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Ein schwacher Schein durch die Holztür erhellte leicht den Raum. Lauwarmes Blut tropfte aus dem verbrannten Loch in James' Bauch, und seine mittlerweile glasigen, leeren Augen waren schon lange ausgetrocknet. Durch die Ecke flimmerte ein schwaches, hellblaues Licht. Eine blaue Flamme begann aus dem Riss zu gleiten, bis eine kleine, flammende Pfütze den Raum zum Leuchten brachte. Das Feuer begann zu wachsen, bis sich daraus eine engelartige, schwarz gekleidete Gestalt bildete. Diese zog ein silbern schimmerndes Messer aus ihrer Tasche. Mit der unheimlich scharfen Klinge durchdrang sie James' Fesseln mit Leichtigkeit. Sie hob die Hand über James' Wunde und der Blutfluss stoppte kurz darauf. Als das Blut zu fließen aufhörte, hob sie James auf ihre Schulter und begann sich aufzulösen. Das kalte Blut auf dem Boden platschte etwas, als die Engelsgestalt ein paar Schritte nach hinten machte. Sie begann sich wieder in Flammen aufzulösen und brachte James an einem anderen Ort.

Auf einer Weide vor einem großen Haus bildete sich dasselbe blaue Feuer wie in der Kammer. Das Erscheinen der Gestalt ergab einen leicht verbrannten Fleck am Boden.

Sie waren vor einer kleinen Holzhütte. Sehr abgelegen auf einem Berg mitten im Nirgendwo. Die engelähnliche Gestalt legte James auf den feuchten Rasen, nahm einen kleinen Lederbeutel aus der Tasche des schwarzen Anzugs und öffnete ihn direkt über der verbrannten Wunde auf James' Bauch. Ein blauer Rauch kam aus der Tasche und sank in seinen Körper. Die Gestalt murmelte währenddessen noch einige kaum vernehmbare, fremdartige Worte vor sich hin.

James' Wunden begannen zu heilen. Das Blut in seinem Körper begann wieder zu strömen und seine Adern pochten. James' trockene Augen wurden wieder befeuchtet, und er blinzelte ein paar Mal, bevor er sein Bewusstsein wiedererlangte und die Gestalt vor sich sah. Sein schmerzender Kopf erinnerte ihn daran, was ihm das letzte Mal passiert war, als er so eine Kreatur sah, und weckte seinen Überlebensinstinkt. Am Rand des Wahnsinns, kam James gerade noch zu sich und ergriff sofort die Flucht, als er die engelähnliche Gestalt vor sich stehen sah. James, welcher noch sehr schwach war, brach schon nach einigen Metern zusammen und krümmte sich am Boden, wobei er um sein Leben flehte. „Ich werde dir nichts tun, James“, entgegnete ihm die Gestalt und streckte ihm ihre Hand entgegen. James zögerte einige Sekunden, griff letztendlich aber dennoch danach, er versuchte einen klaren Gedanken zu fassen und fragte zitternd: „Wer bist du eigentlich… Und wie kommt’s, dass ich überhaupt noch lebe?“ Freundlich half ihm das Engelwesen wieder auf die Beine und ging mit ihm in Richtung des Hauses. Auf dem Weg nach drinnen entgegnete ihm die Gestalt mit einer geselligen, sanften Stimme: „Lass uns das drinnen besprechen! Ich erklär dir dort alles.“

Langsam begaben sich die beiden in das Haus. Es sah von innen ganz anders aus, als man es von einem Holzhaus erwarten würde. Die Engelsgestalt führte James durch einen kleinen Korridor, bis sie schließlich im Wohnzimmer ankamen. Es war ein eher modern gehaltenes Zimmer, nur dass die meisten Möbel nicht aus Kunststoff oder Hartplastik, sondern noch aus Holz waren. Kleine Brandspuren zierten das Innenleben des edlen Gebäudes und gaben dem Ganzen einen wohlig warmen Eindruck. Der Raum war simpel gehalten. Ein großes Sofa mit Lederüberzug vor einem großen Flachbildfernseher.

Sie begaben sich in die Küche, als die Stille von der Gestalt unterbrochen wurde: „Setz dich, James! Ich heiße übrigens Rayvial, aber du kannst mich ruhig Ray nennen. Du hast bestimmt viele Fragen an mich. Leg einfach los!“ Rayvial drehte sich zu James und reichte ihm zur Beruhigung eine kleine Keramiktasse mit frisch gemachten Tee, und James erblickte das erste Mal sein Gesicht. Er betrachtete das Antlitz eines jungen Mannes mit einem wesentlichen Merkmal: Über seinem linken Auge zierte es ein großes Brandmal. Die mittellangen, blaugrauen Haare verdeckten die Narbe zu einem Teil und hingen wie Seide über seine Augen. Rayvial setzte sich gegenüber von James und wartete auf seine Fragen. James zögerte für kurze Zeit, begann aber doch noch zu sprechen und stelle Rayvial etwas unsicher seine Fragen: „Wie kommt es eigentlich, dass ich überhaupt noch lebe? Was hast du gemacht, und warum bin ich jetzt hier? Was soll das Ganze, und warum ich?! Was soll...", „Warte mal", unterbrach ihn Rayvial, „Ich erklär dir alles, aber zuerst mach ich uns noch einen Tee."

Er stand wieder auf, nahm erneut James' mittlerweile leere Tasse und begab sich zurück in die Küche. James konnte kaum klare Gedanken fassen. Alles fühlte sich so anders an. Er fühlte sich stärker. Als würde irgendeine neu erschienene Kraft in ihm lodern. Es war etwas ganz Neues für ihn, so als würde ein Feuer in seinem Körper erwachen, und es fühlte sich gut an. Nach einigen Minuten kam Rayvial auch schon wieder zurück. Er reichte James einen neuen, frisch gemachten Kamillentee, setzte sich und begann zu sprechen: „Weißt du, James, unsere Rasse weilt schon seit einer sehr langen Zeit unter den Menschen. Wie lange genau, weiß ich leider nicht mehr. Wir sind bestimmte Wesen, welche über die Paranormale Grenze herrschen. Das bedeutet, dass, sobald eine Person stirbt, wir dafür sorgen müssen, dass die Seele des Verstorbenen in das Jenseits kommt. Für jede Seele gibt es ein gewisses Gefäß. Das ist so eine Art Rune mit einem kleinen Kreuz darauf." James bekam einen kleinen Schock, als er das hörte, und atmete tief ein. Er unterbrach seinen Retter und begann hektisch zu sprechen: „So eine Rune hatte dieses Wesen auch bei mir. Sie begann zu leuchten, als dieser blaue Rauch eingesaugt wurde. Meine Seele sei es, meinte es." James versuchte weiterzureden, aber Rayvial fiel ihm ins Wort: "Jaja, James, warte kurz, ich erkläre es dir schon; wenn dann noch Fragen offen sind, dann kannst du sie gerne stellen, aber jetzt lass mich bitte erstmal aussprechen. OK?" James nickte und nahm einen Schluck von seinem Tee. Er lehnte sich zurück und lauschte aufmerksam Rayvials Worten. „Also... jeder Seele wird eine Rune zugeteilt. Auf so einer befindet sich der Name der Person. Einst waren wir zu fünft, aber als Mahchorias merkte, dass Seelen stärken, wurde es hässlich. Er wollte alle bisher gesammelten Seelen absorbieren, um das stärkste Wesen des Universums zu werden. Als wir ihn stoppen wollten, kam es zum Kampf. Durch seine absorbierten Seelen war er uns gegenüber ganz klar im Vorteil, aber wir setzten alles daran, ihn aufzuhalten. Er tötete fast all seine Angreifer und nahm ihre Seelen mit dem Jenseits-Schlüssel zu sich. Das ist ein Kreuz mit Klinge, aber das kennst du ja. Ich schaffte es gerade noch, die Seelen wegzusperren, auf dass er sie nie wieder bekommt; und seitdem ist er auf der Suche nach mir, um all diese Seelen und somit grenzenlose Macht zu bekommen. So.… das wäre alles. Möchtest du noch etwas wissen, James?"

James stellte den Tee auf den Tisch und lehnte sich zurück. Er ließ sich alles noch einmal durch den Kopf gehen und fragte verwundert: „Aber wenn die Seelen so viel Macht geben, warum habt ihr sie dann nicht selbst benutzt?" Rayvial senkte seinen Blick. Seine Stimme wurde leiser, und er sagte zu James: „Die Seelen machen nicht nur mächtig, sondern auch gierig. Hätten wir die Seelen benutzt, wäre es nur noch ein blutiger Kampf um Macht gewesen, und dazu darf es nicht kommen." James setzte sich überrascht zurück: „Und der Jenseits-Schlüssel, wie du ihn nennst, ist dafür da, um die Seelen aus Lebenden zu bekommen?" Rayvial nickte nur und setzte sich zu James. Es herrschte eine angenehme Ruhe. Geradezu perfekt für James, um das alles nochmal durch seinen Kopf gehen zu lassen. Sein Leben änderte sich von der einen auf die andere Nacht komplett. Er brauchte etwas, wagte aber nach einigen Minuten, doch zu fragen: „Ist die Narbe dann durch den Kampf entstanden? Und wie konnte ich überleben?" Rayvial atmete kurz tief ein und meinte zu James: "Für dieses Wissen bist du noch nicht bereit. Ruh dich aber erstmal aus. Ich erkläre dir das schon noch die nächsten Tage." James nickte und ging mit Rayvial in sein Zimmer. Es war ein für James eingerichtetes Schlafzimmer. Ray ging in sein Zimmer, und die beiden schliefen erstmal, um für James' baldiges Training ausgeruht zu sein.

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