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Ich saß alleine in meinem Zimmer. In meiner Ecke wo ich immer saß, wenn ich nachdenken musste. Naja ganz alleine war ich ja nicht. Dort unter meinem Bett schauten mich roten Augen an. Schauen ist das falsche Wort. Sie durchbohrten mich. Doch das war mir egal, denn ich starrte sie ebenfalls an. „Was schaust du mich so an, als ob du jeden Moment über mich herfallen würdest?“, fragte ich diese Augen. Nun blitzten weiße Zähne hervor. Ohne es zu wollen, seufzte ich: „Nachts bist du doch auch so gesprächig. Willst du mir nicht den Grund sagen, warum du unter meinem Bett sitzt und nicht irgendwelche Leute wahnsinnig machst?“. Die Zähne verschwanden und es sah so aus als ob sich die Augen schließen würden. 'Jetzt ist er wieder weg'.

Plötzlich erinnerte ich mich wieder an etwas. Etwas aus meiner Kindheit.

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Eine Frau rennt auf mich zu. Erst als sie vor mir steht kann ich erkennen, das es meine Mutter ist. „Sayo! Was ist mit dir passiert? Warum bist du voller Blut?!“, ruft sie hysterisch. Sie tastet mich ab und schaut nach, ob ich Verletzungen hab, doch als sie sieht das nicht verletzt bin, wird sie noch panischer. Ich drehe mich um und sehe in einen Spiegel. Mein weißes Kleid ist voller Blutflecken. Mein blaues Haar ist komplett verwuschelt und voller Dreck. Anscheinend bin ich 10 Jahre alt. Aus meinem Ärmel blitzt etwas metallisches hervor. Ich lasse es fallen und nun liegt ein blutiges Messer neben mir. Anstatt das es rot ist, ist es mit schwarzen Blut bedeckt. Meine Mutter schreit auf und stürmt aus dem Raum. Ich stehe noch immer vor dem Spiegel und schaue mich an. In meinem Kopf herrscht Leere, während ich nach Worten und Erinnerungen suche. Noch nicht einmal weinen, lachen oder schreien kann ich. Ich stehe nur da. Und hoffe das es beim nächsten Mal interessant wird.

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Als ich mich wieder in der Gegenwart befand, lächelte ich vor mich hin. Der Anfang von etwas Großem. So nannten sie es. Ich nannte es Sklaverei.

Ich stand auf und lief Richtung Zimmertür. Bevor ich jedoch aus dem Zimmer trat, drehte ich mich um. Diese kalten, weiße Wände würden MICH noch wahnsinnig machen. Besonders weil hier so gut wie nichts war, außer Bett, Tisch, Stühle und Schrank. Alles in weiß.

Seufzend verließ ich den Raum. „Du weißt doch schon das bei jedem Seufzen, ein Stück Glück entflieht? Und das kannst du dir echt nicht leisten“, die Stimme kam vom Ende des Ganges.

Sie war mir vertrauter als alles andere. Doch genauso wie sie mir vertraut war, hasste ich sie. Am liebsten hätte ich es ihm gesagt. Nicht das ich ihn hasste, das wusste er schon. Nein. Ich konnte ihm die andere Sache nicht sagen. Die Sache mit dem Glück. Nicht jetzt. Vielleicht nachdem ich meinen Job erledigt hatte.

„Im Vertrag steht nicht das ich mit dir sentimental oder persönlich werden muss. Mein Job fordert nur meine Augen, Stimme und Verhalten. Mehr nicht. Lass uns also beginnen“, sagte ich neutral und schaute endlich meinen Betreuer Steven an.

Er war Mitte 30 und hatte so ziemlich alles was man in seinem Alter wollte. Großes Haus, heile Familie, großartiger Job und ein teures Auto. Er kam auf mich zu und legte seine Hand auf meine Schulter. In mir kam ein Gefühl. Es machte sie so breit das es mir fast den Atem nahm. Würde er seine Hand nicht sofort entfernen würde ich sie [leer].

„Lasst mich los!“, wir drehten uns um und am Ende des Ganges stand ein Mädchen mit zwei Betreuern. Das Mädchen schrie immer wieder, doch die Betreuer ließen nicht ab. Sie war blond, klein und zierlich. Als sie an uns vorbei gegangen war, hatte Steven seine Hand zurück genommen und lachte: „Das ist unser neues Medium. Sie -“. Ich unterbrach ihn: „Wohin muss ich und wer ist meine Zielperson?“.

Er schüttelte den Kopf und wir liefen den Gang hinunter. Nach ewigen Korridore, die steril und weiß waren, kamen wir endlich in einem Zimmer an. An der Tür stand „Büro Leiterin Elaine Johnson“. „Sie hat einen schlechten Tag wegen diesem Mädchen. Ich würde also vorsichtig sein“, meinte Steven bevor er die Tür öffnete. „Zum Glück bin ich nicht du“, damit betrat ich das Zimmer und hörte wie die Tür sich schloss.

Eine Frau mittleren Alters, saß hinter einem großen Bürotisch in einem Zimmer, das ziemlich nach Militär aussah. Die Frau war niemand anderes als die Leiterin dieses Instituts. Das Institut das Kreaturen ausfindig macht und mit ihnen verhandelt. In meinem Augenwinkel konnte ich wieder die roten Augen sehen. 'Was starrst du mich an?'.

„Setzt dich, Sayo“, sagt Mrs. Johnson. Ich tat was sie wollte und hörte ihr nun aufmerksam zu. „Du musst ein weiteres Mal verhandeln. Und zwar mit einem Jungen der sich selbst „Eyeless Jack“ nennt. Wir wissen nicht viel, nur das er seinen Opfern die Nieren klaut und Gerüchten zufolge keine Augen hat. Er trägt eine blaue Maske, was sein Kennzeichen ist. Das Problem ist das in dieser Gegend hier zu viele Opfer ihre Nieren verloren haben. Die örtlich Polizei wird aufmerksam. Ich möchte das du ihn dazu bringst das Land zu verlassen. Und zwar ZZ. Die da oben machen mir Druck. Eigentlich hätte ich dir früher diesen Auftrag geben sollen, aber im Moment ist etwas im Gange. Du wirst diskreter als ansonsten arbeiten. Verstanden? Hier sind deine Personalien und Steven wird dir die Klamotten geben. In den nächsten 48 Stunden hast du ihn ausfindig gemacht. Leider mussten wir unser altes Medium entsorgen, da es zu teuer wurde es zu versorgen. Diesmal bist du auf dich allein gestellt. Das einzige womit ich dir helfen kann ist das er zuletzt hier zugeschlagen hat“. Sie holte eine Karte heraus und zeigte auf eine kleine Siedlung. Ich nickte, nahm mir meine neuen Sachen und verließ den Raum.

Das war mein Job. Mit diesen Kreaturen zu verhandeln, die zu viel Aufsehen erregten. Seit ich klein bin hab ich nämlich eine Gabe. Ich ziehe niedere Kreaturen mit schwachen Fähigkeiten an, wie Licht die Motten. Doch anders als bei anderen Menschen greifen sie mich nicht an. Sie schauen in meine Augen und sitzen vor mir. Sie sagen nichts und machen nichts. Sie warten nur. Auf nichts. Nachdem Vorfall, bei dem ich eines dieser Kreaturen getötet hatte, kam ich in diese Anstalt hier.

Seitdem waren nun 5 Jahre vergangen und ich hatte nie versagt. Besser gesagt meiner Augen hatte noch nie versagt. Mrs. Johnson nannte es „Neutralisieren von Emotionen und Einnahme des Bewusstseins“. Mir war es egal was es war. Für mich zählte nur, das ich meine einzige Freiheit behalten durfte...

Vor der Tür wartete noch immer Steven. Er hielt diesmal Kleider und eine Tasche mit Schminke in der Hand. Damit lief ich in die nächste Toilette und zog mich um. Nachdem ich fertig war, waren meine blauen Haare unter einer braunen Perücke versteckt und meine lila Augen waren nun unter brauen Kontaktlinsen.

Ich verließ die Toilette und drückte meine alten Klamotten Steven entgegen. „Du siehst jetzt aus wie 19! Kaum zu glauben das du 15 bist!“. Er grinste. Am liebsten hätte ich sein Grinsen [leer].

Nun kamen zwei uniformierte Männer, die auf den Gang deuteten. Ein Zeichen das es nun besser war zu gehen und sich um den Job zu kümmern.

Ich hatte nur 48 Stunden Zeit ihn zu finden.

Und ich hoffte es würde dieses Mal sich die Gelegenheit ergeben, das es interessant wird.

Nachdem mich die Männer mitten in der Nacht in der Stadt abgesetzt hatten, machte ich mich auf die Suche nach dem Ort, der mir genannt wurde.

Es war ziemlich kalt und ich fühlte mich beobachtet. Das war aber für mich nichts Neues. Also lief ich in die Richtung wo ich vermutete, das das Haus stand. Es war in der Nähe eines Waldes und so dachte ich darüber nach ob ich noch mehr Kreaturen begegnen würde.

Nach einer Weile kam ich an. Nun befand ich mich in einer Gegend wo man tagsüber Grillgeruch in der Nase hat, Feste feiert, spielende Kinder sieht und man sich gegenseitig den Rasen mäht. Doch in der Nacht war es anderes. Nun wurde über den lächerlichen Gartenzwerg des Nachbars getuschelt, über die Affäre zwischen zwei und über die schlechten Noten der Kinder. Zudem lag anstatt Grillgeruch, der Duft des Todes in der Luft. Obwohl ich am anderen Ende der Straße stand konnte ich in riechen. Als ich dann vor dem Haus stand, wurde mir schon fast schlecht. 'Haben die noch nicht die Leichen entfernt?'. Ich betrat den Vorgarten des Hauses und lief zur Veranda. Gerade als ich die Türklinke hinunter drücken wollte hielt ich inne. Eine Erinnerung zwang mich, mich umzudrehen und auf die Straße zu schauen.

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Ich steh auf der Veranda meines alten Hauses. Gegenüber war eine Familie mit einem Jungen in meinem Alter eingezogen. Er steht ebenfalls vor seiner Haustür und starrt mich an. Er winkt mich zu sich. Dabei weiß ich das es wieder Zeit ist. Er hat wieder Lust dazu, wahrscheinlich aus lange Weile. Ich gehe mit ihm in den Wald der an unsere Siedlung liegt. Wir legen ein bisschen Essen auf den Boden und warten. Als plötzlich ein Eichhörnchen sich etwas nehmen will fällt ein Stahlgitter auf ihn. Es versucht zu entkommen, doch der Junge hat Backsteine auf dem Gitter befestigt. Er lacht mich an: „Überlässt du es mir?“. In seinen Augen liegt etwas was ich nicht einordnen kann, doch ich nicke. Zusammen gehen wir zu dem Eichhörnchen. Er öffnet eine kleine Tür im Gitter und drückt das Eichhörnchen auf den Boden. Obwohl es ihm die Hand zerbeißt, zieht er nahezu genüsslich das Messer heraus. Anschließend foltert er das Eichhörnchen. Er lacht immer wieder, während ich daneben stehe. Wir hatten das zu oft gemacht. Er reichte mir nicht. Er war uninteressant geworden.

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Damals war ich sicher 6 Jahre alt. Der Junge folterte noch weitere Tiere. Am Ende kam er in Behandlung. Meine Eltern hingegen fanden es nie heraus.

Plötzlich begann es zu stürmen. Ich drehte ich mich um und öffnete die Tür. Der Gestank der mir dabei entgegen kam war fast schon unerträglich.

Aber das Bild das sich bot passte dazu. Ein Junge mit braunen Haaren kniete mit dem Rücken zu mir neben einer Leiche. Die Leiche dürfte schon älter gewesen sein.

Ohne es wirklich zu wollen ging ich auf den Jungen zu. Erst als ich neben ihm stand, konnte ich sehen was er tat. Präzise entfernte er die Nieren seines Opfers. „Was machst du hier?“, fragte er ohne aufzuschauen. Ich war zu sehr von seinen Schnitten fasziniert um zu antworten.

Nun stand er auf und schaute mich an. Er trug eine blaue Maske. Er war zwar meine Zielperson, aber ich starrte die Leiche an. „Du hast keine Angst vor dem was du siehst?“, fragte er wieder. Leicht schüttelte ich den Kopf.

Dabei fühlte es sich an als würde ich meinen Verstand so stark schütteln bis er zerbrach. Draußen tobte der Wind immer noch und nun griff er nach meinem Kinn. Ich war gezwungen ihn anzuschauen.

Er lachte auf und gab mir ein Zeichen ihm zu folgen. Bevor ich das aber tat riss ich mir die Perücke vom Kopf und entfernte die Kontaktlinsen. Wir liefen eine Treppe hinauf die schließlich zu einem Zimmer führte.

Grob öffnete er die Tür und ich sah ein Mädchen, das ein Messer hielt. Sie schien total verstört zu sein, sodass sie es auch gar nicht bemerkte als ich auf sie zu kam. Erst als ich neben ihr stand schrie sie auf.

Hatte sie mich nicht kommen gehört? Ich kniete mich nieder und schaute ihr in die Augen. Diese Augen. Mir gefiel es. Plötzlich lachte ich und griff nach ihrem Hals. Das Gefühl das mir schon fast den Atem raubte verschwand.

Das Mädchen schrie und ruderte mit den Armen. In ihren Augen stiegt die Panik und in mir der Drang fester zu zudrücken. Ich fand es endlich interessant.

Irgendwann wurde sie still. Mit zittrigen Händen griff ich nach dem Messer und stieß es ihr ins Herz. Ich zog es nicht mehr raus, da ich keine Kraft mehr hatte. Es fühlte sich als würde ich fliegen. Aus der Stelle, wo ich das Messer hinein gesteckt hatte, floss ein Schwall von Blut. Irgendwie ekelte ich mich vor mir selber und übergab mich.

„Ich glaube ich sollte dir jemand vorstellen“, sagte der Junge hinter mir. Wankend stand ich auf und kicherte. Ich ging auf ihn zu und er fragte mich: „Wie heißt du?“. Noch von dem Gefühl überwältigt antwortete ich. Er drehte sich um und sagte im Gehen: „Silent Sayo passt besser. Dich hört man nicht wenn du läufst. Der Wind ist zu laut“. Ich konnte nicht klar denken.

Ich wusste nur das ich wieder 48 Stunden hatte um mein nächstes Opfer zu finden. Dabei kicherte ich. Endlich hatte mein Name eine Bedeutung. In der Nacht geboren. 

Sollte es nachts draußen stürmen und du fühlst dich beobachtet. Versteck dich lieber. Es könnte sonst eine interessante Nacht werden. 

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