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Vorheriger Teil: Gerechtigkeit - Justice (Rache - Revenge III)

Hinweis: Dieser Teil ist in Marie's Sicht verfasst.

Der Anblick der sich mir bot war grauenvoller als alles, was ich jemals gesehen hatte. An den Wänden klebten Teile von Gedärmen und auf dem Boden nahe beim Fenster lag etwas, das kaum noch als menschliche Überreste zu erkennen war. Man erkannte den Kopf, dem offensichtlich die Augen ausgestochen wurden, und der aussah, als sei  er auf dem Boden zertrümmert worden. Die Gehirnmasse verteilte sich auf dem Boden und bildete eine Lache. Der Rest des Körpers war aufgeschlitzt worden. Die Gedärme, die nicht an den Wänden klebten quollen aus dem tiefen Schnitt heraus und vermischten sich mit dem vielen Blut und der Gehirnmasse.

Ich hörte ein ersticktes Würgen und drehte mich um, gerade um zu sehen wie Jona mit vor den Mund gehaltener Hand aus dem Raum stürmte. Ich fragte mich, was ihn dazu gebracht hatte, sich übergeben zu wollen. Der Anblick der Fleisch- und Blutmassen, oder der bestialische Gestank der bereits verwesenden Leiche, der einem die Tränen in die Augen steigen ließ.

Doch nichts schockierte mich an diesem Tag so sehr, wie die Vertrautheit dieses Ortes. Ich hatte in letzter Zeit so viele stinkenden Leichen gesehen, und nach Hinweisen gesucht, dass mich diese nicht mehr aus der Bahn werfen konnte. In Gegenteil: Hier fühlte ich mich aus irgendeinem mir unerfindlichen Grund wohl. Ich bahnte mir meinen Weg durch die Männer der Spurensicherung, die gerade hereinkamen und bewegte mich auf meinen Vorgesetzten zu. „Sir.“ Er sah genervt aus, als er den Blick zu mir wandte. „Entschuldigen sie die Störung, aber warum haben sie mich her beordert? Ich habe keine Zeit um einem weiteren Killer hinterher zu jagen, wir sind dem Rache-Mörder noch nicht auf der Spur.“ Er nickte und fuhr sich mit einer Hand durch das graue Haar. „Es sieht so aus, als sei dies das Werk desselben Täters. Wir haben heute einen weiteren Leichenfund gehabt. Das volle Programm:  Blutiges Wort an der Wand, abgezogene Haut an den Händen. Und an dem Tatort haben wir Hautteile dieses Mannes gefunden.“ Seine Handbewegung deutete durch die Tür, auf den Fleischhaufen. „Wir haben Grund zu der Annahme, dass dieses Opfer den Täter provoziert hat, und deswegen so zugerichtet wurde. Genaueres zum Tathergang bringen hoffentlich die Spurensicherung und Obduktion. Da sie sich hier ja umgesehen haben schlage ich vor sie begleiten mich zum anderen Tatort und sehen sich dort nach Hinweisen um.“

Der Gestank am zweiten Tatort übertraf den des ersten noch. Selbst ich musste würgen, und ich hatte normalerweise einen sehr starken Magen. Der süßlich beißende Geruch der Verwesung vermischte sich noch mit dem Geruch von Urin, Erbrochenem und Alkohol. Ich konnte den Raum nur mit vor Mund und Nase gehaltenem Taschentuch betreten.

Bereits nach dem ersten Blick auf die Leiche viel mir ein entscheidender Unterschied zu den vorherigen Morden auf. Das Opfer war nicht festgebunden worden. Auch das Wort, das an die Wand geschrieben war passte nicht zu dem Namen, den die Medien dem „Rache-Mörder“ gegeben hatten. Erlösung hatte schließlich nichts mit Rache zu tun, oder? Ich sah zu, wie die Fotos von der Leiche geschossen wurden und machte mich auf den Weg in mein Büro. Dort wartete mein Assistent Max auch schon mit Neuigkeiten. Aufgeregt kam der junge Mann auf mich zu, seine hellblauen Augen siegessicher. „Ich habe eine Verbindung des neuesten Opfers, Tina Greve, zu dem Zeitungsartikel gefunden, den der Täter am Fundort von Erik Braun hinterlassen hat. Scheinbar war sie eines der Kinder gewesen, die aus der Gewalt der Entführer und Mörder gerettet wurden, um die es in dem Zeitungsartikel geht.“ Ich nickte, erfreut über diesen Fortschritt. „Das würde erklären, warum der Täter sie Erlösen wollte, als ich am Tatort war hatte ich den Eindruck, dass die Wohnung sehr verwahrlost war.  Sehr gut.“ Max errötete bei dem Kompliment und ich musste lächeln. Es war doch nur zu offensichtlich, dass er mich mochte. Ebenso offensichtlich war es, dass er mit seinen 23 Jahren 13 Jahre jünger war als ich. Abgesehen davon war er mir viel zu aufdringlich, mit seinen Versuchen mich ins Kino einzuladen, oder mit mir Essen zu gehen. Er war mein Assistent und ich vermischte die Arbeit nicht mit Privatem.

Dennoch war ich dankbar, dass Max mich nach langen Recherchen und leider nur wenig weiteren Ergebnissen nach  Hause brachte. Es war spät, und obwohl ich nicht der ängstliche Typ war, war es mir bei den kürzlich aufgetretenen Ereignissen wohler in Begleitung mit dem Auto zu fahren, als alleine im Dunkeln zu Fuß zu gehen.

Als in das Haus trat, ging ich im Dunkeln durch den Flur, da ich es immer noch nicht geschafft hatte, die Glühbirne der Lampe auszuwechseln und trat in den nächsten Raum. Als ich das Licht in der sterilen, weißen Küche einschaltete erstarrte ich, und für einen Moment wünschte ich mir, Max hätte mich doch ins Haus begleitet. An der weißen Tapete, in blutrotem Kontrast waren drei Worte an die Wand geschmiert worden, die Buchstaben verschmiert, dort wo das frische Blut verlaufen war.

„Dreh dich um.“

Blitzschnell zog ich das Fleischermesser aus dem Block und fuhr herum, bereit mich wenn nötig zu verteidigen. Zuerst erkannte ich nichts, doch dann sah ich die Gestalt, die in der Dunkelheit des Flures neben der Tür lauerte. Ich verengte die Augen und näherte mich ihr, auch sie machte Schritte, schien sich allerdings nicht von der Stelle zu bewegen. Ich begriff, dass ich auf meinen mannsgroßen Spiegel zuging, und nicht etwa auf den Mörder, den ich  nun seit Wochen suchte. Ich trat an den Spiegel heran und meine Augen weiteten sich, als ich das im Licht, das aus der Küche in den Flur fiel, glänzende blutige Grinsen sah, dass genau auf der Höhe meines Mundes auf den Spiegel gemalt worden war.

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Epilog Bearbeiten

Die beiden Laborassistenten hatten die DNA-Analyse des am Tatort sichergestellten langen Haares bereits vor einigen Minuten in das Büro des ersten Polizeihauptkommissares  gebracht, doch erst jetzt hatte er die Zeit finden können, sie sich anzusehen.

Er seufzte und warf einen Blick zur Tür. 22.37. Er seufzte erneut und drehte seinen Stuhl in Richtung des Schreibtisches, wo der Bericht mit den Ergebnissen der Analyse auf ihn wartete. Er wartete, genau wie seine Frau zuhause mit den zwei Kindern auf ihn wartete. Sie hatte ihm die sprichwörtliche Pistole auf die Brust gesetzt und er hatte versprochen, nicht mehr so viele Überstunden zu machen. Nun saß er hier und wollte nicht nach Hause gehen, da dort sicher ein Donnerwetter auf ihn wartete. Also öffnete er den Bericht, stellte seine Schreibtischlampe ein und begann, ihn zu lesen. Was er dort sah ließ ihn erst die Stirn runzeln, dann weitete er seine Augen und griff gerade zum Telefon, als es auch schon klingelte…

Nächster Teil: Endspiel (Rache - Revenge V)

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