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Wohlige Klänge von Musik erfüllten den kleinen, stickigen, abgedunkelten Raum, in welchem ich, eines meiner Bücher lesend, auf dem Sofa saß.

Cooper versuchte, die Tür einzutreten, doch sie war fest verriegelt worden. Johnny bemerkte, wie sehr sich sein Freund abmühte, und so nahm er Anlauf, stürmte los und krachte gleichzeitig mit Cooper gegen die Holztür, welche mit einem Krachen nachgab...


Lediglich eine kleine, alte Lampe spendete ein wenig Licht. Mein Kopf bewegte sich im Takt des Stücks im Radio und ich genoss das Alleinsein. Durch das von roten Gardinen verhängte Fenster konnte man nur schlecht sehen, ob es nun Tag oder Nacht war, jedoch spielte das keine große Rolle. Ich konnte nichts anderes in meinem Leben tun, als mich in meiner Wohnung einzuigeln und von Zuhause aus meine Arbeit zu verrichten. Als Lichtallergiker ging es leider nicht anders.

Plötzlich spürte ich, wie sich mein Magen schmerzhaft zusammenzog und ein Grummeln von sich gab. Mist, da habe ich doch tatsächlich vergessen zu essen! Ich legte das Buch beiseite, ging zum Radio und schaltete es ab. Trotz meines Hungers war mein Weg in die Küche schwerfällig und ich nahm mir auch nur einen Apfel aus meiner reichlich gefüllten Obstschale.


Ich fragte mich, was die Menschen außerhalb jetzt wohl taten? Vielleicht geschah gerade etwas Spannendes? Eine Verfolgungsjagd, ein Überfall oder vielleicht sogar ein Mord? Ich blieb auf dem Flur stehen, biss in meinen Apfel und kaute genüsslich darauf herum. Saftig. Meine Augen weiteten sich bei dem wunderbaren Geschmack und gierig biss ich noch einmal ab. Mein Blick schoss panisch von einer Seite zur anderen. Was ist, wenn mich jemand beobachtete?

Angst durchzog meinen ganzen Körper und ich begann, unkontrolliert zu zittern. Ich habe schon lange keinen Kontakt mehr zu anderen Menschen gehabt und mir wurde erst jetzt bewusst, warum. Es lag nicht daran, dass ich eine Lichtallergie hatte, sondern daran, dass sie mich immer fertiggemacht haben. Nicht wahr? Sie haben mich immer angesehen, oder? Im Bus, in der Stadt, einfach überall. Ihre Blicke haben sich in meinen Rücken gebrannt. Sie taten einfach nur so, als wären sie freundlich.

Als ob dieses verlogene Pack freundlich wäre! Pah! Sie haben mich doch innerlich immer nur verspottet! Ihre teilnahmslosen Augen haben doch nur ihre Abscheu gezeigt! Sie haben nur über mich gelacht...


Erneut biss ich in den Apfel, diesmal aggressiver. Nun bohrten sich meine Zähne tief hinein, bis ich bemerkte, was ich da eigentlich tat. Entsetzt schaute ich mich erneut um, bis es mir klar wurde. Die dämmrige Beleuchtung hüllte den Großteil meiner Wohnung in undurchdringliche Schatten. Ich starrte das Wohnzimmer an. Unter meinem Sofa bewegte sich etwas. Eine schwarze Silhouette krallte ihre Klauen in den hellblauen Teppich und zog ihn ein Stück weit nach vorne. Sie kroch heraus, stand mühsam auf und starrte mich mit ihren nicht existenten Augen an. Die schummrige, näher betrachtet mit verschwommenen Zügen ausgestattete Gestalt hatte menschliche Züge.

Ich erwiderte ihren Blick. Biss noch einmal in den Apfel, umschloss ihn kurz darauf mit meinen Händen und stürmte zur Tür. Gehetzt drückte ich die Türklinke hinunter, sprang in das Treppenhaus und rannte die nun unendlich viel erscheinenden Stufen hinab.

Die Silhouette schien mich zu verfolgen. Ängstlich umklammerte ich meinen Apfel. Meine Augen erblickten die Tür nach draußen. So hell... So unfassbar hell.

Und doch war es mir lieber, durch meine Allergie zu leiden, als durch dieses menschenähnliche Monster zu sterben. Draußen würde ich sofort zu meinem Arbeitgeber gehen. Er war der Einzige, dem ich vertraute. Immerhin gab er mir Geld und er würde seinem treusten Mitarbeiter garantiert keine Hilfe verwehren. Ein plötzlicher Knall riss mich aus meinen Gedanken und sofort nahm stechender Schmerz meine rechte Brusthälfte ein. Ein Keuchen entwich mir. Dieses Biest hatte mich angeschossen! Aber... Aber wie?

Ich begann, wild herumzuschreien und sackte zusammen. Voller Furcht starrte ich währenddessen das Ding an, welches sich zu mir bückte. Meine Beine waren wie gelähmt, ich schrie weiter wie am Spieß. Der Schattenmann streckte seine beiden Hände aus. Vorsichtig, beinahe zögernd, umfasste er mit ihnen den Apfel in meinen Händen. Ich kreischte und biss hinein. „Nein, er gehört mir! Das ist mein Apfel! Geh weg!“ Das Wesen zog energisch daran und entriss ihn mir schließlich.

Meine Kraft hatte deutlich nachgelassen, doch noch immer waren erschöpfte Schreie von mir zu hören, von denen mein Hals mittlerweile schmerzte. Ein starkes Husten entwich mir. Tränen liefen mir übers Gesicht, ich wimmerte. Starke Hände zogen mich nach oben. Entkräftet ergab ich mich ihnen. Sollten sie mich doch haben. Es war sowieso schon zu spät für mich.


Das Holz brach in mehrere Einzelteile und verteilte sich, genauso wie unendlich viele kleine Holzsplitter, auf dem Boden. Die beiden Polizisten hatten ihre Pistolen sicherheitshalber schon einmal aus der Halterung geholt. Die Wohnung des Gesuchten lag in dämmerndem Licht, doch man konnte noch genug sehen, um den Mann, der ein paar Meter weiter entfernt geistesabwesend an der Tür lehnte, zu erkennen.

Er wirkte sehr ungepflegt, als hätte er schon seit ein paar Wochen nicht mehr geduscht. Die zwei Beamten hatten Dokumente über ihn von seinem ehemaligen Psychologen erhalten, in denen stand, dass der junge Mann an Wahnvorstellungen leide, die sich darin äußerten, dass er glaubt, er habe eine Lichtallergie, was aus Coopers Sicht jedoch so gewirkt hatte, als wolle er lediglich die Außenwelt und ihre Bewohner meiden. Das konnte der Beamte ihm jedoch nicht wirklich verübeln, wenn man bedachte, wie manche Menschen sich verhielten.

Blut trof aus seinem Mund und völlig unbekümmert kaute der Mann auf etwas herum. Cooper erkannte auf Anhieb, was es war, doch er behielt die Ruhe, als der junge Mann seinen Blick vom beinahe gänzlich abgenagten Kopf abwendete, ihn anschaute und begann, wegzurennen. Am Ende des Flurs riss er die Tür auf, die im Treppenhaus mündete, und sprang hinaus...

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