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Einladend wies der Alte auf einen von zwei massiven, erstaunlich wertvoll aussehenden Ledersesseln. Sie waren den gesamten Weg durch die engen Gassen der Siedlung bis hin zur Eingangstür dieser kleinen, schwach von Kerzenschein erhellten Wohnung im Laufschritt gegangen, ohne dabei auch nur ein einziges Wort zu wechseln. Argwöhnisch musterte Isaphar die Einrichtung; alte, in Leder gebundene Bücher reihten sich in eichenhölzernen Regalen, zwischen den beiden Sesseln stand ein niedriger, runder Tisch und an die Wände geheftet waren vergilbte, alte Landkarten. Eines war klar zu erkennen: entweder war der Mann ein Abkömmling einer überaus reichen Familie, oder, und das vermutete Isaphar, er war gefährlicher, als er aussah. Langsam ließ sich Isaphar in den Sessel sinken. "Also, wer bist du?", fragte er und bemühte sich, nicht allzu erstaunt, oder ratlos dreinzublicken; dieser Mensch hatte etwas Absonderliches.

Der alte Mann hob eine Augenbraue: "Als ich sagte, du bräuchtest mir nicht zu danken, habe ich nicht erwartet, dass du nicht zumindest etwas dankbar wärst." Isaphar schnaubte. "Du bist erst dazwischen gegangen, als du das Katana gesehen hast. Was immer es mit seiner schwarzen Klinge auf sich hat, du bist daran interessiert. Wenn du willst, kannst du es kaufen, ich brauche nur Zeit, um den ungefähren Wert heraus zu finden." Der Mann lachte vergnügt auf. "Ich sehe schon, du hast eine gewisse Beobachtungsgabe und bist ganz bestimmt nicht auf den Kopf gefallen, Junge.", er nahm auf dem Sessel gegenüber platz, "Aber du kannst mir glauben, wenn ich sage, dass ich keinerlei Interesse daran habe, dieses Schwert zu kaufen, oder dergleichen." Auf Isaphars fragenden Blick hin fuhr der Mann noch immer schmunzelnd fort: "Ich sehe schon, du ahnst nicht, worauf, ich hinaus will. daher schlage ich vor, dass wir beide einfach mal die Klingen des jeweils anderen Katanas vergleichen." Isaphar zuckte die Schultern, nickte und gab sich gleichgültig, doch insgeheim hatte ihn die Neugier gepackt. Was, abgesehen von der Farbe unterschied diese Klinge sonst noch von denen gewöhnlicher Schwerter?" Also legten sie die Waffen nebeneinander auf den Tisch und der Junge begutachtete beide Klingen genau unter dem erwartungsvollen Blick des alten Mannes, doch obwohl er sich anstrengte, konnte er lange Zeit nichts erkennen.

Stirnrunzelnd wollte Isaphar schon aufgeben, da sah er es: Seine Klinge schien völlig makellos. Dieses Schwarz verschluckte sämtliches Licht und die Oberfläche war vollkommen nackt. Die silbrig schimmernde Klinge des Alten hingegen war...gemasert. Über die gesamte Oberfläche zog sich eine Art "Wellenmuster! Sehr gut!", strahlte der Mann und seine grauen Augen blitzten begeistert auf, "Auf einem normalen Katana wirst du immer ein ähnliches Muster finden. Das liegt an der Machart dieser wunderbaren Schwerter. Damit die Klingen solide und scharf, aber dennoch biegsam und unzerbrechlich sind, faltet man mehrere Schichten Stahl übereinander, so erhält man einen elastischen Kern und ein tödliches Äußeres. Die sich überlappenden Schichten nimmt man unweigerlich als solch ein Muster wahr, was man auch tut. Ebenso ist es meines Erachtens nicht möglich, solch eine Klinge von Hand zu färben, ohne dass sie danach absolut unbrauchbar ist. Hast du also eine Ahnung, warum die Klinge, die dort vor dir liegt, aussehen könnte, wie sie aussieht?" Der junge Plünderer war fassungslos. "Willst du andeuten, es sei...Magie im Spiel?" "Ganz genau.", der Alte wurde jetzt wieder ernst, "Ich denke, es ist an der Zeit, dass wir uns kennenlernen. Wie heißt du, junger Freund?"

"Isaphar.", brachte er hastig hervor, überrascht von der raschen Tonänderung des Alten. "Gut, nenn' mich Pracis. Also, Isaphar, was weißt du über die Luvari?" Isaphar schwieg, denn er hatte nicht die geringste Ahnung. "Ich verstehe.", sagte Pracis und ein leichter Anflug von Bedauern mischte sich in seine tiefe, raue Stimme, "Vor vielen Jahrhunderten war das Antlitz dieser Welt, wie schon so viele Male zuvor gezeichnet von Unrecht und Krieg. Da entschlossen sich vier Geschwister, die einer Familie ehrwürdiger Schwertkämpfer, Meister mit dem Katana, angehörten, das Gesetze nicht ausreichten, um für Gerechtigkeit und Ordnung zu sorgen. So schrieben sie ihren eigenen Kodex und setzen ihn durch, wenn sie es für nötig hielten. Dabei waren sie niemandem zur Treue verpflichtet, handelten auf niemandes Befehl hin, ihr einziger Gebieter war die Vernunft. Mit der Zeit gewannen sie an Anhängern und der Clan der Luvari war geboren. Seitdem trachten sie danach, stets den Frieden und den Wohlstand zu wahren und selbst heute, in jener grauenhaften Zeit sind noch einige wenige von ihnen übrig und tun ihr Werk nach bestem Wissen."


Als der Mann aufhörte zu sprechen, fühlte sich Isaphr wie aus einer Art Trance erwacht, doch schnell fing er sich wieder und sagte:"Das ist ja alles sehr interessant, Pracis, doch warum erzälst du mir das?" "Wir sind uns nicht durch bloßen Zufall begegnet, Isaphar. Was auch immer dieses Katana für Kräfte haben mag, etwas sagt mir, dass es sehr bedeutsam ist. Ich kenne Leute, die uns vielleicht mehr erzählen können, wenn wir ihnen die Klinge nur zeigen, doch ich bin alt geworden und alleine würde ich eine Reise durch diese Welt, wie sie jetzt ist, nicht mehr antreten können. Ich brauche jemanden wie dich!" "Einen Moment mal!", Isaphar war entrüstet, "Ich soll mich eine gefährliche reise begeben, für die Interessen eines altertümlichen Clans von Schwertmeistern, der nahezu ausgelöscht ist, mit einem alten Mann, den ich seit nichtmal einem Tag kenne?" "Isaphar!", überraschenderweise hatte die Stimme des Alten jetzt etwas flehendes, "Es geht vielleicht um die Interessen dieser gesamten Welt! Magische Artefakte gibt es heute nur noch sehr selten, wenn eines auftaucht, muss es von Bedeutung sein. Vielleicht haben wir den Schlüssel vor uns, uns endlich dem Würgegriff dieser Untoten zu entwinden!" Isaphar seufte auf. "Die Untoten tyrannisieren uns, solange ich mich zurückerinnern kann. Wer glaubt, man könne sie besiegen, belügt sich selbst. Es tut mir Leid, Pracis, ich ziehe es vor, zu überleben." Mit diesen Worten erhob er sich vom Sessel und wandte sich zum Gehen.

Er hatte dem alten Mann bereits den Rücken gekehrt, da fragte er eindringlich:"Wie bist du in seinen Besitz gelangt?" Ohne sich umzudrehen erzählte er Pracis schnell die Geschichte und wollte ihn dann endgültig verlassen, dieser ließ aber nicht locker: "Überlege doch einmal, was du da sagst, lässt vermuten, dass das Schwert gestohlenen ist. Diese Person wird sicherlich danach suchen und jemandem, der genügend Macht und Geschick besitzt, um solch eine Waffe zu führen. ist diese Reise jetzt dein persönliches Anliegen?" "Scheiße!", dachte sich Isaphar. Das hatte er nicht bedacht. Was, wenn der Vorbesitzer des Katanas ihm bereits auf der Spur war? Dann wäre es von Vorteil, jemanden wie Pracis, der sich scheinbar auskannte, als verbündeten zu haben. "Also gut.", seufzte Isaphar, "Was ist zu tun?". Der alte Mann lächelte verschmitzt:"Bevor wir aufbrechen, habe ich noch etwas zu erledigen!"


Sie verließen das Wohnzimmer und schritten durch die lange Diele. Pracis öffnete eine Tür an der linken Seite der Wand. Bis auf einen hölzernen Kleiderschrank war der raum gänzlich leer. Pracis öffnte die Schranktüren und Isaphar erstarrte vor Ehrfurcht. Dort, an einem Messinghaken hing ein knielanger Mantel aus Wildleder mit Schnallenverschlüssen und einem hohen Kragen. Dabei lag ein Paar fingerloser Schutzhandschuhe, ebenfalls aus Leder und an den Handrücken mit Stahl vernäht. Dieses Kleidungsstück war sehr martialisch, doch wunderschön zugleich. Pracis lächelte breit und seine grauen Augen leuchteten. "Die traditionelle Kriegstracht eines Luvari!"

Therdrer 20:23, 27. Aug. 2016 (UTC)

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