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Diese Geschichte hat sich vor einigen Jahren ereignet, als ich nach einer Gehaltserhöhung aus meiner ersten Wohnung auszog, um mir ein wenig mehr Luxus zu gönnen. Zu dieser Zeit wohnte ich in Rostock, wo hochwertigere Wohnungen paradoxerweise eher in den heruntergekommenen Vierteln zu finden sind. Ich weiß nicht genau, woran das liegt, vermute aber, dass es etwas mit dem hier ansässigen Großvermieter zu tun hat, der mit öffentlichen Geldern unterstützt wird und dafür großflächig günstigen Wohnraum zur Verfügung stellt.

Wie dem auch sei, ich bin jedenfalls zu einem privaten Vermieter gewechselt und fand eine bezahlbare Wohnung, die meinen neuen Ansprüchen genügte. Zu diesem Zeitpunkt wohnte ich allein und hatte auch nicht viele Freunde, so dass ich den Umzug weitestgehend allein bewältigen musste. Die erste Nacht verbrachte ich daher auf einer Matratze im Wohnzimmer zwischen Kisten und Kartons. Ohne Bett, ohne Vorhänge einfach auf der blanken Matte. Gegen 01:00 Uhr hörte ich es zum ersten Mal. Klopf, klopf. Es war leise und regelmäßig, wahrscheinlich hätte ich es gar nicht wahrgenommen, wenn ich nicht ohnehin unruhig geschlafen hätte. Nun jedoch störte es und hinderte mich am Einschlafen. Ich stand auf und suchte nach der Ursache. Es schien aus dem Boden zu kommen, mit gleichbleibender Lautstärke und Regelmäßigkeit. Klopf, klopf. Schlaftrunken suchte ich das Parkett ab. Nichts, das Geräusch musste vom Untermieter stammen. Klopf, klopf.  Verzweifelt legte ich mich wieder hin und drückte mir mein Kissen auf die Ohren. Nach einigen unruhigen Stunden schlief ich schließlich ein.

Am nächsten Morgen war das Klopfen verschwunden und ob der ganzen Arbeit, die auf mich wartete, hatte ich den Vorfall fast vergessen. Ich baute meine Möbel zusammen und entleerte meine Kartons, am Abend stand ich in einer passabel eingerichteten Wohnung. Die Müdigkeit drohte mich zu übermannen, aber ich wollte es mir nicht nehmen lassen, meine neue Couch einzuweihen. Einige Minuten später war die Pizza bestellt und ich entspannte mich zu irgendeinem Action-Steifen. Ich glaube es war Dark Knight, kann es aber nicht genau sagen. An den Film erinnere ich mich kaum, denn ich bin noch in der ersten Hälfte eingeschlafen.

Klopf, klopf. Ich erwachte einige Stunden später, draußen war es bereits dunkel. Klopf, klopf. Da war es wieder. Langsam wurde ich sauer. Ich nahm mir fest vor, meinen Untermieter zur Rede zu stellen, als ich mich ins Schlafzimmer schleppte und dort den Rest der Nacht verbrachte. Am nächsten Tag stand nicht viel an, ich musste meine Katze von meinen Eltern abholen und zwei Kratzbäume aufbauen, ansonsten war ich fertig. Die Wut über meinen verlorenen Schlaf war zumindest im Ansatz noch vorhanden, als ich zurückkehrte, sodass ich mich entschloss, direkt beim Untermieter Halt zu machen. Eine recht hübsche Frau öffnete mir die Tür. Sie erzählte, dass sie die Nächte bei ihrem Freund verbringe und daher nichts zu dem Klopfen sagen könne. Ich hakte noch ein wenig nach, erfuhr jedoch nichts, womit sich die nächtlichen Geräusche erklären ließen. Also schob ich den Gedanken beiseite und brachte meine Katze nach oben.

Der Kratzbaum, ein großes Modell, war schnell aufgebaut. Wer selbst mit einer ehemaligen Straßenkatze zusammenlebt, der weiß, wie viel Energie diese Tiere besitzen. Anfangs habe ich einiges an Lehrgeld bezahlt, weil Wodka (der Name meiner Katze) mit Anlauf auf eine Vitrine gesprungen war, die daraufhin auf dem Boden zerschepperte. Nach diesem Ereignis habe ich einen ausladenden Kratzbaum gekauft, mit langen, dicken Schrauben als Bodenbefestigung.Zur Anbringung hatte ich mir extra eine Schlagbohrmaschine gekauft, da in den ortsüblichen Gebäuden gern mit Stahlbeton gearbeitet wird. Es kostete mich einige Anstrengung, doch schließlich konnte Wodka seine neue Heimat bewohnen. In dieser Nacht schlief ich ruhig und lange, mein Körper holte den verlorenen Schlaf nach. Als ich am nächsten Tag ins Wohnzimmer kam, sah ich Wodka, der heftig auf dem Parkettboden scharrte. Ich seufzte, normalerweise tat er das, nachdem er sich übergeben hatte und versuchte das Ergebnis einzubuddeln. Doch auch bei näherer Betrachtung konnte ich nichts erkennen, kein Erbrochenes, keine Fäkalien. Zunächst ignorierte ich das Verhalten meiner leicht vertrottelten Katze, doch als sie den ganzen Nachmittag auf dem Boden kratzte, wurde ich skeptisch. Ich hockte mich hin und untersuchte die Stelle genauer.

Der Kopf der Schraube, die den Kratzbaum am Boden verankerte, war von einer seltsamen Flüssigkeit umgeben, die unangenehm roch. Einen Moment bekam ich Angst. Wenn ich bei meiner Bohrung eine Wasserleitung erwischt hatte, würde es teuer für mich werden. Also löste ich die Schrauben und schob den Kratzbaum beiseite. Das Loch, dass die Schrauben hinterließen, war fast vollkommen mit Flüssigkeit gefüllt. Verdammt. Ich rief den Hausmeisterservice, der sofort eine Firma damit beauftragte, die Schäden zu begutachten.

Meine neue Wohnung verwandelte sich binnen eines Tages in eine Baustelle, am zweiten Tag der Arbeiten war ich nahe am Nervenzusammenbruch. Dennoch erhielt ich auch gute Nachrichten. Ich hatte kein Rohr getroffen, sondern die Kehle eines alten, abgemagerten Mannes. Dem Vermieter zur Folge handelte es sich um den Vormieter, der sich nach einem großen Geldgewinn ein Haus kaufen wollte.


Inzwischen sind einige Jahre vergangen und ich kann über diese Angelegenheit reden. Doch obwohl der Tod nur indirekt meine Schuld war, bin ich die Last bis heute nicht vollständig losgeworden. Und manchmal, wenn ich Nachts wach liege, kann ich ein Geräusch hören, dass leise und regelmäßig aus dem Boden emporsteigt. Klopf, klopf.

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