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Mein Name ist Chad und wenn jemand sagt, ich war früher ehrlich, dann lügt er. Eigentlich habe ich mein ganzes Leben gestohlen, betrogen und andere Scheiße gebaut und dabei bin ich gerade mal 25. Wahrscheinlich wäre ich heute immer noch so, wenn da nicht etwas passiert wäre.

Ich bin wegen eines Ladendiebstahles erwischt und zu zwei Jahren Knast verurteilt worden. Soweit eigentlich nicht das Problem, ich habe schon ein paarmal gesessen und weiß, wie man sich Ärger vom Hals hält.

Nach zwei Monaten hab ich einen Aushang am schwarzen Brett gesehen. Man suchte Teilnehmer für ein Isolationsexperiment. Das Experiment sollte zwei Monate dauern. Hält man diese durch, war die Belohnung sofortiger Hafterlass. Ich hatte noch über eineinhalb Jahre abzusitzen und fand die Idee nach zwei Monaten wieder frei zu sein sehr verlockend und meldete mich dafür an. Als ich die Annahmebestätigung bekam, hatte ich gedacht, dass ich nach zwei Monaten wieder frei wäre. Meine Fresse, lag ich da falsch.

Ich wurde im Morgengrauen von zwei bewaffneten Männern aus meiner Zelle geholt. Wachen waren das nicht, dafür waren sie zu gut ausgerüstet. Diese Männer gaben mir einen Vertrag, der besagte, dass ich nach zwei Monaten, also mit Ende des Experimentes, auf freien Fuß gesetzt werden würde. Ein Abbruch war jederzeit möglich, hätte aber zur Folge, dass ich meine komplette Haftstrafe absitzen müsste. Ich müsste also nochmal zwei Jahre absitzen. Meine zwei Monate, die ich schon runter hatte, würden einfach wegfallen. Ich dachte, dass ich zwei Monate in einer Einzelzelle locker abreißen könnte. Also unterschrieb ich.

Die Männer gaben mir etwas zu trinken. Dann wurde mir schwindelig und ich kippte um. Als ich wieder zu mir kam, lag ich in einem Bett in einem Raum ohne Fenster und mit künstlicher Beleuchtung.

„Guten Morgen, Subjekt 4985.“ Sagte eine Frauenstimme über einen Lautsprecher in einer der Ecken.

„Mein Name ist Chad“, antwortete ich.

„Wir bleiben lieber bei Subjekt 4985.“ Kam als Antwort. „Sie wissen ja über den Ablauf Bescheid. Sie bekommen dreimal am Tag Essen. Frühstück um sieben, Mittagessen um zwölf und Abendessen um achtzehn Uhr. Das Essen wird ihnen durch die Tür geschoben. Kontakt zu Personal oder zu anderen Teilnehmern wird es nicht geben. Das Licht schaltet sich um sechs automatisch ein und um einundzwanzig Uhr automatisch ab. Ihre Zeit können sie verbringen, wie sie wollen. Sie haben einige Bücher zur Auswahl sowie Stifte und Papier. Fernsehen und anderen Kontakt zur Außenwelt gibt es nicht. Wenn sie das Experiment abbrechen wollen, drücken sie den roten Knopf neben ihrem Bett. Aber sie wissen ja, was dann passiert. Alle zwei Tage findet ein Gespräch über Lautsprecher statt. Sie werden während der ganzen Zeit per Video überwacht. Das Experiment beginnt jetzt.“

Dann hörte ich ein Knacken und die Verbindung war abgebrochen. Ich schaute mich in meinem neuen Zuhause um. Der Raum war doppelt so groß wie eine normale Gefängniszelle. Die Toilette stand gegenüber vom Bett, am anderen Ende des Raumes. Das Bett selbst war keine Pritsche, sondern ein richtiges Bett. Decke, Kissen, alles da. Zwar hatte der Raum keine Fenster, doch durch eine Anlage kam frische Luft ins Innere. In einem Regal standen tatsächlich zwanzig Bücher. Kam mir sehr gelegen, da ich gerne lese. Ich nahm mir eines der Bücher und legte mich aufs Bett. Hier wird es mir gefallen dachte ich da noch.

Die ersten drei Tage waren ereignislos. Ich aß dreimal am Tag und las viel. Manchmal kritzelte ich auch etwas auf das Papier. Was mich nervte, war das um 21 Uhr das Licht ausgemacht wurde und der Raum dann komplett dunkel war. Man sah nix mehr. Doch das war das einzige Übel. Bis zur vierten Nacht.

Ich weiß nicht wie spät es war, ich weiß nur, dass ich gerade am Einschlafen war. Da bekam ich das Gefühl, dass mich jemand beobachtete. Aber dieses Gefühl kam nicht durch die Kameras, es fühlte sich an, als sei jemand mit mir im Raum. Ich ignorierte das Gefühl und schaffte es schließlich einzuschlafen. Am nächsten Morgen berichtete ich darüber, doch mir wurde gesagt, dass das lediglich die ersten Anzeichen der Isolation waren. Ich beließ es dabei, der Gedanke an die Freiheit war einfach zu verlockend. Also aß ich, verbrachte meine Tage mit Lesen und Zeichnen und ignorierte das Gefühl der Beobachtung. Doch es sollte noch schlimmer kommen.

In der siebten Nacht hörte ich Gekicher und Gelächter und einige Stimmen etwas murmeln. Ich schaute mich um, konnte in der Dunkelheit aber nichts erkennen, als ich mich wieder hingelegt hatte, hörte ich eine Stimme.

„Du wirst sterben!“ krächzte es. Ich schrak wieder hoch, doch da war nichts. Nur Dunkelheit und Stille. Die Nacht schlief ich nicht mehr.

Ich schob die Stimmen auch auf die Isolation und versucht während das Licht an war etwas Schlaf nachzuholen. Als ich aufwachte, lagen an der Tür das Frühstück und das Mittagessen. Doch ich hatte keinen Hunger.

In der achten Nacht hörte ich keine Stimmen, dafür hatte ich einen Albtraum. Darin wurde ich von Monstern verfolgt, die Spritzen als Augen hatten und klingen statt Armen und Beinen. Kurz bevor sie mich erwischen konnten, wachte ich auf. Ich war schweißnass und atmete schwer.

Als ich davon berichtete, versuchte mich die Stimme hinter der Anlage mich wieder damit zu beruhigen, dass das normal sei und ich mich erst an die Bedingungen gewöhnen müsste. Doch allmählich wurde ich misstrauisch. Ich bekam das Gefühl, dass hier irgendwas nicht stimmte.

Auch die nächste Nacht plagte mich derselbe Traum doch eines der Monster erwischte mich mit seinen Klingen am Arm. Als ich aufwachte, hatte ich genau an der Stelle wo mich das Monster im Traum geschnitten hatte einen kleinen Cut. Nichts wildes, doch nun hatte ich richtig schiss.

Die folgenden Tage und Nächte waren die Hölle ich aß kaum, schlief nicht, ich machte gar nichts. Ich saß nur auf dem Bett und suchte den Raum ab. Solange das Licht an war, war alles in Ordnung. Doch sobald es dunkel war hörte ich diese Stimmen.

„Eins, zwei, bald ist es vorbei.“ Sangen die Stimmen. Sie klangen wie kleine Mädchen.

„Bald bist du tot!“ sagte wieder die krächzende Stimme. Zwei Monate statt zwei Jahre, zwei Monate statt zwei Jahre sagte ich mir immer wieder. Doch die Stimmen hörten erst auf, als um sechs das Licht anging.

Ich berichtete in jeder Sitzung, doch die Stimme versuchte mich immer damit zu beruhigen, dass es normal sei. Die Wunde am Arm, wurde mir erklärt, habe ich mir wohl selbst im Schlaf zugefügt. Aber ich war völlig fertig. Ich hatte mir die Arme aufgekratzt, die Fingerkuppen blutig gekaut und mir ganze Haarbüschel ausgerissen. Ich konnte nicht mehr und hatte dabei gerade mal ein Viertel des Experimentes hinter mir.

Doch dann kam das Schlimmste. In einer Nacht hörte ich wieder die Stimmen. Reimende Kinder und dieses Krächzen. Doch plötzlich sahen mich aus der Dunkelheit zwei grün leuchtende Augen an. Ich erkannte die wagen Umrisse einer Gestalt, die am anderen Ende des Raumes am Boden hockte. Als ich mich darauf konzentrierte, erkannte ich dass es sich um eine der Gestalten handelte, die mich in meinen Träumen verfolgt hatten.

„Du bist tot!“ krächzte die Gestalt. Das war zu viel für mich. Panisch tastete ich nach dem Knopf neben meinem Bett. Nach einer gefühlten Ewigkeit hatte ich ihn gefunden.

„Was ist?“ meldete sich eine Männerstimme.

„Abbruch! Ich will abbrechen, holt mich hier raus!“ Brüllte ich in Todesangst. Ich hörte ein knacken auf der anderen Seite und das Licht ging an. Die Kreatur war verschwunden.

Nach einiger Zeit kam ein bewaffneter Mann in den Raum, verband mir die Augen und brachte mich raus.

Als man mir die Binde abnahm, saß ich mit gefesselten Händen einer Frau im Arztkittel gegenüber.

„Wollen sie wirklich abbrechen?“ fragte sie mich. Ich nickte. „Sie wissen aber, dass sie dann wieder die kompletten zwei Jahre absitzen müssen.“

„Ist mir egal, hier überlebe ich keine zwei Tage mehr. Ich will raus!“

„Wenn sie jetzt in den Raum zurückgehen, können sie nochmal von vorne anfangen, ich meine zwei Monate sind erheblich weniger als zwei Jahre.“

„Verstehen sie nicht? Es ist mir egal! Selbst wenn ich lebenslänglich hätte würde ich abbrechen!“

„Also gut.“ Sagte die Frau und holte eine kleine Flasche hervor. „Trinken sie das.“ Sagte sie und reichte mir die Flasche. Ohne nachzudenken trank ich den Inhalt. Mir wurde schwindelig und ich klappte zusammen.

Als ich die Augen öffnete, stellte ich erleichtert fest, dass ich mich in der Krankenstation meines alten Gefängnisses befand. Die Stationsärztin sagte, ich sei gesund bräuchte aber Essen und Schlaf. In dieser Nacht schlief ich wie ein Stein. Ich hörte keine Stimmen und hatte keine Träume.

Es war mir egal, dass ich die zwei Jahre komplett absitzen musste. Ich las viel, zeichnete und versuchte das Erlebte zu vergessen. Doch drei Wochen, nachdem ich zurückgekehrt war rief mich der Direktor in sein Büro.

„Sie wollten mich sprechen Direktor Louis?“ fragte ich, als ich das Büro betrat.

„Setzen sie sich, Chad.“ Forderte er mich auf. Ich tat es. „Sie haben vor einigen Wochen an diesem Experiment teilgenommen was ist da genau passiert?“

„Ganz kranke Scheiße.“ Antwortete ich. Die Details ließ ich lieber aus. Er nickte.

„Wussten sie, dass sie der einzige waren, der eine Strafe von unter zehn Jahren hatte. Alle anderen waren Schwerverbrecher. Mörder, Vergewaltiger, Drogendealer und sowas.“

„Wie viele andere Teilnehmer gab es?“

„Insgesamt zehn. Und sie haben als einziger Überlebt.“

„Was?!“ entfuhr es mir.

„Ich habe heute Morgen die Mitteilung erhalten, dass alle anderen Teilnehmer tot sind. Ihre Todesarten entsprechen denen von Hinrichtungen. Einer wurde erhängt ein anderer geköpft und so weiter.“

Ich saß in dem Stuhl und konnte nicht fassen, was ich da gerade gehört hatte. Alle anderen Teilnehmer waren tot. Hingerichtet. Erst jetzt fiel es mir auf. Die Spritzen als Augen der Kreaturen die ich gesehen habe, waren Giftspritzen, ebenfalls eine Hinrichtungsmethode. Erst jetzt verstand ich, wie knapp ich dem Tod tatsächlich entronnen war.

Ich saß die zwei Jahre komplett ab. Als ich das Gefängnis verließ, schwor ich mir nie wieder einzufahren. Ich habe nie erfahren, was das für ein Ort war, an dem das Experiment stattgefunden hatte und ich wollte es auch nicht wissen. Ich wollte einfach nur vergessen. Naja, zumindest bin ich tatsächlich ehrlich geworden.      

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