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Ich weiß nicht, wie lange ich schon hier bin, aber das ist auch egal. Das einzige, was ich weiß und auch wissen muss, ist: Ich komme hier nie wieder raus. Dafür bin ich schon zu lange hier.

Zunächst war alles noch ertragbar, ich hatte gedacht, ich würde den Dingen schnell wieder ihren gewohnten Ablauf geben können. Mit der Zeit wurde mir jedoch klar, dass dieses Spiel, was hier mit mir getrieben wird, um einiges perfider ist, als ich vermutete. Nun bin ich schon eine ganze Weile hier. Inzwischen habe ich aufgehört die Zeit genau zu schätzen, aber es dürfte irgendetwas zwischen fünf und zehn Jahren sein. Man hat mir sogar gesagt, wie ich es hier raus schaffe. Bis heute habe ich nichts erreicht... 

Dieser Hunger bringt mich eines Tages noch um. Ehrlich gesagt weiß ich garnicht, ob ich überhaupt noch lebe, oder mein restliches Dasein unter niemals endenden Qualen in irgendeiner Dimension zwischen irdischem Wahrnehmen und Jenseits verbringen werde. Ich vermute eher Letzteres, denn eine logische Erklärung für all das kann ich einfach nicht finden. Diese Dunkelheit hier drinnen, sollte man nicht meinen, ich hätte mich in all den Jahren an sie gewöhnt?

Nein.

Stattdessen scheint sie mich mit jedem weiteren Tag auszulachen. Ich bin schon so lange hier, dass dieses Lachen inzwischen von einem hohen Ton in meinen Ohren unterdrückt wird. Viel schlimmer als die Dunkelheit ist das Licht. Wenn du den Großteil deines Lebens in Dunkelheit verbringst, ist schon der kleinste Funke Licht so, als würde man dir einen Flutlichtwerfer direkt ins aufgerissene Auge halten. Es ist eng hier. Ich kann mich kaum bewegen. Wahrscheinlich ist es eine weitere Schutzfunktion meines Körpers, dass ich so gut wie nichts mehr spüre. Einst konnte ich gegen die Wände schlagen, mit den Fingern dagegen kratzen - inzwischen hat sich eine braune trockene Konsistenz unter ihnen abgelagert, die auch meine Kratzspuren mit Farbe füllen. Heute kann ich auch das nicht mehr, weil ich weiß, dass diese verzweifelten Versuche vergebens sind. Ich bin mit nicht sicher, ob mein körperlicher Zerfall ein weiterer Teil meiner Bestrafung ist, oder ob ich damit unbewusst versuche, mich selbst zu schützen.

Egal.

Zu meinen Anfangstagen habe ich es auch mit Schreien versucht. Niemals wurden sie erhört. Wahrscheinlich hat auch meine Stimme mich schon längst verlassen. Keine Ahnung, aber auch das ist mir egal. Es gibt aber etwas, das viel schlimmer ist als all diese Qualen, sie sind alle nur kleine fiese Mitbringsel meiner Bestrafung. Das schlimmste daran ist diese Demütigung. Jeden Tag hättest du mich befreien können, jeden Tag hättest du mein Retter sein können, doch es ist längst zu spät. Wir waren uns oft so  nahe, manchmal berührtest du mich sogar, aber niemals hast du mich wahrgenommen. Um dich nicht mit einem Fragezeichen im Kopf stehen zu lassen ist es vielleicht besser, dir den Grund für meine Gefangenschaft zu verraten. Es ist eine Bestrafung, wie ich bereits erwähnte. Ich erinnere mich noch an ein Mädchen. Wir haben etwas Verbotenes getan, etwas, das ihren Vater sehr verärgete. Der Typ war ein Magier und kein besonders netter. Du denkst ich sei verrückt? Wahrscheinlich bin ich das auch, aber ich wette, auch in deinem Umkreis befindet sich ebenfalls einer, du müsstest nur genau genug hinsehen, denn sie sind Meister der Illusion, sie schaffen es, unter euch zu gehen, ohne dass ihr auch nur den Hauch einer Ahnung habt und irgendwann läuft vielleicht auch dir einer der bösen Sorte über den Weg, also gib Acht.

Als er mich verwünschte gab er mir folgende Phrase mit auf den Weg:

Ein Leben in Gefangenschaft sollst du führen
Bis eine reine Seele, öffnet deine Türen
Auf deine Bitte hin muss es geschehen
Sonst wird der Befreier dich niemals sehen


Und jetzt bin ich hier.


Ich fand das alles ziemlich einfach. Mit reiner Seele meinte er ein Kind, mit meiner Bitte meinte er, dass mein Bann nicht verfliegt, wenn jemand unwissentlich mein Gefängnis öffnet. Wer mir die Tür öffnete konnte ich schlecht kontrollieren, also setze ich auf Quantität. Ich fing an zu schreien und gegen die Tür zu schlagen. Manchmal machte mir eine etwas älter Frau auf, selten auch ein Mann, doch ihre Seelen waren nicht rein. Nein, ich musste dich erreichen. Manchmal schloßt du mein Gefängnis auf, aber nicht, weil ich dich vorher gebeten habe. Du konntest mich nicht sehen und befreien, obwohl du so nahe an mir warst. Vielleicht ist deine Seele ebenfalls nicht mehr rein, vielleicht auch doch, es spielt keine Rolle. Ich habe längst aufgegeben. Jetzt hast du deine Ruhe, es tut mir Leid, dass ich dich sooft in Angst versetzt habe, es war nicht meine Absicht.

Du hättest mir niemals aufgemacht.


Denn für dich war ich immer nur das Monster im Schrank.

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