieder in meine Decke zu mummeln und das alles einfach zu verdrängen, als mein Handy vibriert. Der Admin der alten Gruppe lädt mich in eine neue ein.

Zum zweiten Mal heute Abend muss ich fluchen. Ich will das nicht sehen, ich hasse Gore. Auch Splatter und dieser pseudogruselige Scheiß kann mir gerne gestohlen bleiben. Trotzdem nehme ich an, mit dem Ziel, jeden der verdammten Teilnehmer dort zu melden. In der neuen Gruppe sind allerdings nur der Admin und ich. Ich scrolle hinunter, um meiner Freundin einen Screenshot zu machen. Ich will mit irgend jemandem darüber reden können. Dann stocke ich.

Zwei Beiträge weiter unten entdecke ich ein Bild, dass mir das Blut in den Adern gefrieren lässt. Das ist MEIN Haus. Ich erkenne die Art der Fenster und die Dekoration wieder, das ist ganz klar mein Haus! Ich keuche auf und erstarre. Das nächste Bild hat noch nicht vollständig geladen. Ich mache einen Screenshot, wechsele in den Whatsapp-Chat und schicke es an Mia. Es sendet nicht.

Mein Blick wandert über den Bildschirm auf das WLAN-Symbol. Es ist nirgendwo zu finden, das Internet muss wegen des Gewitters ausgefallen sein... Ich habe Angst. Trotzdem wechsele ich zurück zu Facebook und warte auf das nächste Bild. Quälend langsam schiebt sich der kleine Kreis vorwärts. Endlich ploppt es auf und ich kann meinen kleinen Aufschrei nicht unterdrücken. Das bin ich, wie ich mit meinem Tee und den Keksen zurück in mein Zimmer haste. Von hinten, aus dem kleinen Schrank in meinem Flur geschossen.

Etwas knackt irgendwo im Haus. Ich kann nicht atmen. Dann schicke ich erneut einen Screenshot an meine Freundin, aber was tue ich da? Ich schließe Facebook und tippe auf den kleinen grünen Hörer links unten. Dann wähle ich die Nummer der Polizei. Meine Hände zittern so stark, dass ich mich dauernd verwähle. Bei ganzen 3 Nummern fast schon ein Meisterstück, oder?

In dem Moment, in dem ich das Handy sinken lasse, um es an mein Ohr zu legen, fällt es mir auf. Eine dunkle Silhouette, in der Ecke meines Zimmers. Mit einem leisen Klicken und einem freudigen “Willkommen in der Gruppe“, drückt die Gestalt den Auslöser und erneut blitzt es hell um mich herum. Ich bin kurz geblendet, spüre, wie mir jemand das Handy aus der Hand schlägt und mich fest in meine Kissen drückt. Ich wende panisch den Blick zu meinem Fenster und schaue nun das erste Mal heute Nacht in den wolkenlosen Himmel.

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