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„Hast du Angst?“

„Nein...“

Meine Stimme zittert kaum merklich, als ich ihnen antworte. Die Augen fest geschlossen, fahre ich fort: „Ihr seid nicht echt.“ „Wie unhöflich!“, eine neue Stimme, keckernd, annähernd weiblich. „Er ist nur etwas schüchtern, lass ihn doch“, erwidert der Vorsitzende spöttisch.

Sie kommen in der Nacht, sobald ich schlafen will. Es sind immer andere, nur der Vorsitzende war von Anfang an hier. Sie wollen mich holen, doch wenn ich sie nicht sehe, ihre Existenz verleumde, verschwinden sie am Morgen wieder.

„Kindchen, komm schon, wir sind nicht hässlich.“ „Genau, genau!“ „Hihi... willst du nicht spielen?“ All diese Stimmen, die ich nicht zuordnen kann. Hohl und unmenschlich, manchmal durchsetzt von tierischen Lauten. Ich habe schon vor Langem aufgehört, sie mir zu merken, dazu sind es inzwischen zu viele.

„Na los, alter Freund“, da ist er wieder, dieser wissende Unterton des Vorsitzenden,“wenn wir nicht da sind, dann kannst du doch deine Augen öffnen.“ Zustimmende Rufe der anderen folgen: „Mach schon!“ „Angsthase, trau dich!“ „Wir sind gar nicht da!“ Viele fallen kichernd mit ein.

Ich schweige, presse verzweifelt die Hände auf meine Ohren. Der schrille Chor ihrer Stimmen ist unerträglich. „Ihr seid zu laut, Freunde“, seine Stimme kann das allgemeine Getöse nicht übertreffen. „Freunde... RUHE!“ Es wird augenblicklich still und für einen Moment ist es so, als würden wir alle, sie wie auch ich, vor dem Vorsitzenden zurückschrecken.

Nach einer Weile kann ich leise Entschuldigungen und Gemurmel vernehmen: „Verzeihung, Herr.“ „Musst ja nicht gleich schreien, wir hören dich doch...“ „Genau, genau!“ Bald kehren sie wieder zu ihrer gewöhnlichen Lautstärke zurück und der Vorsitzende fährt fort: „Also, mein Lieber, du kannst mir ruhig glauben. Öffne die Äuglein, es ist alles gut.“ Dann scheint er sich an die Übrigen zu wenden: „Na los, meine Freunde, feuern wir ihn an!“

Der Lärm schwillt erneut an: „Augen auf, los!“ „Genau, genau!“ „Komm schon, Süßer...“ Allmählich vereinen sich ihre Stimmen zu einem grässlichen Sprechgesang: „Komm schon, wir sind nicht da. Es gibt uns nicht, nein! Augen auf, Augen auf, Augen auf...“ Immer und immer wieder wiederholen sie diese letzten Worte.

Irgendwann halte ich es nicht mehr aus und schreie so laut ich kann: „Seid still, ich will das nicht mehr!“ … Plötzliche Stille umfängt mich, absolute Stille. Ich horche angestrengt, kann jedoch nichts mehr vernehmen. Sie halten mich wohl für dumm, leichtgläubig, aber darauf werde ich nicht hereinfallen. „Ich weiß, dass ihr da seid!“, rufe ich in die Dunkelheit hinein.

Nichts. Kein Lachen, kein Gemurmel, nicht einmal ein leises Atmen. Nach einer Ewigkeit des Wartens, ohne, dass sich irgendetwas verändert hat, öffne ich schließlich meine Augen.

Und dann sehe ich in den Spiegel, der schwach vom Mond beschienen wird.


„Sagtest du, dass du weißt, dass es uns gibt?“

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