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Gott
Es war 23:45 Uhr, als ich den alten Dom betrat. Er war nur spärlich durch Kerzen und einzelne elektrische Lampen beleuchtet. Seit dem Tod meines Vaters war ich nicht mehr in einem Gotteshaus gewesen. Ich hatte weder davor, noch danach das Bedürfnis, mich mit Gott, dem heiligen Geist, Jesus oder Maria zu unterhalten. Warum auch? Man redete und redete, breitete seine Sorgen und Ängste vor den heiligen Symbolen aus und bekam... Nichts. Keine Antwort, kein Zeichen, ja, noch nicht einmal einen Lufthauch, der ansatzweise als Wink göttlicher Fügung interpretiert werden hätte können. Was also zum Teufel tat ich hier? 

Ich kniete nieder und wollte es doch nicht, ich senkte mein Haupt und wehrte mich dagegen.

Ich begann zu reden, erklärte die Not, die Ängste, die mich beherrschten, bettelte um Hilfe und Unterstützung. Forderte Schutz und Beistand für meinen Weg, den ich gehen musste. Ich redete mir den Frust von der Seele, nur um dann zum Schluß das Kreuz anzubrüllen. 

„Ist es das, was du wolltest? Soll mein ganzes Leben darauf ausgerichtet sein? Weißt du eigentlich, wie schwer es ist, damit zu leben? Sich jeden Tag aufs neue die Frage zu stellen, warum man sich eigentlich noch die Mühe macht, einen Fuß auf die Straße zu setzen?“

Ich zitterte am ganzen Leib. Mein Blut wallte und ich ballte die Hände zu Fäusten. Ich schüttelte den Kopf und lächelte. Was hatte ich mir nur dabei gedacht, was hatte ich erwartet? Ein Gespräch mit dem Schöpfer? Warum sollte er auch ausgerechnet mit mir sprechen wollen, mein Leben ist es nicht wert, gerettet zu werden. Ich begann zu begreifen, der Glaube war nichts weiter als der allerletzte Strohhalm, an den man sich klammerte, wenn alles andere sinnlos erscheint. Gott ist ein Mythos, das war er schon immer. Ich begann zu verstehen, wir Menschen waren schon immer allein gewesen und werden es auch immer bleiben. Auch wenn Gott nicht geantwortet hat, wusste ich doch jetzt genau, was ich zu tun hatte, ich musste mein Leben weiterhin selbst in die Hand nehmen, musste mit dem Schmerz und der Verzweiflung leben, daraus Kraft und Hoffnung schöpfen und selbst daran glauben, dass es eines Tages vorbei sein würde und ich ein normales Leben führen könnte. So wie früher, als alles noch in bester Ordnung war. Als die Dunkelheit noch nicht über mich gekommen war.

Ich wandte mich vom Kreuz ab und ging festen Schrittes zurück zur großen massiven Holztür, die mich wieder in die Wirklichkeit entließe, sobald ich sie öffnen und durchschreiten würde. Erst jetzt bemerkte ich die Stille, die sich über den ganzen Innenraum erstreckte. Meine Hand ergriff den Türknauf, ich zögerte kurz, atmete tief durch und öffnete die Tür. 

Die Tür schloss sich knarzend hinter mir, meine Augen verengten sich, meine rechte Hand umfasste die Machete mit festem Griff und mit einer fließenden, ausholenden Bewegung spaltete ich den Kopf des ersten lebenden Toten, der sich mir mit schlurfenden Schritten gefährlich näherte. Blut spritzte gegen die Tür des Gotteshauses und der lebende Tote brach in sich zusammen. Weitere Zombies bemerkten mich und kamen langsam auf mich zu. Ich wandte mich ab und rannte in die Dunkelheit. Auf der Suche nach einem Ort, an dem ich ein neues Leben beginnen konnte. 

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