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Es war mein Werk. Ganz allein meines. Ich habe es getan, es waren meine fünf Sekunden Ruhm. Zufrieden betrachte ich die Wand und lächle. Es hat lange gedauert, ich habe viel investiert. Zeit. Geld. Blut. Ja, vor allem Blut. Aber natürlich nicht mein eigenes, so viel habe ich nicht.

Ich erinnere mich an meine erste Jagd. Es war im Stadtpark, ein sehr schönes Wetter, wolkenfreier Himmel, warm, aber nicht schwül. Die Luft war heiß, aber sie erdrückte einen nicht. Vögel zwitscherten in den Bäumen und Jogger liefen die Wege auf und ab. Hin und her. Immer wieder. Wie kann man nur freiwillig joggen gehen? Ich hasse es wie die Pest. Einen Fuß vor den anderen setzen, keuchend, um Atem ringend. Von wegen, man bekäme davon reine Haut und gute Laune. Alles, was man letzten Endes hat, sind verschwitzte, stinkende Kleidung und einen Asthmaanfall. Nein danke.

Die Parkbank war ziemlich gemütlich, ich lehnte mich zurück und ließ meinen Blick schweifen. Jogger, Mädchen mit ihren Hunden, Jungen mit Skateboards, Mütter mit ihren Kindern. Es war schön anzusehen, und dann kam er.

Schwarze Haare, klein, dünn, braune Augen mit einem leichten Grünstich. Feine Gesichtszüge, er hatte geringfügig etwas weibliches an sich. Er war... unbeschreiblich. Wirklich, ich finde momentan kein weiteres Wort um ihn zu beschreiben. Ich finde nichts.

Mein Herz machte einen nicht gerade kleinen Hüpfer, als er endlich aufwachte und seine braun - grünen Augen aufriss. Vor Schock und Panik ballte er die Fäuste, seine Iriden huschten hin und her und blieben an meinem Gesicht hängen. Panisch versuchte er zu fliehen, doch die Seile waren ziemlich streng gezogen, und in diesem Moment dachte ich, ich hätte sie etwas zu fest gezogen. Ich wollte ihm schließlich nicht das Blut abschnüren, das ich so sehr benötigte. Es war kostbar, ich würde jeden einzelnen Tropfen brauchen. Und ich war erstaunt, wie viel Blut so ein Mensch doch hat. In den Büchern steht immer, es seien pi mal Daumen fünf Liter, manchmal mehr, manchmal weniger, und fünf Liter klingen nicht nach viel. Aber es ist mehr, als man denkt.

Zufrieden starre ich immer noch auf die blutrote Wand. Die Farbe war intensiver geworden. Von Tag zu Tag kam immer mehr Blut hinzu, doch niemand hatte mir so viel bedeutet wie er. Er war unvergesslich, auf dieser hiesigen Leinwand verewigt, und ich weiß, dass ich bald bei ihm sein werde. Jedes Mal, wenn ich einatme, rieche ich das Blut, aber ich rieche nur sein Blut heraus, dieser Geruch machte mich noch immer verrückt. Es war immerhin so etwas wie ein Liebesbeweis gewesen. Nur zu schade, dass er es nicht verstanden hatte.

Aber nun ist mir das egal.

Ich reiße mich aus den Gedanken, denn es ist Zeit, den letzten Schritt zu vollziehen. Die Leinwand breite ich auf den Boden aus, während ich mich in die Mitte stelle. Meine Finger greifen automatisch in die Hosentasche, ich fühle ein kleines Stückchen Metall. Die Kälte des Metalls steht im starken Kontrast zur Wärme der Tasche. Langsam ziehe ich die Klinge heraus. Denn es ist mein eigenes Blut, das fehlt, mein Blut, welches sich mit dem seinen vereinen wird.

Ich setze die Klinge auf der Haut an und zog durch. Schon wieder bin ich fasziniert von dieser Farbe, von der Konsistenz, die ich auf meiner Haut spüre. Der Geruch, leicht metallisch. Trotz der Schmerzen sterbe ich lächelnd auf meinem Werk.

Denn nun kann ich endlich bei ihm sein.

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