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Ihre Tochter war vor einiger Zeit zu einem merkwürdigen Kind geworden.

Sie war nicht dumm, nein, das bei Weitem nicht. Das Kind war schon immer ausgesprochen intelligent gewesen. Sie verstand vieles, was in unserer Gesellschaft wohl als „Erwachsenenthema“ gehandelt wird. Auch schrieb sie ausgezeichnete Arbeiten und wusste auf vieles eine Antwort.

Unsportlich war sie ebenfalls nicht. Ob Ball- oder Kampfsport, Schwimmen oder Leichtathletik, in allem konnte sie mithalten.

Einsamkeit war ihr ebenfalls fremd, sie hatte viele Freunde. Es schien unmöglich, dieses freundliche und hübsche Mädchen zu hassen.

Auf den ersten Blick war sie die perfekte Tochter, doch eines gab es, das ihre Mutter nicht verstehen konnte. Diese Angst vor ihrem alten Kleiderschrank.

Sicherlich, viele Kinder erzählten von Monstern unter ihren Betten, im Spiegel oder eben in der undurchdringlichen Dunkelheit hinter den Türen ihrer Schränke. Doch dieses Mädchen hatte damit angefangen, als sie 14 Jahre alt war! Nun ging es schon seit zwei Jahren so, was ihre Mutter langsam aber sicher zur Verzweiflung trieb.

Sobald sie sich diesem Schrank auch nur im Geringsten näherte, begann ihre Tochter zu schreien: “Mama, bitte geh da weg! Es wird dich fressen, in Stücke reißen, umbringen!“ Darauf folgte meist ein hysterisches Weinen und hin und her schaukeln des Mädchens.

Auch Ärzte und Psychiater wussten keinen Rat mehr. Weder Medikamente, noch Therapien hatten geholfen.

Vielleicht hätte die Mutter es einfach akzeptieren sollen, doch dieser Schrank stank bestialisch. Ihre Tochter war irgendwann dazu übergegangen, das Monster mit Opfergaben zu besänftigen. Obst und Gemüse aus der Küche, hin und wieder ihr eigenes Abendessen. Sie verschloss ihre Zimmertür, damit es diesen Raum nicht verlassen konnte, riss dann den Schrank auf, warf das Essen hinein und verschloss ihn letztendlich wieder. Dies tat sie immer nur am Tag, da das Monstern dann, wie sie sagte, schlief.

Als ihre Mutter einmal vorgeschlagen hatte, den Schrank einfach zu entsorgen, bekam ihre Tochter eine regelrechte Panikattacke und stammelte, dass es sie finden und sich rächen würde. Das führte zur Anschaffung eines zweiten Schrankes, denn sie ganz normal zur Aufbewahrung ihrer Sachen nutzte.

Die Mutter hatte irgendwann endgültig genug. Endlich kam ein Tag, welcher ihr die Gelegenheit gab, dieses Ding rauszuschmeißen. Ihr Mädchen wollte an diesem Abend feiern gehen, so richtig „die Sau rauslassen“, wie sie meinte. Diese Chance würde ihre Mutter sich nicht entgehen lassen.

Sie ging also, als ihre Tochter schon eine gewisse Zeit weg war, zu dem verhassten Möbelstück. Wie erwartet war der Schrank verschlossen und es dauerte eine Weile, den versteckten Schlüssel zu finden. Um genau zu sein musste die arme Frau einen Blumentopf durchstöbern, um das kleine Ding in die Hände zu bekommen. Sie drehte ihn im Schloss, öffnete die Tür und...

...wurde von einer stinkenden Masse überschwemmt. Ihre Augen weiteten sich, sie war unfähig sich zu bewegen. Die Mutter starrte es einfach nur an.

Neben Gemüse und Obst waren dort auch Knochen, Fleischbrocken, Organe und andere undefinierbare Überreste. Alles überdeckt von Blut und eitrigen Körpersekreten. Es waren viele Tiere darunter, ganz kleine wie Insekten, Mäuse und Ratten, aber auch größere: Ein Hund, ganz frisch mit durchgeschnittener Kehle und die vermisste Nachtbarskatze. Alle in verschiedenen Stadien der Verwesung. Einige waren blanke Knochen, andere kaum berührt.

Und dann sah sie einen fürchterlich entstellten, menschlichen Schädel.

Sie musste sich übergeben, zu unerträglich waren Gestank und Anblick dieses Leichenberges.

Die Mutter taumelt, stolperte über dieses Grauen und fiel mit dem Kopf voran in einen Haufen aus halb zersetzte, von Maden durchzogenen Kleintieren. Sie verschluckte etwas davon. Ehe sie wirklich reagieren konnte, hörte sie eine Stimme hinter sich:


„Ich hab doch gesagt, dass du ihn nicht aufmachen sollst...“

Sie drehte sich um und blickte in das Gesicht ihrer Tochter. Ihre Haare waren verklebt, in ihren Augen spiegelten sich Wahnsinn. In einer Hand hielt sie ein noch zuckendes, ehemals weißes, Kaninchen, welches von seinem Blut getränkt war. In der Anderen lag ein großes Küchenmesser. Sie lächelte traurig.

„Dir wollte ich am wenigsten wehtun.“


Das Letzte, was die Mutter sah, war das Aufblitzen des kalten Stahls.

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