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Manchmal, wenn mich meine Träume nachts wach halten, sitze ich in meinem Zimmer und lese. Oder ich surfe durchs Internet- egal, was ich mache, es ist nur dazu da, mich abzulenken. Wach zu bleiben, bis die Sonne aufgeht.

Meine Gedanken sind dann recht schwer, weswegen ich mich in seichten Geistlosigkeiten verliere, um nicht diese dunklen Pfade meines Gehirns zu betreten, von denen ich weiß, dass sie mir um diese Uhrzeit sicher nicht guttun.

Aber immer öfter schleicht sich in letzter Zeit ein neuer Gedanke ein. Er kam das erste Mal auf, als ich mich fragte, was der Sinn hinter meiner nächtlichen Wache sein könnte. Ich sah mich in meinem Zimmer sitzen, neben mir die kleine Lampe, die immer brennt, wenn ich wach bin. Ich sah, wie sich mein Zimmer zu einer unendlichen Weite öffnete. Ich sah die Sterne verblassen.

Und ich sah SIE. Die, die dort draußen lauern. Die nur darauf warten, dass hier das Licht völlig verlöscht, um unsere Welt zu betreten, um sie zu überrennen und ihre Schreckensherrschaft zu errichten. Ich sah ihre unbeschreiblich widerwärtigen Körper. Sah ihre schleimige Haut, ihre glotzenden Augen und ihre verformten Klauen, die nur darauf warten, zu packen und zu zerreißen. Ich sah ebenso ihre geifernden Münder, die nicht dort sitzen, wo sie beim Menschen zu finden sind, sondern sich über ihre ekelhaft aufgeblähten Leiber verteilen. Auch ihre Schwingen sah ich, die viel zu klein sind, um sie jemals wirklich in die Luft zu erheben.

Und dann hörte ich ihr Flüstern. Noch heute wünsche ich mir, dass mir die Ohren abgefallen wären in diesem Moment. Sie riefen mir zu, mich zur Ruhe zu legen und meine Wacht aufzugeben. Ihr Flüstern erzählte von den weichsten Lagerstätten, die ich mir vorstellen konnte, von Daunenbetten aus Engelsfedern, von Kissen voller süßer, weicher Wolkenluft. Sie wollten, dass ich mich schlafen lege, damit ich mein Licht löschen würde.

Aber noch schrecken sie vor meinem kleinen Licht zurück. Noch bin ich wach, obwohl ihr Geflüster mich Gähnen macht und ihre Worte in mir die Sehnsucht nach meinem Bett wecken. Sich niederlegen, die Augen zu schließen und sich vom Schlaf hinabreißen lassen in die seltsamen Welten des Traumes. Bewacht von Hypnos ruhigen Blicken zu schlafen, bis die Sonne aufgeht. Es ist verlockend, aber noch bleibe ich wach. Ich weiß, dass sie mich nur verführen wollen.

Mittlerweile frage ich mich, ob es noch andere Nachtwächter gibt. In mir steigt die Hoffnung auf, dass ich nicht allein bin, dass ich nicht die letzte Verteidigungslinie darstelle mit meinem kleinen Licht. Es ist ein tröstender Gedanke, denn so könnte ich, falls mich die Müdigkeit doch übermannen sollte, mich einfach hinlegen und schlafen, in dem guten Gewissen, dass mein Licht nicht das letzte war, welches verlosch.

Ich werde müde, mein Körper sehnt sich nach Schlaf. Immer wieder zwinge ich mich, meine Augen zu öffnen, doch es hält nicht lange an. Der Drang, sich hinzulegen, wird übermächtig. Irgendwann gebe ich nach und ich lege mich hin. Und gerade, als ich das Licht ausmache, kommt mir wieder jenes Bild in den Sinn: das Bild von meinem Zimmer, welches sich zur Unendlichkeit ausdehnt... und welches das einzige Licht ist, das zu sehen ist...

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