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"Na Krümelchen, bist du heut fit? Ich hab dir was mit gebracht...schau mal..."

"Ich muss sterben, oder?"

So schwungvoll, wie ich in das Krankenzimmer kam, so schnell verharrte ich auch abrupt in jeder Bewegung. Das sind Momente, wo in sekundenschnelle eine halbe Ewigkeit kunterbunt im Innersten durcheinander wirbelte. Wo man sucht in sich nach dem..."Was sag ich bloß? Was ist richtig?" Abgesehen davon, dass man sich auch hilflos empfindet. Es sind die Momente, die uns befangen machen..unsicher und auch scheu. Jemand ist gestorben und man sucht nach den Worten für die Hinterbliebenen. Jemand bricht in Tränen vor einem aus, oder wie jetzt...jemand wird sterben und weiß es, wie dieses Kind vor mir. In diesen Momenten schalte ich um auf das Intuitive...Instinkt.

"Na ja, Krümelchen...nicht heute, aber ja...du hast Recht." Mit weichen Knien setze ich mich zu ihm ans Bett. Seine Augen durchbohrten mich förmlich, schauten mich lange an und innerlich tobte in mir ein Gefühlssturm.

"Und was dann?"

"Hm, weißt du, dass ist eine der schwersten Fragen die man stellen kann und eine, auf die niemand wirklich eine Antwort hat."

"In der Schule haben sie gesagt, ich komm in den Himmel. Stimmt das denn gar nicht?"

In mir gackerte die Atheistin und ich brachte sie zur Ruhe.

"Weißt du Krümelchen...es ist einfach so, dass es keiner wirklich weiß, aber manche etwas glauben. Kennst du den Unterschied zwischen Wissen und Glauben?"

"Ja, ich glaub schon. Ich bin ein Junge, das weiß ich und als Mama Lisa im Bauch hatte, glaubte Mama, das es Lisa ist. Aber gewusst haben wir das erst, als Lisa da war."

"Siehst du und so ist es eben auch mit dem Sterben. Viele glauben was kommt, aber wissen wird man es erst, wenn es soweit ist."

Schweigen kehrte ein. Krümelchen dachte nach.

"Aber ich hab Angst. Also ein wenig hab ich Angst. Vielleicht ist es ganz schlimm."

Ich merkte wie Tränen hochkommen wollten. Wie sollte ich denn einem Kind die Angst nehmen? Lügen? Das könnte ich nicht und Kinder haben so feine Antennen. Ich holte tief Luft....

"Ich hätte auch Angst. Wenn etwas passiert und niemand einem sagen kann, was wird, das macht auch Angst. Und so gern ich es möchte, ich kann dir nicht sagen, was kommen wird. Das hat jeder. Man ist traurig, weil man stirbt und man hat die Zeit davor Angst, weil man nichts weiß, aber das hört auf, wenn du gestorben bist. Da bin ich sicher, dann ist die Angst weg."

Innerlich krampfte sich alles in mir zusammen. Welch ein Satz, aber ich wusste mir nichts anders zu helfen.

"Kann man glauben was man will? Sich was wünschen? Das wäre doch keine Lüge dann,stimmts?"

"Nein, das wäre keine. Jeder darf was glauben."

"Mama hat immer gesagt, manchmal gehen Wünsche auch in Erfüllung ,wenn man ganz fest daran glaubt. Das hab ich zu Weihnachten gemacht und das hat geklappt."

Noch ein wenig skeptisch schaute mich Krümelchen an.

"Da hat deine Mama auch vollkommen recht. Was würdest du dir denn wünschen?"

Doch so leicht kam ich nicht davon, denn schon kam die Frage...

"Was glaubst du denn?"

"Ich weiß es nicht genau, nicht wie ich es mir wünsche...aber ich weiß genau, es wird schön. Daran glaube ich fest. Das ich keine Angst haben werde, mir nichts wehtun wird."

Ich stockte kurz...mir fiel was ein...

"Ich kenn da eine Geschichte, von einem Jungen, den man auch Krümelchen nannte. Auch er hatte Angst und wusste er würde sterben. Sein Bruder hat ihm dann erzählt, was er glaubt."

Krümmelchen nickte. Etwas später waren wir beide in der Geschichte vertieft von den Gebrüder Löwenherz, in der Astrid Lindgren von Krümel erzählte und seinem Bruder Jonathan, wie beide starben und nach Nangijala kamen. Am Ende des Buches angekommen war Krümelchen sehr müde und kurz vorm Einschlafen. Und wenn ich ihm auch nicht viel helfen konnte, die Angst nicht nehmen konnte, hoffte ich... ihm wenigstens Bilder und Worte jetzt gegeben zu haben, die ihm einen schönen Traum geben würde. Einen kurzen Moment ohne Angst.

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