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Irgendetwas ging mir den ganzen Tag über nicht aus dem Kopf. Es war wichtig. Etwas, an das ich mich wirklich erinnern sollte. Aber es war unmöglich. Je stärker ich mich darauf konzentrierte, desto schneller schien es mir wieder zu entgleiten.

Normalerweise, wenn auf der Hinfahrt alles gut läuft, komme ich um sieben im Polizeirevier an und fülle dort meine Thermoskanne auf, lange vor dem Eintreffen der anderen Mitglieder meiner Einheit. Dorothy ist zu dem Zeitpunkt die einzige Anwesende, deren Nachtschicht erst mit meinem Erscheinen endet. Heute jedoch geriet ich in einen heftigen Stau, kam daher erst um 7:15 Uhr an und wurde von Dorothy mit einem verschmitzten Grinsen begrüßt, das wohl eine Anspielung auf meine ungewöhnliche Verspätung sein sollte.

7:30 Uhr. Ich starrte auf den Kalender. Der fünfte März. Ich wusste immer noch nicht, was mich so beschäftigte. Was ist heute anders? Ich sah mich auf dem Tisch nach Hinweisen um, unter den Bergen voller unerledigtem Papierkram und allgegenwärtigem Schreibtischmüll. Meine Marke. Ein Bild meiner Frau. Berichte. Gerichtsbeschlüsse.

Klick

Ich hatte einen Termin vor Gericht. Wie zur Hölle konnte ich das vergessen? Ich sah auf die Uhr. Verdammt. 7:45 Uhr. Ich würde zu spät kommen. Aber besser spät als nie. Ich rannte aus dem Gebäude zu meinem Streifenwagen. Eigentlich ist es eine zwanzig-minütige Fahrt zum Gerichtshof. Ich schaffte es in zehn.

10:15 Uhr. Kalter Kaffee. Ich nahm trotzdem einen Schluck. Dieser Glückspilz war ungestraft davon gekommen. Verleitung zu einer Straftat. Was für ein scheiß Witz. Seine Kumpels werden es nicht so leicht haben, schwor ich mir. Ich ging zu meinem Streifenwagen und bemerkte, wie die vorbeifahrenden Autos ihre Fahrt verlangsamten. Das tun sie immer. Mit Ausnahme von einem Kerl in einem schwarzen Camaro — er fuhr mindestens zwanzig zu viel. Der wird schon noch erwischt. Ich griff in meine Jackentasche, auf der Suche nach einer Nicorette, doch sie war leer.

Klick

Ich hatte sie auf der Küchenablage vergessen. Schon wieder. Das war schon das zweite Mal diese Woche. Rowley raucht. Ich besorge mir eine von ihm.

14:00 Uhr. Rowley war noch immer auf Patrouille. Ich war nah dran ihn über Funk anzufordern, einfach nur für eine Kippe. Das Verlangen nach einer Zigarette machte mich wahnsinnig.

Um 14:45 Uhr wurde ich wegen einer Morddrohung in das Büro des Oberkommissars gerufen. Einer Morddrohung, die an mich gerichtet war. Anscheinend kam es einer Todsünde gleich, Schmiergeld vom Kartell abzulehnen. Ich lehnte die angebotene Befreiung vom Dienst ab, versprach jedoch mich nicht weiter zu „überarbeiten“.

16:30 Uhr. Es war ungewöhnlich still im Revier. Es schien, als würde sich etwas zusammenbrauen. Was ist mit John los? Jedes Mal, wenn ich ihn dabei ertappte, wie er in meine Richtung sah, blickte er weg. Habe ich etwas im Gesicht? Ich fuhr sicherheitshalber mit der Hand darüber.

Klick

Ich hatte heute Morgen die Rasur vergessen. Scheiß drauf. In dreißig Minuten war Feierabend. Ich konnte die heiße Dusche kaum noch erwarten.

17:20 Uhr. Der Verkehr war mal wieder die Hölle. Regentropfen trommelten auf das Dach. Die Scheibenwischer gaben ihr Quietschen zum Besten. Ein Vollidiot nahm mir die Vorfahrt.

Gegen 18:05 Uhr bog ich in meine Auffahrt ein. Das Auto meiner Frau war nirgends zu sehen. Normalerweise war sie zu dieser Zeit bereits zu Hause. Ich blieb für einen Moment im Wagen sitzen und blickte rechts und links über meine Schultern, unsicher, wonach ich überhaupt suchte. Es war wohl einfach mein Bauchgefühl.

Ich stieg aus dem Wagen und ging bis zur Bordsteinkante. Einen halben Block entfernt sah ich ein schwarzes Fahrzeug, das am Straßenrand geparkt war. Marke und Modell konnte ich nicht genau ausmachen. Der strömende Regen verhinderte eine klare Sicht. Falls ich raten müsste, sähe es aus wie ein...

Klick

… ein Camaro. Genau dasselbe Fahrzeug wie jenes, das heute Morgen am Gerichtshof an mir vorbei gerast war. Meine Muskeln spannten sich an. In geduckter Haltung schlich ich mich zurück in die Auffahrt zum Streifenwagen. Ich ging dahinter in Deckung und spähte von dort aus in Richtung Eingang.

Die Jalousien bewegten sich. Jemand hatte mich von drinnen beobachtet, da war ich mir sicher. Ich zog meine Pistole.

Geduckt bewegte ich mich im Schatten des Hauses zur Rückwand. Ich sollte Verstärkung rufen, fiel mir ein. Ich griff instinktiv zu der Stelle an meinen Gürtel, an dem gewöhnlich das Funkgerät angebracht war.

Klick

Nichts. Ich hatte es im Streifenwagen oder im Revier vergessen, doch das war im Moment nicht wichtig. Ich nahm mein Handy heraus, um stattdessen meinen Partner anzurufen. Während mein Daumen über dem Bildschirm schwebte, musste ich an meine Frau denken und entschied, zuerst sie anzurufen. Um sicherzugehen, dass es ihr gut ging. Ich wählte ihre Nummer.

Es klingelte.

Das Handy befand sich im Haus, aber niemand nahm ab. Zweimal klingelte es, dann meldete sich ihre Voicemail.

Ein drückendes Gewicht legte sich auf meine Brust. Der schwarze Wagen. Die Morddrohung. Dieses Gefühl, das mich schon den ganzen Tag über heimsuchte.

Ich zielte mit der Pistole auf die Tür und nahm drei Schritte Anlauf. Dann rannte ich los und trat mit dem Fuß direkt neben dem Knauf auf die Tür. Sie flog auf.

Den Bruchteil einer Sekunde später sprang jemand von drinnen hervor. Mein Finger saß bereits am Abzug. Ich drückte ab.

BAM

18:15 Uhr. Die Lichter gingen an. Dorothy schrie. Hinter dem Tresen richtete sich Rowley langsam auf. Auch die Anderen kamen aus ihren Verstecken hervor, die Münder weit geöffnet, doch keiner sagte ein Wort.

Vor mir, in einer Lache aus Blut, lag meine Frau.

Klick

Es war mein Geburtstag.

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Original: http://www.reddit.com/r/nosleep/comments/1zqpo8/click/

 

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