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Mittag Bearbeiten

Er war ein Priester gewesen.

Ein netter Mann; beliebt bei allen, die zu der kleinen Kirchengemeinde gehörten. Seine grau melierten Haare waren immer sauber gekämmt gewesen, doch nun waren sie unordentlich, und teilweise fettig, da er keine Zeit zum Duschen gefunden hatte. Es war ein ganz normaler Tag für ihn. Und der Dienst im Beichtstuhl war schon längst nichts Ungewöhnliches mehr, doch die Person, die sich ihm gegenüber in die Kammer setzte, war das schreiende Abbild von *Ungewöhnlich*.

"Vater vergebe mir. Ich habe gesündigt." tönte es durch das verhangene Holzgitter. Die Stimme war ungewöhnlich rau, und tief, doch auf eine seltsame Art und Weise weiblich. Es war das erste Mal, dass der Priester das Verlangen hatte, sein Gegenüber zu betrachten. Nur um zu sehen, ob es sich denn nun um einen Mann, oder um eine Frau handelte. "Gestehe deine Sünden, auf dass dir Gott vergebe." erwiderte der Pater. Es waren die Worte, die er immer sprach, doch dieses mal war seine Stimme ungewöhnlich brüchig.

"Ich mordete, Vater. Und es machte mir Spaß. Ich folterte, Vater. Und es bereitete mir Vergnügen. Ich zerstörte, Vater. Und das Glücksgefühl war berauschend." Ohne zu zögern hatte man ihm geantwortet. Es dauerte, bis der Mann die Bedeutung des Gesagten verarbeiten konnte. Der Priester hätte es gerne für einen schlechten Scherz gehalten. Doch dort, im dunklen Beichtstuhl, neben der Person mit der melodisch unmelodischen Stimme, hätte er alles geglaubt, und er begann zu zittern.

"Doch Vater es reicht nicht. Ich habe Durst. Ein unstillbarer Durst. Ich muss mehr foltern. Ich muss mehr töten. Ich muss mehr zerstören." Der faulige Duft von Verwesung, gemischt mit dem Geruch einer blühenden Rose, machte sich in dem kleinen Raum breit, und der Pater schlug sich die Hand vor den Mund, da ihn ein plötzlicher Würgreiz überkam. Oh bitte möge das ein Trick sein. Eine Mutprobe irgendwelcher pubertären Jugendlichen. Durch das Schweigegelübde wäre es unmöglich, ihn für seine Taten zur Rechenschaft zu ziehen. "Wer sind sie." brachte er hervor, obwohl es ihm nicht gestattet war, Derartiges zu fragen.

"Ich bin der Wahnsinn. Pater. Und du wirst es auch sein." Es war so, als ob sich zwei kalte Augen durch das Holz bohrten, das die beiden Leute voneinander trennte. Und dann war es genug. Der Priester stürmte aus seiner Kabine, und eilte davon. Getrieben von seiner Angst. Immer weiter. Immer schneller. Ohne rationales Denken. Seine Instinkte trieben ihn fort, doch er wurde plötzlich umgerissen. Die definitiv männliche Gestalt setzte sich auf ihn drauf. Und dann traf dieser feurige und doch eiskalte Blick den seinen, und allgegenwärtige Schwärze umfing ihn.


Abend Bearbeiten

Foltern.

Töten.

Zerstören.

Es war ein Feld.

Die Nacht hatte sich bereits über die Welt gelegt, und der Wind murmelte sanft, als sich eine Gestalt in der Mitte des Getreides plötzlich rührte. Der Mann lächelte, als er sich das Messer immer wieder in die Magengrube rammte. Langsam. Gleichmäßig. Genüsslich. Das Blut störte ihn nicht weiter, obwohl es ihm bereits an den Beinen hinunter lief. Störend war eher sein Durst. Sein unstillbarer Durst nach mehr. Er stach immer wieder zu, und die Klinge glitt sauber in die Wunde hinein und heraus.

Doch irgendwann wurden seine Bewegungen langsamer. Ungleichmäßiger. Unsauberer. Und dann fiel er auf die Knie. Er blinzelte ein letztes Mal, bevor er sich schließlich die Kehle aufschlitzte. Und dann fiel sein Körper leblos zu Boden. Etwa eine halbe Stunde, nachdem er eine wichtige Sünde gebeichtet hatte. Den Priester hatte er nicht töten können...


Nacht Bearbeiten

Foltern.

Er blinzelte.

Töten.

Er setzte sich auf.

Zerstören.

Er grinste.

Der Priester achtete nicht auf den jungen Novizen, der einen Freudenschrei erklingen ließ, als sein Mentor wieder aufwachte. "Pater Christoph. Wie geht es ihnen? Ich habe sie gerade hier liegend gefunden." 

Doch die Stimme, mit der ihm der Mann antwortete, war definitiv nicht seine. "Mir geht es so gut wie noch nie." Beherzt schob der Ältere den Jüngling beiseite, und rappelte sich auf.

Anschließend durchquerte er mit trägen Schritten die Kirche, und ging zielstrebig auf den Ausgang zu, der sich in Form einer massiven Eichentür vor ihm erstreckte. "Pater Christoph. Wo wollen sie denn hin?" Der Novize wollte sich ihm in den Weg stellen, doch als er das Gesicht seines Mentors sah, stutzte er. Furchen durchzogen die sonst makellose Stirn, und die Augen blitzten irre. Er hätte wegrennen sollen, denn kurz darauf stürzte sich der andere auf ihn, riss ihn zu Boden und brach ihm mit einem einzigen Handgriff den Nacken.

Und dann saß er da. Ohne, dass jemand es bemerkte, da die Kirchengemeinde relativ klein war.

Das hatte Spaß gemacht.

Aber es war nicht genug...

Mit einem belustigten Knurren erhob sich der Mann abermals, und führte seinen Weg fort. 

Es dauerte nicht lange, bis er einer schwangeren Frau, die ihn höflich grüßte, mitten auf dem Marktplatz die Zähne in den Hals bohrte, und daran riss wie ein Tier. In ihren Augen konnte man Überraschung erkennen, als sie mit einem Gurgeln hinabsank, und den Boden rot färbte. Ihr Blut minderte seinen Durst etwas. Aber etwas genügte nicht. Zwar versuchten einige wegzurennen, doch er war schneller, als sein Alter es ihm erlaubte. Stärker, als es ihm sein Körper erlaubte. Und blutrünstiger, als es ihm sein Gelübde erlaubte.Er folterte, er mordete, er zerstörte, er verletzte, er zerfetzte. Es war nicht genug. Es war einfach nicht genug.

Ein irres Lachen entfuhr ihm, als er ein kleines Mädchen hoch hob, deren Eltern er soeben zerrissen hatte. Doch dann sah er die Tränen in ihren Augen, und hörte wie sie murmelte: "Warum Pater Christoph?", und machte Halt. Das Grinsen verschwand.In ihren Iris erkannte er einen kleinen, dunklen Punkt, und konzentrierte sich vollkommen darauf.

Sie war anders.

Sie musste ganz bleiben.

"Weil ich durstig bin, meine Liebe." erwiderte er vollkommen bei sich. "Und du wirst es auch sein." Das Mädchen verlor ihre Körperspannung, und ihr Kopf fiel nach hinten, während goldene Locken das Licht des anbrechenden Morgens umschmeichelten. Er legte sie beinahe vorsichtig auf den Boden, während außenrum die Hölle losbrach.

Und dann erklangen die Polizeisirenen.

Er floh. Rannte weg. Suchte nach einem Versteck. Versuchte Schutz zu finden. Doch er war so durstig, dass er nicht mehr klar denken konnte. Die Zeit verflog. Und dann ... blieb er einfach stehen.


Morgen Bearbeiten

Foltern.

Sein Mundwinkel zuckte.

Töten. Ein kleines Schmunzeln huschte über sein Gesicht.

Zerstören.

Es war ein Marktplatz. Der Tag hatte sich bereits über die Welt gelegt, und der Wind tobte wütend, als sich eine Gestalt in der Mitte des Forums plötzlich rührte. Der Priester lächelte, als er von einem Kugelhagel getroffen wurde. Langsam. Gleichmäßig. Genüsslich. Blut. Er sah so viel wunderschönes Blut, und er konnte fühlen, wie sein Durst langsam verrauchte. Und als er auf die Knie fiel, lachte er; so laut, dass es den Polizisten unwillkürlich schauderte. Dann bohrte sich eine Kugel durch seine Stirn in das Gehirn, und dort bis zur Schädelrückwand, die sie ebenfalls durchdrang. Und dann... Dann war er tot.


Mittag Bearbeiten

Sie öffnete die Augen.

Das Innere des Krankenwagens war gefüllt mit Maschinen. Ein Sanitäter gab ihr gerade eine Spritze, und lächelte erleichtert, als er bemerkte, dass sie wach war. Im Moment war in den Ortschaften dort unten am Fluss die Hölle los. Irgendein Massenmörder trieb sein Unwesen, doch während manche erzählten, dass er jung war, und schwarze Haare hatten, behaupteten andere, dass er der Priester des Ortes, mit grau melierten Haaren gewesen sei. Sie lächelte ebenfalls und entschuldigte sich. "Das ist mein Job." antwortete er belustigt.

Er konnte nicht wissen, dass sie vor Kraft pulsierte,und bereits die Lederriemen, die sie am Bett hielten, leise abgerissen hatte.

Er konnte nicht wissen, dass sie sich nicht dafür entschuldigte, was sie in der Vergangenheit getan hatte, sondern dafür, was sie in der Zukunft tun würde.

Er konnte nicht wissen, dass sie wie alle anderen in einen unendlichen Kreislauf geraten war.

Er konnte nicht wissen, dass sie aufsprang, und sich auf ihn stürzte.

Er konnte nicht wissen, dass sie durstig war, und er konnte auch nicht wissen, was sie dachte:


Foltern, töten, zerstören...

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by Whocaress

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