FANDOM


Angst. Jeder Mensch weiß etwas damit anzufangen. Manche haben Angst vor banalen Dingen, wie ihrem Schulabschluss. Andere wiederum fürchten sich vor Insekten, wie zum Beispiel Spinnen. Wiederum haben andere Angst vor dem Tod.

Aber warum haben wir Angst vor etwas Unausweichlichem wie dem Tod? Liegt es nur an der Ungewissheit, was danach kommt? Viel schlimmer ist doch eher der Gedanke daran, wie man selbst diese Welt verlassen wird. Was die Todesursache gewesen sein wird…

Stell dir vor, du bist gefangen. Gefangen in einem Käfig, der sich im Kellergewölbe eines alten Herrenhauses befindet. Es ist kalt, dunkel, ruhig. Der Geruch von modrigem Holz liegt in der Luft. Du kannst, aufgrund der Dunkelheit, weder sehen, noch hast du die Möglichkeit, dich zu bewegen. Der Käfig ist zu klein. Über dir knarzt die Holzdecke, du vernimmst Schritte und hörst einer Unterhaltung zu. Diese Unterhaltung geht jetzt schon seit geraumer Zeit. Das Thema schockiert dich immer noch. Sie reden darüber, wie sie dich am besten „beseitigen“ werden.

Das beschreibt meine momentane Situation wohl am besten.

Ich weiß nicht wie ich hierher gelangt bin. Es muss wohl gestern nach der Arbeit gewesen sein, dass diese Menschen mich hierher verschleppt haben. Das wäre die einzige logische Erklärung, da ich mich seitdem an nichts anderes mehr erinnere. Dass ich mich im Kellergewölbe des Alten Greenwitch Anwesens befinde, weiß ich auch nur daher, weil ich hörte, wie sich einer der im Raum über mir befindlichen Personen, darüber geäußert hat, was es doch wohl für eine geniale Idee gewesen war, mich hierher zu bringen. Warum sie ausgerechnet mich hierher verschleppt haben, hat bisher noch keiner erwähnt. Aber darüber sollte ich mir keine Gedanken machen. Vielmehr interessiert es mich, was nun passieren wird.

„Wir könnten ihn ganz einfach ertränken.  Schön langsam und qualvoll. Am besten Überfluten wir einfach den ganzen Keller.“ ruft eine etwas dunklere, kratzige Stimme.  „Sonst noch was? Wenn wir den Keller überfluten, wird es bestimmt bei der morgigen Führung, irgendjemanden auffallen!“ entgegnet eine weibliche Stimme.

Was hab ich nur getan, das mich diese Leute so sehr hassen, um mich umbringen zu wollen? Falls sie mich denn wirklich hassen. Ich weiß nicht einmal, wer diese Leute überhaupt sind.

„Wir könnten ihn verbrennen, sollte einfacher gehen, als den Keller zu überfluten! Wir zünden einfach das Gebäude an. Muss ja keiner wissen wer das war!“ höre ich von der weiblichen Stimme sagen.  „Das könnte durchaus klappen. Oder wir schlitzen seine Pulsader auf!“ eine Stimme die vorher noch nicht zu hören war, sie hatte einen freundlichen Klang. „Stimmt du warst ja vorhin nicht dabei. Wir haben ihm schon die Pulsader aufgeschnitten während er noch ohnmächtig war. Hat aber nicht viel gebracht! Er atmet immer noch!“

Stimmt, der Schmerz fällt mir gerade erst auf. War ich etwa so abgelenkt, dass ich es nicht mitbekommen habe, dass mir Flüssigkeit die Hand herunter läuft? Ich muss hier unbedingt raus. Wer weiß , was denen noch alles einfällt.

„Gut, wir werden ihn erschießen. Wird wohl für den Anfang kein schlechter Plan sein. Aber denkt dran, wir werden nicht mit ihm reden. Ihr wisst warum!“ höre ich die kratzige Stimme rufen. Daraufhin vernehme ich schnelle Schritte von Oben herab. Diese werden immer leiser. Eine Tür quietscht, scheint geöffnet zu werden. Und plötzlich alles ruhig.

Diese erdrückende Stille. Es gibt wohl selten was schlimmeres als pure Stille, während man eingesperrt in der Dunkelheit steht. Wenn ich mich zumindest bewegen könnte. Oder etwas Licht in den Raum kommen würde, damit ich mich umsehen kann. Vielleicht würde ich irgendetwas finden, was mir weiterhelfen würde.

Die Stille wird unterbrochen. Die Tür zum Keller wird aufgerissen. Licht fällt die Treppe herab. Endlich sehe ich zumindest etwas von meiner Umgebung. Das Gewölbe scheint riesig zu sein. Die Lampen, die ich erst jetzt bemerke, gehen an und drei Gestalten kommen die Treppe herunter. Einer von ihnen bewaffnet mit einer Pistole.

Sie kommen auf mich zu. Eine weibliche Person, die eine rote Lederjacke und blaue  Jeans trägt, tritt mit gezückter Waffe an mich heran. Die anderen beiden stehen daneben. Alle drei haben eine Schwarze Wollmütze auf, welche Löcher an den Augen und am Mund besitzen. Ich schau ihr direkt in die Augen, bis sie ihren Kopf zu den anderen beiden dreht und nickt. Dieses nicken wird erwidert. Angstschweiß ziert meine Stirn.

Ein Schuss, direkt in mein Herz. Blut spritzt überall hin. Es sind schmerzen, qualvolle schmerzen. Ihr müsst euch vorstellen. Ihr bekommt einen Schlag mit einem Baseballschläger direkt in die Magengrube. Nur dieser Schmerz verlagert sich direkt in das Herz. Und das dieser Schmerz dauerhaft besteht. Er geht nicht weg. Und zu allem Überfluss merkt ihr auch noch, wie euer gesamtes Blut aus euch hinausgestoßen wird. Es ist enorm schmerzhaft.

„Warum zum TEUFEL fällt der nicht um!?“ schreit der Mann mit der dunklen, kratzigen Stimmen. Lustig, wie er denkt, dass ich hier umfallen könnte, so eng wie das hier ist. Zwei weitere und präzise Schüsse, mitten in meine Brust, folgen daraufhin. „Er steht immer noch“ dieselbe Stimme. „Halt deinen Mund, verdammt nochmal! Wir brauchen einen anderen Plan!“ 

Diese Schmerzen sind kaum auszuhalten.  Ich hoffe, es hört bald auf zu bluten. Aber die Hoffnung scheint momentan schon verloren zu sein. Die drei Menschen gehen wieder nach ob. Wahrscheinlich nur um andere Gerätschaften zu holen.

Es dauert nicht lange, bis die Frau mit einem Schlauch in der Hand, zurückkommt. Ich ahne schon was kommt.

„Versuchen wir es mal damit!“. Wo die anderen beiden abgeblieben sind, weiß ich nicht. Die Frau macht eine Bewegung, als würde sie etwas herunterdrücken. Sie steht an einer Stütze für die Decke, in der Nähe des Eingangs. Aus dem Boden kommen Glasscheiben heraus, welche sich um den Käfig herum aufstellen. Lediglich die Decke des Käfigs wird nicht bedeckt.

Dann kommt sie auf mich zu. Lässt den Schlauch, von oben hinab, in den Käfig. „Jungs, stellt das Wasser an!“ schreit sie. Kaum gesagt, fängt das Wasser an zu fließen. Binnen weniger Sekunden ist der Käfig gefüllt und die Frau schließt den oberen Teil des Gefängnisses mit einer Holzplatte. Ich kann hier nicht raus. Umgeben von Wasser, eingesperrt in diesem Käfig.

Nun soll ich wohl ertrinken. Ein Ekelfaktor dabei ist, ich „schwimme“, wenn man es so sagen kann, hier in meinem eigenen Blut. Aus der Wunde an meinem Herz, spritzt immer noch Blut. Das Wasser ist rot gefärbt. Mir wird dabei übel. Es dauert nicht lang, bis meiner Lunge die gesamte Luft ausgeht. Ich fange an nach Luft zu ringen. Aber es kommt nur noch mehr Wasser in den Mund, in die Lunge. Ich will Atmen. Stellt euch vor, was das für ein Gefühl ist. Ihr wollt Atmen, einfach weil es ein Reflex eures Körpers ist. Ihr könnt allerdings nicht Atmen. Wenn ihr es versucht, dringt nur noch mehr Wasser in euch ein. Der Luftmangel bringt euch dazu zu Husten, was Unterwasser schlecht funktioniert. Stattdessen saugt eure Lunge nur noch mehr Wasser ein. Langsam merkt ihr, wie eure Lunge verkrampft. Ein Schmerz den ihr euch so vorstellen könnt, wie ein fieser Krampf im Bein, nur dass dieser die Lunge einnimmt. Nach gefühlten Stunden und immer mehr schluckenden Wasser verkrampft dann langsam das Herz. Ihr seid am ersticken. Der Körper macht nicht mehr mit. Ohnmacht macht sich breit.

„Und wie sieht es aus?“, die krächzende Stimme. „Er ist jetzt schon seit einer halben Stunde da drinnen und bewegt sich immer noch, er ringt, wie du sehen kannst, immer noch nach Luft!“ entgegnet die Frau. „Das kann verdammt nochmal nicht sein! Der müsste längst mausetot sein!“  „Es bringt anscheinend auch nichts. Holt das Kerosin, wir fackeln den Scheiß hier ab!“ meint die Frau und beide verschwinden.

Es dauert daraufhin auch nicht lange, bis Rauch in das Gewölbe dringt. Die ersten Holzdielen brechen von der Decke herab. Die Flammen sind schon über mir. Es wird nicht lange dauern, bis sie auch den Käfig erreichen. Da sollte ich wohl ganz froh drüber sein, dass sie mich hier im kühlen Wasser gelassen haben. Die Holzplatte über dem Käfig lässt sich immer noch nicht verschieben, also bleibt mir eh nichts anderes übrig als zu warten.

Die Flammen erhellen das gesamte Gewölbe. Die Decke ist fast komplett heruntergefallen, einige neben den Glaskäfig. Es wird ziemlich heiß hier drinnen und das Wasser fängt langsam an zu kochen. Ich bin immer noch am ersticken und jetzt kommt auch noch die Hitze dazu. Die Qualen hören wohl nicht mehr auf.

Dann bricht langsam das Glas durch die Hitze. Erst ein paar kleine Risse, die sich immer vergrößern. Dann platzt das Wasser heraus, welches das Feuer um den Käfig herum löscht. Der Käfig zerspringt und ich bin frei. Ich huste das gesamte verschluckte Wasser raus. Dieses ist stellenweise Rot vom Blut aus meiner Lunge beziehungsweise meines Herzens. Nachdem ich mich erholt habe bahne ich mir einen Weg durch die Flammen. Dabei trocknen meine Klamotten. Ich renne die Treppe rauf, zur Tür. Verschlossen. Das Feuer ist schon überall, sodass es mir unmöglich ist, nach einem anderen Ausgang aus dem Gewölbe zu suchen.

Meine Kleidung fängt Feuer. Ich versuche mich umherzuwälzen und falle daraufhin die Treppe hinuntern, mitten in die Flammen. Sie umschließen mich vollkommen.

Es sind höllische Schmerzen. Ihr müsst euch vorstellen, nicht das Feuer bereitet euch an sich schmerzen. Es ist die Haut, welche verbrennt. Ihr könnt nichts tun, ihr müsst die Schmerzen über euch ergehen lassen. Ihr riecht euer eigenes verbranntes Fleisch. Ihr merkt wie eure Organe innerlich vor Hitze zerspringen. Eure Augen quellen heraus und ihr verliert die Kraft zu sehen. Ihr habt keine Chance irgendetwas dagegen zu tun. Eure Haut ist schwarz. Ihr seht es nicht, aber ihr merkt, wie ledrig sich eure Haut anfühlt. Wie eure Knochen splittern. Und dennoch seid Ihr bei Bewusstsein.

Bis Ihr plötzlich keine Schmerzen mehr verspürt, gar nichts mehr spürt, weil Ihr keine Nerven mehr im Körper besitzt.

Ich stehe auf, mitlerweile ist vom Haus nichts mehr übrig, als Flammen, Schutt und Asche. Ich kann noch sehen. Woher, weiß ich nicht. Aber das ist mir momentan egal. Ich begebe mich raus aus dem brennenden Trümmerhaufen. Die Flammen haben schon die nahegelegenen Häuser angesteckt. Die ganze Stadt scheint zu brennen. Ich gehe die Straße entlang, nackt, verbrannt, mit einer Schusswunde im Herzen und einem Schnitt an meinem Handgelenk. Augenlos, ohne Stimme, ziehe ich weiter. Keine Ahnung wo die drei Menschen, die mir das angetan haben, abgeblieben sind, um ihnen zu zeigen, dass ich immer noch lebe. Wenn man das Leben nennen kann.

Nein, ich kenne keine Angst vor dem Tod. Der Tod ist im Normalfall etwas unausweichliches. Mich hat er bisher nicht ereilt. Er ist eher eine Erlösung. Viele haben Angst vor lächerlichem wie Insekten oder ihren Job zu verlieren. Ich habe keine Angst vor so etwas belanglosem.

Vor was ich Angst habe? Die Art wie ich sterben werde.

SercheS

Störung durch Adblocker erkannt!


Wikia ist eine gebührenfreie Seite, die sich durch Werbung finanziert. Benutzer, die Adblocker einsetzen, haben eine modifizierte Ansicht der Seite.

Wikia ist nicht verfügbar, wenn du weitere Modifikationen in dem Adblocker-Programm gemacht hast. Wenn du sie entfernst, dann wird die Seite ohne Probleme geladen.

Auch bei FANDOM

Zufälliges Wiki