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Ungeduldig wanderte ich zur Wand und wieder zurück. Dabei starrte ich immer wieder auf den Hammer, den ich mir zuvor geschickt aus einem der freien Räume gestohlen hatte. Sie werden bald kommen… Meine Gedanken kreisten ständig um diese Vorstellung. Die Vorstellung wie es wäre, wenn die schmierige, ölige Flüssigkeit an meinen eigenen Händen und auf meinen Klamotten kleben würde. Und der giftige Duft meine Sinne vollkommen benebeln würde… Schwer atmend lehnte ich mich mit dem Kopf gegen die Wand. Ich will töten!, schrie es in meinem Inneren. Ich will ihre verdammten Kabel aus ihren kalten, metallischen Körpern reißen und ihre Körperteile voneinander abtrennen: Hand von Arm, Kiefer von Gesicht, Kopf von Hals…

Mit jeder klaren Vorstellung, die wie in meinem Film nacheinander in meinen Kopf schießen, wurde meine Geduld noch kürzer und mein Atem flacher. Mit zittrigen Händen fuhr ich die schäbige, alte Betonwand entlang. Behutsam zerkleinerte ich den kleinen Krümel mit meinen Fingern, während ich ihn sorgfältig betrachtete. „Bald ist es so weit… nur noch ein kleines bisschen…“, flüsterte ich in den spärlich beleuchteten Flur hinein. Die leisen Klänge meiner Stimme halten wie ein unendliches, leises Stimmengewirr von den Wänden zurück in mein Ohr. Im Hintergrund tickte die Uhr entlang ihres elendig langen Rhythmus. Bald würde die Stunde kommen. Der Moment, nach dem ich mich so sehr sehnte, würde greifbar sein…

Plötzlich fingen die Neonröhren zu flackern an. Ganz in der Nähe vernahm ich ein mechanisches, gleichmäßiges Klacken. Zuerst war es nur einer, doch bald darauf folgten noch drei. Gemeinsam hallten sie an den kahlen Wänden wieder und bereiteten mir ein freudiges Grinsen im Gesicht. „Endlich", formte ich lautlos mit den Lippen. Eigentlich nutzlos, wenn man bedenkt, dass es kein Entkommen gab. Nein, heute nicht. Heute würde es nur das Funken der Körper geben, die an Blutspritzer erinnerten und die quälenden, verzerrten Schreie, die einem Menschen ähnlich sind, wenn er Schmerzen erleidet. Auf einmal verstummten die Schritte. Glühend rote Augen schauten voller Zorn auf mich herab. Insgesamt 8 Augenpaare. Mein Grinsen wurde breiter.  Voller Sehnsucht hob ich den Hammer und lachte. Es war ein hysterisches Lachen, dass sich die Zeit über in mir angesammelt hatte, um auszubrechen, sobald ich ihnen voller Freude die Gliedmaßen nacheinander abtrennte. Die Funken, die wie ein Feuerwerk des erfreuten Todes um mich herum sprühten und dabei meine Haut leicht verbrannten, störten mich nicht. Nicht mehr. Ich hatte schon viel zu lange Schmerzen ertragen müssen. Seit mein Sohn von diesen Bestien zerfleischt wurde und ich nur noch seine zerfressene Haut und Reste seiner Knochen beerdigen konnte, herrschte in mir lange Zeit ein Schmerz, der sich nun in Wut und Hass verwandelte.

Als ich diese komische Ente endgültig getötet hatte und mir auch sicher war, dass ihre notwendigen Kabel voneinander abgetrennt waren, wendete ich mich dem Chef der gesamten menschenfressenden Bande zu: Freddy. Mit großer Euphorie schlug ich zuerst auf seinen Kopf ein. Die verzerrten, verstörenden Schreie klangen wie Musik in meinen Ohren. Immer wieder aber hatte er versucht, sich zu wehren, indem er mehrmals mit seinen messerscharfen Reißzähnen in mein Fleisch biss. Instinktiv biss ich die Zähne zusammen, um mich nicht zu schreien. Keine Schwäche zeigen, mahnte ich mich selbst. Ich darf keine Schwäche zeigen!

Keuchend tauchte ich meine Hände in das vergossene Öl. „Ich hab’s geschafft“, gab ich schwer atmend von mir. „ICH HAB ES GESCHAFFT! ICH HABE DIESE VERDAMMTEN BIESTER BESIEGT!!“ Wieder lachte ich krankhaft über meinen Sieg und die Erleichterung, die von mir abfiel. Trotz dessen, dass ich meiner inneren Wut nachgekommen bin, fühlte ich mich nicht vollkommen. Ich spürte, dass da noch etwas war, was in mir befriedigt werden musste…

Mit einem lauten Quietschen ging die schwere Metalltür in meiner Nähe plötzlich auf. Helle Lichtstrahlen blendeten mich. Nach einer Weile hatten sich meine Augen an das grelle Tageslicht gewöhnt und zwei Männer in Uniform betraten den Raum. Erschrocken schauten sie zuerst mich und dann das Massaker an, dass ich verrichtet hatte. Mit zittriger Stimme meinte einer der Beiden zu mir: „Kommen Sie, Mister. Wir bringen Sie weg von hier. Weit weg.“ Offensichtlich hatte er Angst vor mir, denn noch im selben Moment hob ich den, von dickflüssigen Öl triefenden, Hammer und antwortete mit einem freundlichen Lächeln: „Vielen Dank, aber das brauchen Sie nicht. Vielmehr denke ich, dass ich Sie wegbringen muss. Weit, weit weg.“ 


Geschrieben von: BlackRose16 (Diskussion) 11:34, 5. Mai 2017 (UTC)

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