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Dunkelste Schwärze umgibt dich, als du durch eine scheinbar menschenleere Stadt wanderst. Natürlich ist sie nicht wirklich menschenleer. Die Bürger der Stadt ruhen alle in trügerischer Sicherheit, hinter Mauern die sie ihr Heim nennen. Diese Bürger jedoch interessieren dich nicht, sie sind kein Teil der Nacht die du durchwanderst, sie sind nicht Teil deiner Beute.

Du bist auf der Suche, schon seit langer Zeit, länger zumindest als du bereit bist es noch zu ertragen. Nacht für Nacht durch die Stadt zu ziehen und dabei keinen Erfolg erzielen... das raubt dir langsam den letzten Nerv. Du kannst nicht mehr warten, es muss heute Nacht sein, komme was da wolle!

Noch während dir dieser Gedanke durch den Kopf schießt, kommt jemand um die Ecke. Der Lichterschein der Laterne bietet dir für einen Augenblick ein klares Bild auf die Gestalt, die kurz darauf wieder in der Dunkelheit verschwindet und mit schnellen Schritten ihres Weges geht.

Perfekt... das ist es wonach du die letzten Tage gesucht hast. Die Jagd kann beginnen.

Du beeilst dich, willst deine Beute nicht aus den Augen verlieren. Die Dunkelheit, sie ist zwar dein größter Freund, kann sich aber auch genauso schnell gegen dich wenden. Sie verschluckt nicht nur dich, macht dich beinahe unsichtbar, sondern auch dein Opfer wenn du nicht achtsam bist. Aber warum eigentlich die Panik, es ist ja nicht das erste Mal und du bist schon lange kein blutiger Anfänger mehr.

Dein Opfer geht mit konstant schnellem Tempo durch die Stadt, es will so schnell es geht ins traute Heim, der Finsternis entfliehen und vor allem den Kreaturen die darin hausen. Es ist sich seiner Gefahr vielleicht nicht direkt bewusst, aber es spürt etwas. Mit der Vorsicht und Achtsamkeit des Opfers wirst auch du vorsichtiger und achtsamer. Schleichst von Schatten zu Schatten, schaust dich nach anderen Menschen um und wartest auf den rechten Augenblick.

Dein Herzschlag geht abrupt schneller, als du ihn erkennst. Der Moment rückt näher das weißt du einfach. Die Gelegenheit könnte nicht günstiger sein.

Deine Schritte werden schneller, du verzichtest darauf dich weiterhin in den Schatten zu bewegen und gehst nun direkt auf dein Opfer zu. Keine Angst - flüsterst du der Beute in Gedanken zu - ich bin nur ein weiterer Bürger der auf dem Weg ins warme Heim ist.

Je näher du kommst, desto schneller geht dein Herzschlag. Die freudige Erwartung zaubert dir ein Grinsen auf das Gesicht. Deine Hände sind ruhig. Dein Verstand glasklar.

Die Schritte hallen laut auf dem Asphalt, deine wie auch die deines Opfers. Es ist Musik in deinen Ohren. Du glaubst den Atem deiner Beute hören zu können, wie er stoßweise und schnell geht. Du glaubst bereits den Angstschweiß riechen zu können. Du glaubst die Panik regelrecht spüren zu können, die das Opfer erfüllt. Es wird nicht wegrennen, das tun sie nie. Sie wiegen sich in dem Glauben, das sie nur unter Paranoia leiden und es nichts zu befürchten gibt. Warum sollte man auch ausgerechnet sie überfallen? Genau auf diesem Gedanken konntest du dich bisher immer verlassen. Menschen waren so simpel gestrickt.

Nur noch wenige Sekunden trennen dich vor der endgültigen Tat. Die Schritte des Opfers verlangsamen sich plötzlich, es hofft wohl dass du es einfach überholen würdest. Doch du tust nichts dergleichen. In diesen letzten Augenblicken denkst du an rein gar nichts mehr. Du bist hochkonzentriert, alles scheint in Zeitlupe abzulaufen. Die linke Hand die hervorschnellt und die Beute am Mund packt und sie zu dir zerrt. Gleichzeitig ziehst du die rechte Hand aus der Tasche. Der blanke Stahl blitzt kurz in dem Licht des Mondes auf. Das Opfer will schreien, es wehrt sich in deinem Griff, doch ehe es sich befreien kann hast du bereits die Klinge am Hals platziert.

"Pssst, sei jetzt still..." hauchst du die Worte in das Ohr der Beute. Und tatsächlich, sie rührt sich nicht mehr. Die Panik hat sie fest im Griff, oder hofft sie tatsächlich das du ihr nichts tun wirst?

Nun da du deinem Opfer so nahe bist, hörst du tatsächlich den Atem wie er stoßweise geht. Du riechst den Angstschweiß, vermischt mit dem Hauch irgendeines Parfüms. Du spürst den Herzschlag, rasend schnell.

Du genießt diesen Moment absoluter Kontrolle und Macht. Der Jäger hat sich die Beute zu Eigen gemacht. Gibt es ein schöneres Gefühl, als sich diesen ältesten Instinkten hinzugeben? Nein, nicht für dich, dies ist alles wofür du lebst, alles wofür es sich lohnt zu leben. Warum die meisten Menschen das einfach nicht einsehen können oder sich eingestehen wollen, war dir schon immer unbegreiflich gewesen, aber anderseits freute es dich auch, so blieb mehr für dich.

Aber nun war es Zeit. Jeder Moment so schön er auch war, musste irgendwann ein Ende haben. Vor allem wenn man einem Geschäft, wie dem deinem nachging, an dem man ständig befürchten musste von fremden Augen beobachtet zu werden.

Ohne ein weiteres Wort, ziehst du die Klinge langsam am Hals des Opfers entlang. Sie zappelt, wehrt sich, versucht sich mit aller Kraft zu befreien. Doch du behältst die Kontrolle, lässt sie nicht aus deinem eisernen Griff und genießt das Finale. Die Wärme die an deiner Hand herabfließt. Das leise Zischen das jedes Mal erklingt, wenn das Herz pumpt und eine kleine Fontäne hervor spritzt. Vor allem aber das Röcheln der Beute, die krampfhaft nach Luft schnappt und dabei nur den eigenen Lebenssaft einatmet, den es sogleich wieder hoch zu würgen versucht.

Dein Opfer wird schwächer. Ihre Kräfte verlassen sie und sie wird schwer in deinem Arm, als die Beine einknicken. Du gehst mit ihr in die Knie, lässt sie in ihren letzten Momenten nicht allein, hältst sie fest in deinem Arm. Damit zollst du deinem Opfer Respekt, schließlich hat sie ihre Rolle ausgezeichnet gespielt und verdient eine entsprechende Behandlung. Man sollte dir nicht vorwerfen können, das du die Lebenden oder die Toten nicht ehren würdest. Abgesehen davon, müsste sie dir auch dankbar für diese Behandlung sein, schließlich lässt du sie nicht alleine sterben, sondern bleibst bis zum Ende bei ihr.

Es ist vorbei. Das Opfer rührt sich nicht mehr. Du legst sie behutsam auf den Boden ab, schließt ihre Augenlieder, faltest ihre Hände vor ihrem Körper und siehst sie dir ein letztes Mal an.

Sie sieht friedlich aus.

Du säuberst die Klinge, steckst sie ein und verschwindest wieder in den Schatten der Nacht und machst dich lächelnd auf den Weg in dein eigenes trautes Heim. Für den Moment ist deine Gier gestillt, deine Instinkte ruhen.

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Eine kleine Geschichte, die mir einfiel als ich durch die Stille der Nacht wanderte und über mein aktuelles Buch grübelte, auch wenn sie absolut nichts mit diesem zu tun hat.

gez. Nathaniel Simon Laval

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