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Es war dunkel. Die Sonne war schon vor Stunden untergegangen, die Vögel hatten aufgehört zu singen. Im Wald war es totenstill.

Er versuchte keinen Laut zu machen, als er auf das feuchte Unterholz trat. Trotzdem konnte er die Geräusche nicht ganz verhindern und ein unheimliches Knarren erfüllte die nasse Luft. Dazu kam das Rascheln der vertrockneten Blätter, wie sie im Herbst zu Massen auf dem Boden lagen.

Jedenfalls hoffte er, dass das Rascheln von dem Laub unter seinen Füßen kam. Schweißperlen rollten ihm über die Stirn, hinter ihm stampfte sein Kollege durch den modrigen Boden, fluchend, als seine Tarnhose an einem Dornenbusch hängen blieb. In dieser Dunkelheit sieht man die Hand vor den Augen nicht, dachte er.

So wie sein Kollege auch hatte er ein Gewehr über seiner Schulter hängen.

Etwas knackte im Unterholz. Erschrocken fuhr er herum. Etwas verschwand im Schatten.

Das war bestimmt nur ein Kaninchen, versuchte er sich zu beruhigen, nur ein kleines, süßes Kaninchen.

Diese Nacht schien es besonders dunkel zu sein, kein Mond leuchte am Himmel, die Sterne hatten sich hinter Wolken versteckt. Die nächsten Straßenlaternen waren Kilometer entfernt, genau wie das naheliegende Dorf. Er starrte verkrampft auf den Boden. Hier irgendwo muss doch der Schlüssel liegen! Oh, warum hatten sie nur keine Taschenlampen mitgenommen?

Eigentlich war er nicht leicht zu erschrecken, hatte meistens keine Angst und hatte in den besten Dungeons der Welt nur gegähnt. Aber das hier war anders. Komplett anders.

Die Furcht kontrollierte ihn. Er wusste nicht warum, aber er hatte unglaubliche Angst. Am liebsten wäre er schreiend nach Hause gerannt, aber was würde sein Kollege da denken? Nein, er biss die Zähne zusammen und suchte den Boden nach dem Schlüssel ab, den sie bei Tag hier verloren hatten.

Als es wieder im Unterholz raschelte, fuhr er erschrocken hoch. Doch dort war nichts.

Sein Herz hämmerte. Seine Ohren dröhnten.

„Hey, alles okay?“, kam es von hinten. Er nickte stumm und schlurfte weiter. Am liebsten hätte er angefangen zu heulen, zu heulen wie ein kleines Kind. Doch er riss sich zusammen.

Je tiefer sie kamen, desto mehr hörte er die kleine Stimme in seinem Kopf, die ihm einredete, sie sollen lieber schnell umdrehen. Aber er wehrte sich, er wollte nicht auf Stimmen in seinem Kopf hören. Stimmen in seinem Kopf?

Da begriff er. Seine Angst, dass waren nicht bloß Emotionen, nein, sein Unterbewusstsein wollte ihm etwas sagen, ihn warnen.

„Du“, fing er an, „ich finde wir sollten umkehren und morgen bei Tag weiter suchen.“

„Spinnst du? Da vorne ist er doch!“

Tatsächlich sah auch er einen silbernen Gegenstand am Boden glitzern, jedoch fragte er sich, ob das der Schlüssel war. Doch bevor er seinen Freund in seine Bedenken einweihen konnte, machte dieser mehrere schnelle Schritte nach vorne und verblasste in der Dunkelheit.

Plötzlich war er ganz alleine. „Hey, bist du da?“, fragte er panisch. Keine Antwort. Stattdessen überkam ihn das verreißende Gefühl der Einsamkeit und der grässlichen Furcht. „Hey?!“, schrie er verzweifelt. Um ihn herum waren nur mächtige Baumstämme, die hinteren wurden von der Nacht verschluckt. Er wollte rennen, nur noch rennen. Doch er tat es nicht. Er war wie gelähmt. Er wollte zwar schnell von hier weg, doch etwas ihn ihm wollte auch, dass er nachsah, wo sein Kumpel war.

Na gut, dachte er, er kann ja nicht weg sein. Er fasste sich ein Herz und tat einige Schritte nach vorne, dort wo der glänzende Gegenstand liegen sollte. Noch während er ging, wusste er, dass er es bereuen würde. Das Gewehr über seiner Schulter machte ihm ein wenig Hoffnung, er zog es und hielt es vor sich, doch seine Hände zitterten unkontrollierbar. Er trat auf eine Lichtung, doch was heißt Lichtung. Hier schien es nur noch dunkler zu sein als ihm Rest des Waldes. Auf dem Boden lag etwas, jedoch kein Schlüssel, sondern ein Gewehr. Er hob es auf. Das Gewehr seines Kollegen. Und es war mit warmen Blut verschmiert.

Ein kalter Schauer lief ihm über den Rücken. Er sah sich verstört um und entdeckte es.

An den Bäumen klebte ebenfalls Blut und als er näher herantrat, sah er, dass dort ein Schriftzug stand, der mit Blut geschrieben war.


Ich sehe dich.


Während er den Schriftzug laß, bemerkte er jedoch nicht die beiden riesigen, leeren weißen Augen, die sich hinter ihm öffneten.

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