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Als ich die Nachricht von deinem Tod erhalte, befinde ich mich gerade im Pub, um mich zuzusaufen. Es ist laut, und stinkt nach Zigarettenqualm. Eigentlich ein ganz typischer Samstagabend. Normalerweise hätten wir unsere Datenacht gehabt, aber heute hatte ich schon ein Treffen mit den Jungs geplant. Du hast dich zwar nicht sonderlich gefreut, aber mir dann doch verziehen.

Im Nachhinein wünschte ich, ich wäre nicht gegangen. Wäre einfach zuhause geblieben. Dann wäre ich jetzt vermutlich auch tot. So wie du. Im Tode vereint.

Was für eine sadistische Vorstellung, angesichts dessen, was dir passiert ist.

Das erste Anzeichen für mich war die SMS. Sie war nicht von dir, wie sonst, sondern von deiner Mutter geschrieben:

'Bitte komm sofort.  Miriam.'

Drei Wörter. Ausgesprochen hätten sie bei jedem von euch den kalten Schweiß hervorgerufen.

Es war jedoch nur Text.

Und so steckte ich mein Handy mit einem Achselzucken wieder weg, um mich dem Billardspiel zuzuwenden. Ich wusste, egal was es war, wenn ich gekommen wäre, wäre es längst vorbei gewesen. Das gab es in unserer Beziehung öfter, diese Momente, etwa wenn etwas wahnsinnig Spannendes im Fernsehen lief, oder du von der Polizeiwache abgeholt werden musstest.

Immer wenn ich dann da war, war es schon vorbei: Die Sendung war längst zu Ende, oder deine Eltern hatten dich schon abgeholt. Du hattest mich immer als ersten informiert. Irgendwie glaube ich, dass es Sehnsucht war. Dieselbe Sehnsucht, die ich auch immer nach dir hatte, als du das geschrieben hast. Aber das sind nur alte Erinnerungen, in denen ich heute gerne schwelge.

Doch dieser Abend gehörte meinen Freunden.

Als ich mit dem Auto spätnachts zu dir nach Hause kam, war mir klar, dass ich hätte sofort kommen sollen:

Ein Großaufgebot an Polizisten stand im Innenhof deiner Eltern, der vom Blaulicht hell erleuchtet wurde.

Ich riss die Tür auf und sprang aus dem Auto. Stürmte nach drinnen. Wich zwei Beamten aus, die versuchten mich festzuhalten. Durchbrach das Absperrband, das an der Tür zu deinem Schlafzimmer hing.

Und da warst du. Bleich lagst du auf dem Bett, mit ausgestreckten Armen, ein hilfloses Flehen auf deinen Lippen.

Der Mörder war brutal vorgegangen, hatte dich mehrmals mit einem Messer in den Hals gestochen, den Bauchraum aufgeschlitzt, und dich buchstäblich ausgenommen.

Eine Woge der Übelkeit steigt in mir auf, ich drehe mich um und erbreche mich auf den Boden.

Ein Polizist fasst mich an der Schulter und führt mich raus.

„Ist schon gut…. Ich bin ihr Freund…. Ich war ihr Freund….“, bringe ich gerade noch heraus, ehe ich mich zum zweiten Mal übergeben muss.

Und da durchzuckt es mich wie ein Blitz.

Ich drehe mich zu dem Beamten um und sage: „Entschuldigen sie, aber ich glaube ich habe den Mörder gerade eben gesehen, als ich heimgekommen bin.“

Der Polizist wirkt erstaunt, ruft seinen Kollegen. Und ich erzähle es ihnen:

„Da war vorhin so ein komischer Typ, der seine Kapuze tief ins Gesicht gezogen hatte. Er rannte auf dem Fahrradweg Richtung Ortsausgang.“

Ich beschreibe die Situation genauer.

Eine Viertelstunde später haben sich sieben Polizeiwagen auf den Weg gemacht um den Mann aus meiner Beschreibung zu suchen.

Ich frage den Polizisten ob ich meine Freundin noch ein letztes Mal sehen darf.

Er bringt mich rein. Ich kann nicht weinen. Ich muss das erst realisieren. Der Polizist nimmt mich in den Arm, als wir in das Zimmer kommen, in dem sie liegt.

Ich beuge mich tiefer über meine Freundin, gebe ihr einen letzten Kuss.

Meine Finger ertasten etwas Glitschiges, Warmes unter dem Bett auf dem sie liegt.

Das Messer, das ich vorher nach der Bluttat dort vergessen habe.

Mit dem Messer in der Hand drehe ich mich zu dem Bullen um, ein irres Grinsen auf dem Gesicht.

Er hat nicht mal mehr Zeit zu schreien. Ich nehme die Waffe, die ich ihm während der Umarmung geklaut habe, in die rechte Hand und trete vor die Türe.

Ich schaffe es zwei Polizisten zu erschießen, bevor die anderen reagieren und mich mit ihren Kugeln durchlöchern. Während ich falle, immer noch wahnsinnig grinsend, ist mein letzter Gedanke:

„Im Tode vereint…“

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