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Es ist noch früh am Morgen. Die Sonne geht gerade erst auf und bringt die Tautropfen auf den prallen, bläulichen Weintrauben zum Glänzen, doch der Besitzer des riesigen Fachwerkhauses, das an der Spitze des Weinberges in Bordeaux thront, sitzt bereits an dem mächtigen Mahagonischreibtisch, der sein Studierzimmer dominiert. 

Holzvertäfelte Wände und die an Barock erinnernde Einrichtung verleihen dem Raum einen rustikalen Charme. Monsieur Mormon stellt gerade Berechnungen an, wieviele Fässer Wein er mit der erst gestern Abend eingetroffenen Ware veredeln kann. Das ist der letzte Schritt, bevor er seinen berühmten "Vin d' sang" an Nobelrestaurants überall auf der Welt verkauft. Narisawa, El Celler de Can Roca, Red Lobster, in vielen berühmten Lokalen ist er mittlerweile fester Bestandteil der Speisekarte. Gleichzeitig ist es der einzige Abschnitt in der Produktion, den der mittlerweile grauhaarige Mann selbst erledigt, den Rest übernehmen hunderte Angestellte, die in verschiedenen Teilen Frankreichs arbeiten. Doch da sein Unternehmen "Le sommelier d'argon" mehrere Millionen Euro wert ist, stellt es kein finanzielles Problem dar, sie überdurchschnittlich hoch zu bezahlen. Davon abgesehen ist es für jeden Weinliebhaber eine Ehre, für den berühmten Monsieur Mormon arbeiten zu dürfen. 

Mit einem zufriedenen Lächeln legt er den Zettel beiseite, nimmt seine Lesebrille mit den runden Gläsern ab und steht von dem reich verzierten Stuhl auf, der im Stil der restlichen Einrichtung gehalten ist. Dann macht er sich auf den Weg zu seinem "Arbeitsplatz". Dabei kommt er an auf Auktionen erstandenen Gemälden in Goldrahmen, präparierten Jagdtrophäen von verschiedensten Kontinenten und meterhohen Fenstern vorbei, die einen atemberaubenden Ausblick über kilometerlange, sattgrüne Weinberge ermöglichen. Ja, seit Monsieur Mormon vor knapp 30 Jahren in die Oberschicht aufgestiegen ist, hat er sein Leben in vollen Zügen genossen. Nach ein paar Minuten erreicht der gebürtige Franzose den Eingang zu seinem "Arbeitszimmer", das sich im Keller versteckt hinter einem staubigen arabischen Wandteppich befindet. Die hydraulische Metalltür öffnet sich mit leisem Zischen, als er geübt den 16-stelligen Code in das Zahlenfeld eintippt.

Monsieur Mormon betritt einen großen, hohen Raum, der komplett weiß gestrichen ist. Weiß wie blanke Knochen, von denen die letzten Fleischreste abgeschabt wurden. Aber auch weiß wie Friedenstauben. Der Keller wird durch mehrere große Tageslichtlampen beleuchtet, doch trotzdem liegt eine unbehagliche Stimmung in der Luft. Auf der rechten Seite des Raumes befinden sich viele kleine Zellen, die jeweils nur wenige Quadratmeter groß sind. Die insgesamt dreißig Zellen sind über Gänge zugänglich. Links steht eine breite, kippbare Liege, neben der verschiedene Schläuche, Bildschirme und Infusionsflaschen zu sehen sind. 

Durch die frisch eingetroffene Lieferung sind alle dreißig Zellen besetzt. Bei den Gefangenen handelt es sich um Prostituierte aus Polen, Bulgarien und Russland. Sie sind perfekt geeignet, da es Nutten in östlichen Ländern haufenweise gibt und sie niemand vermisst. Neunundzwanzig von ihnen sind an Atemmasken, Maschinen zur Nährstoffzufuhr und Schläuche zur Stoffwechselregulierung angeschlossen und in liegender Haltung direkt an den Boden gefesselt. Durch die Kabel und Schläuche erinnern sie an die Bilder der "Gebärmaschine" von H.R. Giger. Noch versuchen die gequälten Seelen zu entkommen, sie werfen sich hin und her und schreien sich die Kehlen heiser, doch durch das erzwungene Nichtstun, die fehlende Kommunikation mit Menschen und die ständige Angst wird ihr Lebenswille schon bald gebrochen sein. Manche von ihnen werden noch Wochen in diesem niederen Zustand dahinvegetieren und auf ihr elendiges Ende warten. Im Gegensatz zu den anderen liegt die Gefangene in Zelle 13 einfach nackt auf dem Boden, ihre Gliedmaßen unnatürlich von sich gespreizt. Noch vor wenigen Tagen hat sie tausende Kilometer weiter östlich ihren Körper verkauft, und jetzt verendet sie in dieser sterilen Todeskammer - ein würdeloser Tod für eine würdelose Frau. Man hat sich noch nicht einmal die Mühe gemacht, ihr die schäbigen Netzstrümpfe und die billigen High-Heels auszuziehen. Der Weinkenner öffnet per Fernsteuerung ihre Zellentür. Grob wirft er sich die betäubte Frau über die Schulter - trotz seines Alters hat er noch jede Menge Kraft - und legt sie unsanft auf dem Stuhl ab. Mit der Routine eines Fließbandarbeiters bringt er insgesamt vier durchsichtige Schläuche mit Injektionsnadeln an ihren Oberarmen und Oberschenkeln an, direkt in den Arterien. Als er einige Regler auf einem Bildschirm nach oben bewegt, fängt eine leistungsstarke Pumpe an, ihre Arbeit zu verrichten. Ein ekliges, zutschendes Geräusch ertönt, als das rote Lebenselixier den Körper verlässt und über einen Zwischenverteiler direkt in die Weinfässer weitergeleitet wird. Außenstehende könnte der Anblick an eine Dialyse erinnern, doch hier führen alle Schläuche in eine Richtung. Die glatte Haut der Prostituierten, die durch das starke Betäubungsmittel nichts von ihrer Tortur mitbekommt, wird mit dem fortschreitenden Blutverlust immer heller, bis sie fast weiß ist. Monsieur Mormon hebt den toten Körper mit angewidertem Blick hoch und wirft ihn direkt in den in die Wand integrierten Verbrennungsofen hinter ihm. Dort stapeln sich schon einige dieser Überreste, und sobald er voll ist, werden die lodernden Flammen die letzten Spuren dieser grausamen Taten auslöschen. 

"Der Vin d'Sang von Monsieur Mormon vereint den klassischen fruchtigen Geschmack, den man von Chardonnay kennt, mit einer exquisiten Süße. Diese habe ich in keinem anderen Wein schmecken können. Als Allrounder kann man ihn zu fast allem trinken, doch besonders gut eignet er sich zu Lachs- und Spargelgerichten. Nach der Parker-Bewertung erhält er 94 von 100 Punkten, was ihn als exzellenten Wein erster Klasse auszeichnet." ~ Mehdi Bolsôn, Sommelier

Henry Howard Holmes

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