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Ich schob mit gewaltiger Kraft das schwere Tor auf, wobei ich mich fast dem Erdboden gleich machte. Mir zog sofort ein Geruch, der einem toten Vogel gleichen könnte, entgegen und ich hatte Schwierigkeiten, mich auf meine Mission zu konzentrieren.

Langsam riss ich mich zusammen und stieg leisen Schrittes die alten Holztreppen hinunter. Jeder Schritt knarzte unter meinen Füßen. Einige haben Angst vor solchen Treppen, doch mich beruhigt es. Dieses Knarzen und dieses alte Holz, es gibt mir den Kick, den ich suche.

Unten angekommen starrte ich sehr lange Zeit in die Dunkelheit, auf der Suche nach irgendwelchen Augen, die mich hungrig ansehen, und vor Blut nur so triefen. Ich fand allerdings keine. Dafür aber eine kleine Babypuppe, genau das, wonach ich gesucht habe.

Ich musste nur noch den Besitzer finden, wobei das nicht so einfach sein sollte. Schnell lief ich die Treppen aus dem Keller wieder hoch und rannte dabei fast meine Mutter um.

"Was machst du schon wieder im Keller, ich sehe dir an, dass du wieder etwas vorhast." Meine Mutter würde ohnehin nicht verstehen, was ich vorhabe, also beschloss ich, meinen Mund zu halten und ihr wieder eine dieser Notlügen aufzutischen. In dem Moment fiel mir nichts Besseres ein, als ihr irgendetwas von einem alten Spielzeug von mir zu erzählen. Ihr könnt euch denken, mit der Puppe in der Hand sah das ziemlich dumm aus. Sie drehte sich weg und ging ohne etwas zu sagen ihren Aufgaben weiter nach. Jetzt nur noch in mein Zimmer.

Oben angekommen wischte ich mir erst mal den "Ich-hab-was-falsch-gemacht" Schweiß von der Stirn und widmete mich wieder meiner Mission, die Puppe. Ich betrachtete sie mal genauer? Mir fiel das Alter der Puppe auf, die muss mindestens 30 Jahre gewesen sein. Außerdem verwunderte es mich, wie gut erhalten sie aussah. Ein wahres Kunststück der alten Zeit.

Doch die Puppe alleine brachte mich nicht großartig weiter, um einen Geist zu beschwören. Ich malte mit roter Kreide auf den Boden die lateinischen Worte: Notes vobis memoriam diu forgotten tempore (Erscheine du Geist einer längst vergessenen Zeit). Mit einer Nadel stach ich mir in den kleinen Finger und ließ drei Tropfen Blut auf die Puppe fallen. Nun schnitt ich sie mit einem Messer auf und holte die komplette Füllung raus. Die Füllung verbrannte ich in einem Metalleimer. Die aufgeschnittene Puppe füllte ich nun mit verdorbenem, rohem Fleisch. Mit der roten Kreide zog ich nun einen Kreis um die Puppe und die Wörter.

Nun konnte es richtig losgehen. Ich wiederholte den lateinischen Satz immer wieder. Es passierte nichts, rein gar nichts, wie zu erwarten. Ich räumte alles weg, schloss die Tür auf und legte mich mit einem tiefen Seufzer ins Bett. Es ärgert mich immer wieder, obwohl ich weiß, dass es nicht funktionieren kann. Ich machte das Smartphone an und beschäftigte mich mit anderen Sachen. Langsam wurde ich müde und legte das Smartphone an Seite, und tauchte dann ins Land der Träume ein.

"Was ist dein Verlangen? Wieso rufst du mich? Was hast du mit meiner Puppe gemacht?" Durch diese Worte wurde ich hellwach und meine Augen wanderten durch den Raum. Doch ohne Erfolg, denn in der Dunkelheit sah ich sowieso nichts. Doch etwas spürte ich, eine Anwesenheit, etwas das mich beobachtete. Es ist Fakt, dass, wenn man mitten in der Nacht aufwacht, die Wahrscheinlichkeit groß ist, beobachtet zu werden.

Also wusste ich, dass etwas bei mir ist. Recht schlaftrunken dachte ich nach und versuchte eine Antwort zu finden. In der Dunkelheit griff ich nach dem Lichtschalter, doch versucht mal schlaftrunken und im Dunkeln einen Lichtschalter zu treffen. Ich fing an zu schwitzen und mein Pulsschlag stieg auf 180. Verdammt, ich merkte den Pulsschlag selbst in den verkackten Fingern. Ein warmer, ekelhafter Geruch stieß mir ins Gesicht.

Schlagartig riss ich die Augen auf wie nie zuvor und wusste, dass nun das ``Etwas`` direkt vor mir stand und mich ansah. Ich sah das Gesicht vor mir, oder die Gesichter, die es sein könnten. Blutverschmiert, Narben, Verformungen und scharfe Zähne sah ich vor mir. Ich hatte auf einmal den Lichtschalter in der Hand… und drückte ihn vorsichtig.

Wie ein greller Blitz schoss das Licht durch das Zimmer und machte mir möglich, das zu sehen, was mir bis zu diesem Zeitpunkt verborgen schien. Ein altes, grässlich verformtes Gesicht sah mich tief an. Es war direkt an meinem Gesicht, noch näher als erwartet. Die alten grauen Haare von ihr lagen auf meiner Brust und die langen Fingernägel bohrten sich über mir in die Wand.

Ich erschrak so stark, dass ich keine Luft bekam und mein Sichtfeld langsam kleiner wurde. Danach wurde alles schwarz…

Mit einem tiefen Luftholen stieß ich auf und sah mich in meinem Zimmer um. Nichts, alles normal. Die Sonne begrüßte mich mit einem Lächeln und die Vögel sangen fröhlich ihre Lieder.

Es war ein Traum.

Doch eins wunderte mich… die Puppe war weg.

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