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,,Also wirklich!"

Meine Mutter steht in meinem Zimmer und beschwert sich, mal wieder, während ich die ganze Zeit irgend ein Online-Game zocke, und ihr, gerade so, meine Aufmerksamkeit zuteil kommen lasse. Ich meine: Das ist doch normal für einen 16-Jährigen, oder?

,,Wenn du nicht schleunigst etwas mit diesen Figuren anstellst, dann landen sie im Müll!"

Bevor sie noch etwas sagen kann, springe ich auf, und spüre, wie mein Blutdruck von 60 auf 180 schießt:,,WIE OFT DENN NOCH?!" Meine Mutter wird kreidebleich:,,Es...Es tut mir leid!" Mit diesen Worten spurtet sie aus meinem Zimmer, und wird mich in nächster Zeit, höchstwahrscheinlich, nicht mehr nerven.

,,Hmm...", sage ich nach einiger Zeit, ,,Was soll ich jetzt eigentlich mit den Figuren machen?" Ich blicke auf den Tisch hinter mir, und ergreife die Figur, die ich immer am meisten gemocht hatte.Es ist ein Drache, mit menschlichen Proportionen.Er trägt eine sehr kurze,enge Hose mit Mustern und am Rücken einen Gurt für seine komische ,,Drachenstreitaxt".Als ,,Normalwaffe", hat er eine Art ,,Katana" in der Hand. Ich stelle ihn vor mich und er blickt mich, in einer kämpferischen Pose, mit seinen gelben Augen an. ,,Na?",sage ich spielerisch, da ich ja längst begriffen habe, dass es nur eine leblose Gummifigur ist. ,,Lust mal wieder ein paar Burgen zu bauen?" Ich weiß nicht warum, aber ich schnappe mir die Figur, stecke sie in meine zerfledderte Tasche und nehme sie mit in den Wald.

Als ich an einer Stelle vorbeikomme, muss ich lächeln. Es ist der Ort, an dem ich immer mit meinen Freunden, Grace und Anthony gespielt habe. Wir haben unsere Spielfiguren mitgenommen und gegenseitig bekämpft....Wie ich das vermisse.... Ich stehe dort noch eine Weile, und frage mich, warum meine Freunde damals wegziehen mussten. Um mich etwas zu trösten, greife ich in meine Tasche und will meinen ,,Leutnant" herausholen. ,,ER IST WEG!",rufe ich laut aus, ohne wirklich nachzudenken.Er muss irgendwie aus der Tasche gefallen sein! Aber....Ich habe die Tasche doch geschlossen? Wie kann das sein?! Träume ich etwa?! ,,Es muss wohl ein Loch gewesen sein." Sage ich zu mir selbst, um nicht verrückt zu werden, Aber nur, weil man etwas zu sich sagt, heißt das nicht, dass man sich dadurch beruhigt. Es baut sich ein mulmiges Gefühl in meinem Magen auf und ich beschließe, nochmal nachzuschauen. ,,OK", sagt mir diesmal mein eigener Verstand, ,,Such einfach nochmal den kompletten Weg ab, den du gekommen bist und es wird alles gut! Glaube ich zumindest." Also mache ich mich unsicher auf den Weg und suche, warum auch immer, eine kleine, verlorene Gummifigur im Wald.

Als ich nach einiger Zeit immer noch suche, suche und suche blicke ich auf und merke, dass ich in dem Teil des Waldes gelandet bin, bei dem meine Freunde mich dauernd abgehalten haben, in ihn hinein zu gehen. Leider bemerke ich erst jetzt, dass sich das mulmige Gefühl im Bauch bereits zu stärken Krämpfen entwickelt hat. Plötzlich überkommt mich ein uralter Instinkt der Menschen: Den Instinkt der Gefahr, der sich blitzschnell in meinen Verstand geschlichen hat und diesen nun mit aller Kraft dazu bringen will, meine Beine in die Hand zu nehmen und schleunigst das Weite zu suchen. Aber ich ignoriere es, weil ich etwas erblickt habe, das mein Interesse geweckt hat, was bekanntlich über den menschlichen Verstand geht. Ich sehe eine Art ,,Nebel", in welchem sich anscheinend zwei gelbe Glühwürmchen oder Anderes befinden. Den Rest kann ich, wegen den Schatten der Bäume, nicht erkennen. Als ich näher komme, spüre ich förmlich, wie die Angst und die Faszination, sich in den letzten Stücken meiner Gehirnzellen, einen erbitterten Kampf liefern. Aber während des Näherkommens, merke ich, dass es allmählich mehr ,,Nebel" wird, und der ,,Nebel" sich als Rauch herausstellt. Doch am meisten erschaudern mich diese ,,Glühwürmchen" die sich mir bereits als Augen herausgestellt haben. Diese Augen... sie wirken irgendwie... unterwürfig aber kampflustig. Aber dieses Gelb. Es scheint sich mitten durch meine eigenen Augenhöhlen zu fressen, und meine zerbrechliche, schwache Seele um jeden Preis verschlingen zu wollen.

Ein plötzliches Geräusch holt mich aus meiner Trance, und ich erkenne endlich die Gefahr, in der ich mich befinde. Ich falle, vor Schock und Erschauderung, auf den Waldboden, versuche jedoch, durch langsames und vorsichtiges Rückwärtskriechen, dieses ,,Es" nicht zu provozieren. Als ich mich bereits einige Meter entfernt habe, gibt ,,Es" ein Schnauben von sich, dass, bei zu geringem Abstand, sicher eine Taubheit verursacht hätte. Mit dem tiefen Dröhnen, schwappt auch noch ein Schwall, frischer, heißer, sicherlich auch noch tödlicher Rauch aus der wahrscheinlichen Quelle, die sich wohl an dem ,,Es" befindet. Ich erschaudere ein weiteres Mal, und die Angst gewinnt, letztendlich, die Oberhand. Blitzschnell rappele ich mich auf und renne, so schnell es geht, weg, hoffend damit nichts, außer einer schaurigen Erinnerung zurückzulassen. Ich versuche, in die Richtung zu fliehen, von der ich glaube, dass ich von ihr gekommen bin. Renne immer schneller und schneller, und versuche mit allen möglichen Bewegungen, dass das ,,Es", dass mich >vielleicht< verfolgt, die Verfolgung aufgibt. Ich erlaube mir einen Blick über die Schulter, aber es ist nicht das ,,Es", das mich verfolgt, sondern etwas viel schlimmeres. Es ist der Rauch, der sich an meine Fersen geheftet hat. Mir dreht sich der Magen um, und die Krämpfe sind inzwischen zu einer unglaublichen Übelkeit geworden. Ich merke, zum ersten Mal, wie schwierig es ist, kurz vor dem Kotzen, vor etwas wegzurennen, dass einen vielleicht vergiftet, oder schlimmeres. Zu meinem Entsetzen, erkenne ich auch noch, dass der Rauch sich dreht und windet und sich jedem Manöver anpasst das ich ausführe. Ich hab keine Ahnung, wie lange ich renne. Aber als ich nur noch halb bei Bewusstsein bin, stolpere ich über etwas und falle, mit voller Wucht, auf den Boden. Heißer Schmerz durchzuckt mich. ,,Verdammt!",fluche ich und halte mir den Fuß. Wahrscheinlich verstaucht. Doch ehe ich mich versehe, holt mich der Nebel ein und nimmt mir den Rest meines Bewusstseins.

Ich wache auf und habe keine Ahnung, wie lange ich geschlafen habe. Aber als ich mich aufrichten will, gelingt mir das nur unter starken Schmerzen. Ich sehe mich um und erkenne, dass ich in einer Art Schuppen bin. Zwar gelingt es mir mich aufzurichten, aber der Versuch aufzustehen, wird durch den stechenden Schmerz in meinem Fuß unterbrochen und ich sinke wieder auf den Boden. Verzweifelt betrachte ich meine Hände, um mir wenigstens ein Zeichen zu geben noch am leben zu sein. Es gelingt mir, doch ich bin noch kein Bisschen beruhigt. Zufällig drehe ich mich um, und sehe etwas, das mir das Blut in den Adern gefrieren lässt: Zwei vertrocknete Kinderleichen hängen an der Wand. Sie wurden an ihren Innereien aufgehangen, und müssen wohl schon seit Jahren dort hängen. Mir wird das Ganze zu viel. In heißen Schwällen bahnt sich mein Mageninhalt seinen Weg nach oben. Als ich fertig bin, sehe ich mir die Körper nochmal genauer an und erkenne was ich bis eben noch verdrängt habe. Grace und Anthony. Meine alten, angeblich ,,weggezogen" Freunde.Mir schießen die Tränen in die Augen. ,,Das.....DAS KANN NICHT SEIN!!!!!!", meine Angst hat blitzschnell der Wut, aber vor allem der Trauer, den Platz freigemacht und erfüllt meinen Körper mit allen gemeinsamen Erinnerungen, die ich, zusammen mit den beiden, erlebt habe: Das Toben im Pausenhof, die gemeinsame Arbeit an allem Möglichen, und, nicht zu vergessen, den vielen Kämpfen im Wald, die wir, natürlich mit unseren Spielfiguren, ausgetragen haben. Dabei sagten wir uns ständig.....Aber.....Wer wäre denn so krank, das Gelaber von ein paar ahnungslosen 6-Jährigen ernst zu nehmen?!? Alles was ich im Moment, außer der schweren Atemzüge von mir selbst höre, sind Graces und Anthonys Stimmen, die mir alte Spaßschwüre ins Ohr flüstern. ,,Eines Tages erwische ich dich!", erschallt es von Anthony. ,,Glaub ja nicht, dass ich dich am Leben lasse!", höre ich es von Grace. ,,Ich werde euch beide töten und euch an euren Innereien aufhängen!", höre ich meine eigene, kindliche, vorpubertäre Stimme.Ich weiß noch, ihre erst leicht erschrockenen, jedoch später wieder heiteren Gesichter vor mir. Aber.....

,,DAS WAR DOCH NUR EIN SPIEL!!!!!!!, brülle ich voller Verzweiflung und Wut. Ich spüre, wie meine ehemalige Freude und das Selbstbewusstsein, wie ein Kartenhaus zerfallen und einstürzen, als hätte jemand, mit voller Absicht, dagegen gepustet und sich, über die Folgen nicht geschert. Ich sacke wieder ein und liege, keine Ahnung wie lange auf dem Boden im vergeblichen Versuch das Ganze zu verarbeiten. Nachdem ich mich, wenigstens ein Wenig, wieder im Griff habe, blicke ich nach links und muss mir erstmal die Tränen aus den Augen streichen, bevor ich überhaupt etwas erkenne. In einem kleinen Fenster, dass wohl nie sauber gemacht wurde, ist zwar eindeutig zu erkennen, dass es Nacht ist, jedoch ist das, was ich außer dem Nachthimmel sehen kann, nicht unbedingt beruhigender. Es ist der Rauch. Immerhin weiß ich jetzt, woher der Rauch herkommt. Aber.....Was ich sehe, lässt mich, fast nochmal, das Bewusstsein verlieren. Ich blicke auf einen mit braunen Schuppen bedeckten Kopf, welcher, außer einem leicht geöffneten Maul, mit spitzen weißen Zähnen, eine Blutrote Zunge und zwei Hörnern am Hinterkopf, auch noch eine Nase besitzt, die unaufhörlich den widerlichen Rauch ausstößt, der einem das Bewusstsein und den Verstand raubt. Aber ich sehe auch noch, zu allem Überdruss, die gelben durchdringenden, hoffnungsvollen Augen, die inzwischen danach aussehen, als würden sie eine Belohnung für das erwarten, was sie Grace und Anthony angetan haben. Es ist das ,,Es". Doch ich weiß längst, ,,was", oder eher ,,wer", ,,Es" wirklich ist. Ich kann meine Trauer und Wut nicht in Worte fassen, und bringe daher nur etwa etwas zu Tage, was man nicht mal als wirklichen Satz verstehen kann: ,,Warum hast du......?" Er deutet mit seiner mit uraltem Blut verkrusteten Krallenhand, auf die ihm gegenüberliegende Seite des Schuppens.

Ich drehe den Kopf.

Dort steht, mit ebenfalls uraltem Blut geschrieben: HAIL LORD FABIAN

Dann breitet sich das Feuer blitzschnell aus.

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