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Sie hatte Karneval schon immer gehasst. Die viel zu laute, dröhnende Musik, die schreienden Kinder und die halb abgelaufenen, steinharten Bonbons die sie nicht selten mitten im Gesicht trafen. Doch der Widerstand gegenüber ihrer Familie war zwecklos gewesen und nun stand sie zwischen betrunkenen Clowns und tobenden Piraten.

An ihrer rechten Hand hielt sie ihren kleinen Bruder fest, der immer wieder versuchte vor die geschmückten Trecker zu laufen um sich die restlichen Süßigkeiten vom vorherigen Waggon unter den Nagel zu reissen. 

In der anderen Hand hielt sie einen Becher des billigen Bieres, das bei jedem Karnevalszug an die johlende Menge ausgeteilt wurde. Ab und zu nippte sie an dem Rand des Plastikbechers, verzog aber jedes mal angewidert das Gesicht. 

Ein knallhartes Bonbon traf sie zwischen den Augenbrauen und wieder fragte sie sich, warum sie, mit ihren 16 Jahren, nicht einfach zu einer Freundin gehen und ihre Schwester stattdessen auf den kleineren Bruder aufpassen konnte. 

Ein Mann im Sträflingskostüm rempelte sie an und lief ohne sich zu entschuldigen weiter. Ihr war der penetrante Alkoholgeruch in seinem Atem nicht entgangen. Sie taumelte etwas und ließ die Hand ihres kleinen Bruders los, der die Gelegenheit nutzte nach vorne zu rennen und sich die besten Süßigkeiten zu sichern. Er kam mit hochrotem, aber zufriedenen Gesicht zurück. Er hatte keine Bonbons in der Hand, sondern einen Gegenstand in der Größe eines kleinen Buches." Tricia, guck mal ich habe eine Clownspuppe von dem lustigen Mann da drüben bekommen" sagte Danny und zupfte ihr am Ärmel. In seiner kleinen Hand hielt er eine Puppe in einem Clownskostüm. Sein Anzug war silbern und viel zu weit. Als Knöpfe dienten sechs orange Bommel,  die so aussahen, als fielen sie jeden Moment ab. Das Gesicht des Clowns war weiß wie Kalk, was einen makaberen Kontrast zu den blutroten Lippen setzte, die zu einem breiten Lächeln verzogen waren. Für einen Augenblick dachte Tricia, der Clown hätte ihr kurz mit seinen gelben Augen zugezwinkert. Doch dann stempelte sie dies als Einbildung ab. Schnell wandte das Mädchen den Blick ab. Sie hatte das seltsame Gefühl, die Puppe würde sie mit ihren grellgelben Augen beobachten, mit ihren schmalen Lippen anlächeln und mit der behandschuhten Hand zuwinken. Die Clownspuppe verschaffte ihr ein unangenehmes Gefühl. " Beruhige dich Tricia" ermahnte sie sich selbst " es ist nur eine Puppe... und eine ziemlich hässliche dazu". Tricia sah in die Richtung in die Danny gedeutet hatte, um den "lustigen" Mann ausfindig zu machen, doch sie entdeckte lediglich einige kleine Prinzessinen, die ihre Ausbeute untereinander aufteilten. Von einem Mann war keine Spur. Tricia zog die Augenbrauen zusammen.

Danny schien zufrieden mit seiner Ausbeute zu sein und zerrte seine Schwester endlich aus der feiernden Menge. Sobald der Zug ausser Sicht war, riss er eine Tüte Popcorn auf und verzehrte diese. Die Puppe hatte er währenddessen unter den Arm geklemmt. 

Gelbe Augen, wie brutal helles Licht, wie das Licht in Zahnarztpraxen. Gelbe Augen, die sie zu durchleuchten schienen. Tricia fühlte sich bei dem Anblick dieser Augen immer unwohler. Ein Schauer lief ihr über den Rücken. Auf einmal wurde ihr eiskalt, und das obwohl das Wetter zurzeit vergleichsweise frühjahrsartig war. Dann bewegte sich der Kopf der kleinen Puppe und drehte ihn ein winziges Stück in ihre Richtung. 

Tricia zuckte zusammen und blieb abrupt stehen. Ihr Bruder bemerkte dies und drehte sich zu ihr um: "Ist alles okay?"

"Ja" antwortete Tricia gepresst,  bemüht ihr klopfendes Herz zu ignorieren und sich ihrer Panik nichts anmerken zu lassen. Es war doch nur eine verdammte Puppe. Warum machte sie sich deshalb so verrückt? Danny nahm ihr die Aussage ab und ging weiter. Die Puppe hatte ihre Augen nun gen Himmel gerichtet.

Das schlimmste an Karneval sind die Nächte, so empfand es jedenfalls Tricia. Bis um Mitternacht waren noch die feiernden Menschen auf den Straßen zu hören, die sturzbetrunken versuchten Böller in Vorgärten zu werfen, meist aber die Fensterscheibe trafen.

Doch sie beunruhigte etwas ganz anderes. Es waren die zwei gelben, leuchtenden Punkte, die sie sah, als sie die Rollos ihres Fenster hinunterzog. Sie ging noch einmal auf die Toilette. 


Ich kann ihre nackten Füße auf dem Parkett hören, ihren ruhigen Atem. Die Tür quietscht ein wenig, als ich sie öffne. Die wunderbare Farbe frischen Blutes bedeckt die Wände des Zimmers und auch den Großteil des Bodens. Er war leicht zu überwältigen gewesen. Ein kleines Kind. Ich hatte meine Zähne in sein zartes Fleisch gebohrt, es auseinander gerissen, auf der Suche nach dem pochenden Herzen in seiner Brust. Er hatte versucht zu schreien.

Hatte seine babyblauen Augen weit aufgerissen. Doch es kam kein Ton über seine Lippen, als ich mit meinen Klauen seinen Bauch öffnete um die köstlichen Gedärme zu verzehren. Schade war nur, das ich mich nicht gedulden konnte das Herz herauszureißen. Lebender Schmerz schmeckt besser als totes Fleisch. Doch diesen Fehler beging ich nicht bei den zwei großen Menschen. Ihnen zog ich die Haut ab um sie als eine köstliche Vorspeise zu verzehren. Davor trennte ich der Frau ihre blau lackierten Nägel ab. Ihr Fleisch hatte gut geschmeckt, nach Angst und nach Entsetzen über meine Erscheinung.

Ich erinnere mich noch an das schmatzende Geräusch, als der Nagel sich vom Nagelbett löste. Um mein Werk zu vollenden nagelte ich den Mann an die Wand. Sein Blut schmückt nun das Bett und den Nachttisch der toten Frau. Ihn werde ich später noch genießen, aber zuerst werde ich mich dem Mädchen widmen. 

Und danach, werde ich mir ein weiteres naives Kind suchen, dass sich in meinem gelben Augen verliert. Es wird ein Mädchen sein, blonde Haare die zu Zöpfen geflochten sind, große blaue Augen.

Der Körper den ich nun bewohne ist noch frisch, gerade mal sechzehn Jahre alt.

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