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Ich habe einen Garten. Jeden Tag pflege ich ihn. Ich gieße alle Pflanzen, schneide sie, zupfe Unkraut und pflanze auch von Zeit zu Zeit ein paar Neue. Es ist mehr als nur ein Hobby.

Vor zwei Jahren war ich noch schwer depressiv und es ging mir wirklich wirklich schlecht, doch mit der Hilfe meiner Familie, Freunde und meiner Ärztin konnte ich diesen dunklen Lebensabschnitt hinter mir lassen. Ein Teil meiner Therapie war es, öfters raus zu gehen und sich eine langfristige Beschäftigung zu suchen. Da meine Mutter selbst Hobby-Gärtnerin war, versuchte sie mich dazu zu ermutigen. Und tatsächlich machte es mir Spaß. Ich half ihr mit ihrem kleinen Schrebergarten wann immer ich Zeit hatte und bald legte ich mir zu Hause einen eigenen an. Seitdem gehe ich fast jeden Tag raus und sehe mich nach neuen Ideen um, mit denen ich meinen Garten gestalten könnte.

Gestern habe ich eine neue Pflanze gesehen und sie mir gleich geholt. Ich musste sie leider ein wenig zurechtschneiden, damit sie besser in meinen Garten passt. Ich habe die unbrauchbaren Teile auf meinen Komposthaufen geschmissen, mit dem ich meinen eigenen Humus mache. Leider stinkt er sehr extrem, deshalb habe ich ein luftdichten Raum um ihn herum gebaut. Glücklicherweiße können die Bakterien, die an diesem Zersetzungsprozess teilhaben, auch ohne Luft arbeiten.

Es ist ein wenig schade, dass um meinen Garten eine hohe Hecke ist, sonst könnten meine Nachbarn ihn sehen, aber ich verstehe, dass sie auch ihre Privatsphäre haben wollen. Ich bedauere auch, dass ich immer wieder einige meiner Pflanzen auf dem Komposthaufen schmeißen muss, weil sie nicht mehr schön aussehen, obwohl ich mich gut um sie kümmere. Ich denke, ich werde das Konzept wie ich sie anpflanze ein wenig überarbeiten.

Heute gehe ich wieder in die Stadt und sehe mich nach neuen Pflanzen um. Am liebsten sitze ich auf einer der Parkbänke und genieße die üppige Vegetation hier. Mein Blick fällt auf eine wunderschöne Blume. “Schwarz wie Ebenholz.”, denke ich. Ich beschließe sie mir zu holen. Es ist selten eine solch schöne schwarze Blume zu sehen und diese Chance will ich mir nicht entgehen lassen. Ich weiß, es ist ein wenig unmoralisch sie einfach mitzunehmen, aber ich kann nicht anders.

Ich werde an ihr mein neues Konzept ausprobieren.

Ich schneide alle unwichtigen Teile weg und bedecke den Platz an dem ich sie einpflanzen werde mit frischem Humus. Ich möchte alles richtig machen und bin deshalb besonders vorsichtig.

Behutsam sprühe ich sie mit einer selbst gemischten Lösung ein. Das wird sie frisch halten. So habe ich mir das überlegt. Ich gehe sicher, das alles bedeckt ist und trage sie dann zu der ihr vorgesehenen Stelle.

Langsam setze ich ihren Kopf auf die Erde. Ihre Hände, deren Fingernägel ich zuvor Blutrot lackiert hatte, platziere ich genauso wie ihre Füße etwas in die Erde eingegraben, daneben, sodass sie nicht umfallen. Ich trete einen Schritt zurück und blicke auf mein Meisterwerk. Ich sehe zu meiner Mutter. “Na, was sagst du, zu ihr? Ist sie nicht wunderschön? Wie immer sprachlos von meinem Werk, ich seh’ schon.” Ich knie mich zu ihr hinunter und ziehe eine Made aus ihrer Wange. Sie, meine restliche Familie und meine Freunde, sind die Einzigen die ich nicht auf den Kompost schmeiße, obwohl sie von Fliegenlarven und anderem zerfressen sind. Ich gehe zur Gartentür und sehe mir noch einmal meinen zauberhaften Leichengarten an bevor ich das Haus betrete und anfange das Blut meiner letzten Blume weg zu wischen.

Ich freue mich schon auf einen weiteren Besuch des Parks.

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