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Es ist dunkel um mich herum. Die einzige Lichtquelle, und so ziemlich das einzige was ich in meinem Zimmer sehen kann, ist der Monitor vor mir. Eine Office-Datei ist geöffnet, und bereits anderthalb Seiten habe ich füllen können. Ich versuche mich von Zeit zu Zeit an Kurzgeschichten, Fanfictions und solchem Kram. Und nein, ich rede hierbei nicht von irgendwelchen absurden Youtuber-Liebesgeschichten, die weder Erzähl- noch Storytechnisch irgendetwas zu bieten haben. Aber egal. Ich habe vor einiger Zeit ein Projekt gestartet, eine längere Geschichte, mit vielen Kapiteln. Den ersten Teil konnte ich vor kurzem erfolgreich abschließen, doch ich habe einfach keine guten Ideen für den zweiten Teil, obwohl ich gerade diesen ganz groß angekündigt hatte. Ich versuche es, dunkle das Zimmer ab, höre passende Musik, aber trotzdem will mein Hirn mir einfach keine guten Einfälle liefern. Ich schließe müde die Augen und massiere mir die Stirn. Wie auch immer. Ich muss erst einmal dieses Kapitel abfertigen, vielleicht fällt mir später vor dem Einschlafen wieder etwas gutes ein. Obwohl ich es vermutlich am nächsten morgen schon wieder vergessen hätte.

„Der Unbekannte zog ein langes, gerilltes Messer aus den tiefen seines Mantels. Er unterbrach den Blickkontakt nicht, während er die glatte Seite der Klinge über seinen Oberarm zog. Ein feines Rinnsal Blut quoll aus der Wunde wie...“

Schon wieder. Ich will etwas schreiben, meine Finger liegen auf der Tastatur, nur auf die Wörter wartend, die sie tippen sollen, doch in meinem Gehirn herrscht einfach nur leere. Es fühlt sich an, als hätte ich ein weißes Blatt Papier im Kopf. Naja, mich weiter zu bedauern hilft nichts. Für die Inspiration, was bildliche Darstellungen geht, habe ich ja mein kleines Hilfsmittel.

Mit einem schnellen Griff speichere ich das Dokument ab, schalte die Schreibtischlampe an und stehe auf. Gott, mir tun die Beine weh. Ich habe viel zu lange gesessen. Und das für lächerliche anderthalb Seiten. Aber das würde sich gleich wieder ändern.

Ich verlasse mein Schreibzimmer, durchquere den Flur, den ich mit Postern nur so zugekleistert habe und bewege mich auf die Kellertür zu. Mir wird immer ein wenig mulmig, wenn ich den Keller betreten will. Ich bin inzwischen ein einigermaßen erwachsener Mann, aber meine alten Kindheitsängste werde ich wohl niemals los. Es gibt nun einmal leider Gottes keinen anderen Ort, wo ich mein Hilfsmittel aufbewahren könnte.

Mit einem dumpfen quietschen öffne ich die Tür. 'Wie stimmig', denke ich mir und gehe leise lächelnd die Treppe hinunter. Das alte, marode Holz knarzt bei jedem meiner Schritte. Ich erwarte schon seit Ewigkeiten, dass mir die Treppe irgendwann unter den Füßen wegstürzt, aber ich kann sie ja schlecht austauschen lassen. Ich selbst hatte schon in der Schule immer Sechsen in Technik, und ich konnte auch niemanden bezahlen, damit er es für mich tat. Es bestand schließlich die Gefahr, dass er von meinem kleinen Hilfsmittel erfuhr. Schließlich erreiche ich das Ende der Treppe, und damit auch den Lichtschalter links von mir. Ich schaue nicht in die Dunkelheit. Ich will meiner Fantasie gar nicht erst die Chance geben, den Keller mit irgendwelchen Monstern oder Ungeheuern zu füllen. Mit einem leisen Klicken lege ich den Schalter um, und eine einzelne, nackte Glühbirne wirft ihr schwaches Licht auf graue, unbemalte Wände, einen kleinen Tisch aus Edelstahl, wie man ihn vom Zahnarzt kennt, mit einer Reihe verschiedener Messer und anderer scharfer Gegenstände darauf, metallene, verrostete Ketten, die in die Wände eingearbeitet sind, und die blasse, blutverkrustete Haut mitsamt dem Menschen, den sie umschließen. Ich versuche mich zu erinnern, welches Geschlecht mein aktuelles Hilfsmittel doch gleich hatte, doch mir wurde die Überlegung abgenommen, als eine eindeutig weibliche Stimme schwach wimmerte: „Bitte...bitte, nicht wieder...ich werde nichts sagen...lassen sie mich gehen...bitte...“

„Nah, ich glaube nicht das ich dass tun kann. Weißt du, ich brauche dich hier unten. Woher sollte ich sonst meine Inspiration kriegen?“ „Du verdammter, kranker Bastard, lass mich gehen! Ich habe dir nichts getan, du widerwärtiges Arschloch!“ schrie sie und funkelte mich aus trüben, grünen Augen an. Tränen der Wut und Angst standen Ihr im Gesicht.

Ich zucke erschrocken zusammen. Ich mag es nicht, wenn Leute laut werden und schreien, und die Kellerwände machten das ganze nicht gerade besser.

„Weißt du,“ begann ich, „hier unten wird dich keiner hören. Wenn du also bitte aufhören könntest, so zu schreien...“ „Fick dich!“ schrie sie erneut, und ich zuckte wieder zusammen und presste die Lippen zusammen, um nicht die Beherrschung zu verlieren.

„Was willst du von mir?“ wimmerte sie. „Geld? Oder einfach nur meinen Körper?“ Ich öffnete wieder die Augen und trat auf sie zu. Meine Hände bahnten sich automatisch den Weg auf den kleinen Tisch zu, und ich überlegte, was für ein Messer der Mörder in meiner Geschichte verwenden sollte, während ich geistesabwesend antwortete.

„In gewisser Weise schon, ja.“

Meine Wahl fiel auf ein Küchenmesser, welches an einer Seite glatt und scharf, an der anderen gerillt war, wie man es normalerweise zum schneiden von Brot verwendet. Ich ziehe langsam und verträumt einen Finger über die glatte Seite der Klinge, wobei ich die Beleidigungen und das Flehen meines Hilfsmittels ausblende. Es sind sowieso immer dieselben Phrasen, die sie mir entgegenschleudern. Ich greife mir noch rasch einen trockenen Lappen vom Tisch, stopfe in der Frau in Mund, packte sie am Handgelenk und drehte sie so, dass sie mir Ihren Oberarm preisgab.

„Und jetzt gib Ruhe, ich muss mich hier konzentrieren. Du willst sicher auch nicht, dass ich aus Versehen zu weit schneide, oder?“

Ohne die dumpfen Geräusche, die aus dem Knebel hervordringen, zu beachten, ziehe ich die glatte Seite des Messers über Ihren Oberarm. Eigentlich hätte ich hierfür lieber einen Mann verwendet, da der Mörder in meiner Geschichte schließlich auch ein Mann war, aber ich hatte keine Zeit ein neues Hilfsmittel zu besorgen, und so groß konnte der Unterschied ja schließlich nicht sein.

Ich achtete nicht auf Ihre erstickten Schreie, stand auf und beobachtete konzentriert die Wunde, die ich Ihr zugefügt hatte. Ein feines Rinnsal Blut quoll aus der Wunde, wie...wie...wie Saft aus einer überreifen Frucht.

Ich klatsche erfreut in die Hände. „Ja! Genau! Das ist perfekt! Wieso bin ich nur nicht eher auf diesen simplen Vergleich gekommen?“

Ich muss über mich selbst lachen, während ich mich wieder der Treppe zuwende. Mein Hilfsmittel schreit mir noch hinterher, doch ich kann sie über mein glucksendes Lachen nicht hören. Unglaublich. So simpel, und doch hatte ich nicht daran gedacht...

Ich laufe wieder die knarzende Treppe hinauf, und mit einem erneuten, dumpfen quietschen und einem schweren Schließgeräusch fällt die Tür hinter mir ins Schloss. Ich bewege mich wieder ins Schreibzimmer. Wie gut, dass ich doch noch eine Inspiration gefunden habe. Ich setze mich wieder vor den Monitor und schreibe den Satz auf: "Blut quoll aus der Wunde wie Saft aus einer überreifen Frucht. Der Mann bewegte sich auf sie zu, ließ das Blut von der Klinge tropfen. Dann sprang er schnell auf sie zu und rammte Ihr das Messer in die Seite. Es fühlte sich an, als ob..." ...Das darf doch wohl nicht wahr sein. Nicht schon wieder. Mein Kopf fühlt sich schon wieder so leer an. Ich seufze tief und erhebe mich wieder. Ich muss wohl noch einmal zurück

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