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»Ich bin...« »Ich hab...« »Ich finde...« »Ich war...«

So beginnen meine Konversationen. Es geht immer nur um mich. Ich bin immer der Mittelpunkt. Das Zentrum. Ich bin sogar so interessant, dass du dir jetzt etwas über mich durchliest. Ich bin eben momentan nur auf deine Aufmerksamkeit fixiert. Denn ich will sie. Nur ich.

Ich stehe wie jeden Morgen auf und mache mich für die Schule fertig. Ich esse Müsli und trinke Tee. Ich benutze fast ausschließlich die erste Person Singular, da es schließlich um mich und nicht um dich geht. Ich interessiere mich nicht für dich. Es dreht sich alles um mich.

Ich komme in der Schule an und schaue auf den Vertretungsplan. Schade. Ich sehe, dass meine Klasse keine Vertretungen hat. Ich hätte gehofft, mein Hassfach Mathe würde ausfallen.

Ich gehe zu meiner Klasse und werde gefragt, wie es mir geht. »Mir geht's beschissen«, entgegne ich. Wie es den anderen geht, interessiert mich nicht, denn es dreht sich hier doch um mich und nicht um sie. Eigentlich geht es mir gut, aber so bekomme ich keine Aufmerksamkeit. Auf ein »Wieso?« antworte ich mit: »Ach egal.« Und wieder bekomme ich, was ich will. Du bist inzwischen ebenfalls komplett auf mich fokussiert und fragst dich langsam, was der Mist hier überhaupt soll. Ich weiß es auch nicht. 

Die Spannung in dieser Geschichte bleibt auf konstant niedrigem Niveau. Aber das interessiert mich nicht. Solange es um mich geht und ich deine hundertprozentige Aufmerksamkeit genieße, fühle ich mich gut. Ob du jetzt vor Langeweile gähnst und keinen Bock hast: Solange du mich beachtest, interessierst du mich nicht.

In den Pausen verstecke ich mich in der Toilette und schneide mir die Haut auf. Warum? Eigentlich nur, damit ich eure Aufmerksamkeit genieße. Ich erfinde einfach einen Pseudo-Grund für das. So kann ich die Aufmerksamkeit derer, denen es wirklich schlecht geht, auf mich lenken. Wie gesagt: Sie interessieren mich nicht. Und solange ich das Zentrum der Aufmerksamkeit bin, ist alles okay.

Ich wiederhole mich ständig. Es geht schließlich um mich. Extra kurze Ärmel, kurze Hosen, damit man die Narben sieht. Ich finde es super, wenn alle schauen. Was sie denken? Keine Ahnung. Aber es geht um mich. Und das ist die Hauptsache.

Inzwischen werde ich deswegen auch mal öfters als »Emokind« oder »Möchtegern-Depri« bezeichnet. Damit kann ich wiederum zu den Lehrern und behaupten, ich würde gemobbt werden. Und wieder bin ich der Mittelpunkt. Immer wieder.

Nach der Schule gehe ich über den Zebrastreifen. Ich schaue nach rechts und nach links. Die Autos halten für mich an. Nur für mich. 

Plötzlich spüre ich einen Kloß in meinem Hals. Ein Messer. Ein Mädchen, welches ihre Eltern verloren hat und verzweifelt Freunde sucht, hat mich im Visier. Ich röchele. Meine Augen schließen sich, während Blicke auf mich gerichtet sind. Wieder bin ich der Mittelpunkt.

Doch diesmal ungewollt... 

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Fuchs111

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