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Als ich schlagartig erwachte und tief Luft holte, drang mir ein muffiger Geruch in die Nase. Es war stockdunkel und stickig. Wo war ich? Wie spät ist es? Mir tat alles weh. Ich lag auf dem Rücken, meine Hände auf dem Bauch gefaltet, mein Blick zur Decke. Ich versuchte meine Gedanken zusammenzukramen, aber sie flatterten davon, wie Schmetterlinge im Wind. Danach zu greifen war unmöglich.

Ich wollte mich aufsetzen, mich umschauen. War ich einfach eingeschlafen? Ich konnte mich nicht daran erinnern. Mein Körper fühlte sich schwer an. So schwer und träge. So müde. Dennoch schaffte ich es endlich, mich zu bewegen. Allerdings nicht weit. Ich stieß mit meinem Kopf gegen etwas und ließ mich zurück sinken. Wo war ich...?

Meine linke  Hand fand ihren Weg neben mich. Auch hier stieß ich auf Widerstand, auf der anderen Seite ebenso. Langsam wurde ich panisch, drückte gegen die Decke, aber sie gab nicht nach. Meine Kehle war staubtrocken und es fiel mir schwer zu schlucken. "Hallo?", krächzte ich. Niemand antwortete. Ich war allein in der Dunkelheit. Allein mit mir.

Erneut drückte ich gegen die Decke, stieß energisch mit meinen Ellenbogen dagegen. Sie war aus Holz, soviel hatte ich festgestellt. Meine Beine hatten auch keine große Bewegungsfreiheit. Ich schien in einem engen, kleinen Kasten gefangen zu sein. Bin ich etwa entführt worden? Ich spürte keine Erschütterungen, das bedeutete, ich bewegte mich nicht.

Mir entfuhr ein schmerzlicher Laut. Mein Kopf schien zu bersten, als würde ihm mir jemand zerquetschen wollen. "Hallo? Irgendjemand?", wiederholte ich. Diese Stille machte mich wahnsinnig. Ich versuchte mich zu entspannen und einen klaren Gedanken zu fassen. Gab es hier vielleicht einen Schalter? Oder etwas Anderes um hier heraus zu kommen? Ich tastete mich blind voran, das polierte Holz wies keinerlei Makel auf, keine Einkerbungen oder sonst etwas Auffälliges. Und es war kalt. So kalt. Ich trug scheinbar ein feines Kleid, welches sich an meinen Körper schmiegte. Vielleicht Seide? So etwas habe ich nie besessen... Das Letzte woran ich mich erinnerte, war dass meine kleine Tochter weinend neben mir im Krankenhaus saß. Ich erinnere mich auch, dass ich dort gelegen hatte. In einem weißem Nachthemd... Aber was hatte dies nun zu bedeuten? War ich tot? Nein. Tote frieren nicht. Doch dieser Gedankengang, brachte mich auf eine ganz andere, viel schlimmere Erkenntnis:

Ich lag in einem Sarg. In meinem Sarg.

Eine neue Welle der Panik überrollte mich, ich schlug unbeherrscht gegen den Deckel  und schrie um Hilfe. "Ich bin nicht tot!" Etwas Warmes lief meinen Handrücken herab, ich fühlte den Schmerz in meinen Knöcheln pulsieren. Würde ich jetzt sterben? Alleine?

Außer meinem lauten Keuchen gab es keine Geräusche. Die Stille hörte sich in meinen Ohren schrill an. Es gab keine einzige Lichtquelle, keine Anzeichen darauf, dass mich irgendjemand hören würde. Es war so verdammt kalt. Mein ganzer Körper bebte, weil ich so zitterte. Sei es, weil ich meinem (erneuten?) Tod ins Auge blickte, oder wegen der klirrenden Kälte. Die Angst schnürte meine Kehle zu und das unterdrückte Schluchzen tat weh. Ich strampelte sinnlos mit den Beinen, drückte gegen die Seitenwände, in dem Wissen, dass es doch kein Entkommen gab. Die Dunkelheit war so erdrückend, fühlte sich so schwer auf meinem Brustkorb an. Es fühlte sich an, als würde die Wände immer mehr auf mich zukommen, mich zerquetschen.

Je länger ich hier lag, desto enger fühlte es sich an. Mein ganzes Leben war ich von Klaustrophobie gequält worden, jede Fahrt mit einem Aufzug war die Hölle gewesen. Doch dies hier, war schlimmer als alles, was ich je erlebt hatte. In meiner Panik bildete ich mir Sachen ein, leises Klopfen oder Augen, die mich zu beobachten schien. Meine Sinne fühlten sich nutzlos an. Abgestumpft. Meine Finger wurden durch die Kälte ganz taub, mittlerweile war ich mir nicht mal sicher, ob ich atmete. Ob ich überhaupt etwas tat. Blinzelte ich, oder hatte ich die ganze Zeit die Augen geschlossen? Ich fühlte nichts mehr, außer Panik und Kälte. "Lass mich raus...", wimmerte ich erschöpft. "Ich bin nicht tot!"

Ich bin nicht tot.

Ich bin nicht tot.

Ich bin nicht tot.

Sagte ich das laut, oder dachte ich es nur? Meine Stimme hörte sich seltsam an. Mein Hals tat weh und der Durst ließ mich beinahe verrückt werden.

Wie lange liege ich hier schon?

Wann würde ich wohl verdursten?

Die Tränen liefen stetig meine Wangen hinab, liefen hinunter bis zu meinen Ohren und tropften auf den Holzboden. So wusste ich wenigstens wo unten und oben war. Mein Kopf tat so weh, ein Stechen wie kleine Nadeln, die sich in mein Hirn bohrten. Immer tiefer. Immer mehr. Und mir war schwindelig. "Hilfe!" Verzweifelt und hysterisch kratze ich am Sargdeckel, fast schon fanatisch, als wollte ich mich durchgraben. Bis nach oben. Bis zum Licht. Bis zur frischen Luft.

Meine Finger rutschten lediglich nutzlos an der Oberfläche ab, das Holz gab kein Stück nach. Ein heftiger Schluchzer ließ meinen Körper erneut beben. Wild warf ich mich in dem engen Kasten hin und her, wand mich, wie ein mickriger Wurm auf dem Asphalt. Meine Panikattacke rückte unaufhaltsam näher und ich hämmerte wie von Sinnen gegen die Wände meines Gefängnisses. "Lasst mich doch endlich raus!", schrie ich, meine Stimme überschlug sich und ich musste husten. Die Luft wurde immer dicker, ich war eingehüllt von Kohlendioxid, welches ich stetig hastig ausatmete. Wie eine dicke Suppe stellte ich mir die Luft hier drin vor. Ich hatte Mühe zu atmen, was durch mein Schluchzen nicht gerade vereinfacht wurde. "Ich lebe verdammt!"

Was wohl wahre Verzweiflung ist? Man sagt immer, auswegslose Situationen gäbe es nicht, mal solle nie die Hoffnung verlieren. Doch was ist, wenn es wirklich hoffnungslos ist? Wenn man sich nicht retten kann? Wenn man hundertprozentig weiß, dass es aus ist? Ich habe mal gehört, man wird dann ganz ruhig und wartet einfach, bis man stirbt. Wie ein alter Mensch, der akzeptiert hat, dass er bald sterben wird. Und friedlich einschläft.

Aber ich konnte es nicht akzeptieren. Ich wollte zurück zu meiner Tochter. Was sollte sie denn nur ohne ihre Mutter machen? Ich konnte noch nicht gehen....

Meine Fäuste donnerten gegen die Wände, ich schrie und weinte bitterlich. Warum hörte mich bloß keiner?

Schließlich sank ich komplett erschöpft zurück und schloss die Augen. Meine Hände waren demoliert, seltsam heiß, wo doch alles andere eiskalt war. Meine Glieder waren erschöpft und kribbelten. Meine Unterlippe zitterte. Ich hatte hier unten absolut kein Zeitgefühl. Minuten, Stunden, TAGE?

Ich hatte keine Ahnung wie lange ich hier war. Ich atmete mittlerweile extrem flach und schnell. Egal wie tief ich Luft holte, es schien immer zu wenig zu sein. Der letzte Rest Sauerstoff verschwand viel zu schnell. Zu ersticken soll einer der schlimmsten Tode sein, hatte ich mal gehört.

Mein Körper verkrampfte sich kurzzeitig, bis es sich wieder entspannte und ich erneut einen verzweifelten Atemzug tat. Mein Kopf fühlte sich an wie in Watte gepackt, alles schien dumpf. Mein Keuchen klang wie von sehr weit weg, wie ein Echo. In meinen Adern pulsierte pures Adrenalin, was hier so nutzlos war, wie meine Augen und meine Ohren. Es tat irgendwie weh, als würde sich alles in mir zusammen ziehen. Meine Augenlider flatterten während mein Körper von einem erneuten Krampf erschüttert wurde. Ich riss weit den Mund auf und verbog mich, sodass ich schließlich verkrampft im Hohlkreuz da lag. Meine Augen fühlten sich an, als würden sie aus ihren Höhlen quellen. Mir entfloh kein Ton mehr, ich fühlte mich wie ein Fisch auf dem Trockenen. Wehrlos. Und im Begriff zu sterben.

Meine Rippen schienen zu bersten, so schnell hämmerte mein Herz dagegen. Das Blut rauschte in meinen Ohren und mein Puls hörte sich schmerzhaft laut an. Schließlich driftete ich in die Bewusstlosigkeit ab, der Lärm meines eigenen Körpers wurde leiser, die Krämpfe schienen sich zu lösen und der Schmerz ließ nach.

Ich bin nicht tot....

Bitte holt mich hier raus...

Es ist zu spät...

Mit leicht geöffnetem Mund und unbeweglichen Körper hatte ich schließlich mein Ableben akzeptiert.

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