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Ein wunderschöner und strahlend ruhiger Morgen. Dass der Sommer sich so früh blicken lässt, damit hätte wohl niemand gerechnet. Ein wirklich schöner Morgen, es ist einer dieser Morgen, an denen man nach dem Wachwerden noch eine Stunde im Bett liegen bleibt und zuschaut, wie die Gedanken einfach so an einem vorbeiziehen wie Wolken. Meine Psychologin gab mir diesen Rat, wenn ich etwas Ruhe brauche, solle ich versuchen, meine Gedanken in eine Form zu packen, wie die Wolken, die am Himmel einfach vorbeiziehen. Natürlich entschied ich mich nicht für Wolken, die waren mir viel zu langweilig, ich wählte einen Flur mit Türen, jeden Tag ging ich in meinen Gedanken mindestens einmal durch diesen Flur, der niemals ein Ende hatte.

Der Flur war nicht sonderlich breit, er war dunkel und sehr kahl, ein Flur, wie man sich ihn klischeehaft in einem Horrorfilm vorstellt. Doch mein Flur war eben deshalb besonders, weil es meiner war. In meinem Flur tauchten immer mal wieder Türen auf, auf denen ein Name stand oder ein Wort, welches ich mit dem Gedanken verknüpfte, der sich grade in meinem Kopf breitmachen wollte. Doch ich öffnete keine dieser Türen, denn Sinn des Flures war es, die Gedanken nicht weiter zu beachten. Ich soll sie sehen, wahrnehmen und spüren, dass sie da sind, aber Ziel war es, sie nicht so weit an mich ran zu lassen, dass sie mich gar traurig machen.

"Papa".

"Kinderheim".

"Das erste Mal mit sieben".

"Leben und Tod".

Einige Dinge standen an diesen Türen, die für Außenstehende vielleicht verwirrend wirken. Die erste Türe ist nicht schwer zu verstehen, sie öffnet die Erinnerungen an meinen Vater, in einer üblichen Pasta würde jetzt der Punkt kommen, an dem ich erkläre, was er mir für schreckliche Dinge angetan hat, aber das hat er nicht, und er war auch nicht verstorben oder etwas dergleichen.

Hinter der zweiten Türe stecken alle meine Emotionen, die ich mit dem Ort verband, welcher leider einmal mein Zuhause war. Die dritte Türe zeigt mein erstes Mal Intimität mit einem Mann. Ja, ihr lest richtig, es war im Alter von sieben Jahren, als mich der damalige Freund meiner Mutter packte und vergewaltigte, aber auch das ist nicht die Stelle, um die es hier eigentlich geht.

Es geht um meinen Freund, seit ganzen zwei Jahren führen wir eine Beziehung, natürlich gibt es wie überall auch bei uns gute und auch mal schlechte Zeiten, gerade da er noch 19 und ich 18 bin.

"Hab keine Lust, es zu riskieren, hab keine Lust, mich anzufassen..."

Doch kehren wir wieder zurück aus meinen Gedanken in den sommerlich schönen Tag, leider kann ich die Schönheit um mich herum seit einigen Jahren nicht mehr richtig wahrnehmen, ich habe jeden Tag und jede Minute das Gefühl, ich lebe in einem Traum, kann nichts richtig spüren, nichts richtig sehen und erkennen, ich kann nie die Schönheit meiner großen Liebe oder der Natur richtig erfassen. Das Einzige, was ich spüre, sind Schmerzen, sie geben mir die Kontrolle zurück.

Dennoch freute ich mich, als ich an diesem wundervoll strahlendem Tag wach wurde, in meinem eigenen Erbrochenem und meinem Blut, das von meinem Arm lief, kurz bevor ich mich endlich entschied, seine Leiche aus meinem Arm fallen zu lassen und ihn endlich wiederzusehen.

Jetzt muss ich nicht mehr im Flur die Türe öffnen, ich bin wieder bei ihm.

Scraggy

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