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"Kennst du das Mitternachtspiel? Es war ein heidnisches Ritual, dass als Strafe gedacht war. Lass uns es ausprobieren", Oíche studiert Namenkunde im zweiten Semester und hatte vor kurzem ihre Eltern gefragt, warum sie ihr den Namen Oíche gegeben hatten. Sie wurde anscheinend um Mitternacht geboren und ihre Mutter, die zur Hälfte Irin war, hatte darauf bestanden sie so zu nennen. Jetzt hatte sie also alles Mögliche über das Wort Mitternacht herausgefunden, also auch das Mitternachtspiel, " Besorg mir erst richtige Informationen, dann überlege ich es mir. " Egal wie motiviert Oíche war, sie mochte es nicht lange Erklärungen geben zu müssen, aber dieses Mal lachte sie, " Schon erledigt. Ich wusste, dass du das sagen würdest. " Sie gab mir einen Zettel auf dem eine Liste mit Sachen und eine Anleitung war. Ich suchte einen Ausweg, " Oíche, man muss in diesem Spiel vor einem Wesen davonlaufen, also müssten die Räume so verbunden sein, dass man im Kreis gehen kann und das klappt weder in meiner, noch in deiner Wohnung. " Wieder lachte sie, " Du Nuss. Ich will das ja auch nicht hier machen, ich weiß schon einen tollen Ort dafür. Hab alles organisiert, du musst nur mitkommen. " Ich stöhnte, " Du weißt, dass es diese ganzen Sagengestalten nicht gibt. Das war dafür da um Leuten gewaltige Angst zu machen. " "Dann komm doch einfach mit. Wenn es sie nicht gibt brauchst du keine Angst zu haben", sie sah mich beleidigt an. Es lohnte sich nicht zu diskutieren, " Okay, ich komme mit, aber dafür darfst du nicht mittendrin abbrechen und nicht einmal anfangen zu weinen. " Es hörte sich gemein an, aber wir hatten schon einmal eine ähnliche Aktion durchgeführt. Sie wollte unbedingt irgendeine Sagengestalt sehen und hat nach 15 Minuten angefangen zu weinen und hat mich nach Hause geschleift. Oíche war begeistert, " Super. Ich hole dich um neun Uhr ab und zieh dir warme Sachen an. " Ich nickte und sie verschwand. Was hatte ich nur getan? Ich stöhnte wieder. Wenigstens war sie viel zu ängstlich um das wirklich durchzuziehen.


Um kurz vor neun klingelte es und Oíche stand vor der Tür mit einer gewaltigen Tüte unter dem Arm. "Wofür ist das alles? ", das konnte unmöglich alles für ein einzelnes Spiel sein. "Das ist für das Mitternachtspiel. Ich hab Kerzen, Papier, Stifte, Streichhölzer, Salz, Nadel eine Uhr und Proviant. Alles da. Jetzt komm. Ich will dir zeigen wo wir spielen. " Sie zog mich mit zu ihrem Auto und fuhr mit mir in einen Wald. Es dauerte eine Weile bis wir an einem großen Landhaus ankamen. Ich sah auf die Uhr. Wir hatten also noch eine Stunde bis wir anfangen mussten. " Ich habe dieses Haus vor Jahren entdeckt und besichtigt. Fast alle Räume haben mehr als zwei Ausgänge und alles ohne stolperfallen. Ich führ dich rum. " Wir gingen also ins Haus und sahen uns um. Es war wirklich alt, wirkte aber noch sehr solide, trotzdem hielt ich Oìche auf, als sie die Treppe benutzen wollte, " Egal wie stabil alles hier wirkt. Es ist wirklich alt und die Treppe könnte morsch sein. Du könntest einbrechen und dir sonst was tun. " Sie sah noch einmal ängstlich auf die Treppe, dann nickte sie. Vielleicht würden wir doch früher als erwartet wieder weg sein. Sie nahm noch eine Taschenlampe, eine Tüte mit Brötchen und einen Wecker aus ihrer Tüte, " Es wird bald dunkel ich habe Hunger und will nicht zu spät anfangen. " So saßen wir also in einem alten, zugigen Haus und warteten auf Mitternacht. Irgendwann gab sie mir einen Zettel und sagte, " Die Regeln. " Sie wirkte jetzt schon verängstigt. Ich überflog sie nur. Alles in allem eher langweilig. Im Grund musste man vor dieser Sagengestalt wegrennen und hoffen, dass die Kerze nicht ausgeht. "Okay. Ich hab immer noch nicht begriffen, warum du dieses Spiel spielen willst. ", ich wusste wirklich nicht warum sich Oíche sich dieser Psychischen Belastung aussetzen wollte. "Ich weiß, dass du mich für Verrückt halst, aber ich will dieses Spiel spielen, weil ich selber die Mitternacht bin. Ich bin die Dunkelheit, die diesen Mann umgibt. ", sie sah in diesem Moment unfassbar ernst aus. Sie war nicht mehr die Oíche die ich kannte. Es war als hätte sich die ganze Situation in diesem Moment geändert. Ich musste grinsen,  " Dann legen wir los. " Wir befolgten die Anweisungen für das Mitternachtspiel genau, auch wenn Oíche bei dem Bluttropfen fast umgekippt wäre. Wie kann jemand nur so ernst bei einer Sache sein, aber trotzdem von einer Kleinigkeit wie einem Tropfen Blut aus der Fassung geraten. "Wir werden die ganze Zeit zusammenbleiben, okay? ", sie sah unglaublich verängstigt aus. Ich nickte. Sie sollte dieses Spiel nicht alleine Durchstehen müssen. Wir standen also zu zweit in diesem riesigem Haus, um vor etwas wegzurennen, das es nicht gibt. Langsam gingen wir von einem Zimmer ins andere. Plötzlich wurde es kalt. Ich sah Oíche an. Ihre Augen waren schreckgeweitet. Sie murmelte,  " Er ist hier. " Sie sah aus als würde sie gleich schreien. Ich nahm ihren Arm und wollte sie Beruhigen, " In deiner Anleitung stand doch, dass man den Raum verlassen soll wenn er da ist. " Ich zog sie weiter und es wurde ein wenig wärmer. Ihre Augen waren immer noch weit aufgerissen, als meine Kerze ausging. Ich fluchte, " Verdammt. Müsste deine Kerze nicht auch ausgehen? " Sie wimmerte jetzt leise, " Mach einen Kreis aus Salz. Schnell. " Es war schon zu spät.


Grausame Bilder erschienen in Sekundenbruchteilen vor meinen Augen. Ich konnte Oíche neben mir schreien hören, sogar noch, als es aufgehört hatte. Ich wollte mich aufrichten, konnte mich aber nicht bewegen. Also war ich gezwungen auf den Boden gepresst Oíches Schreie zu hören ohne sie beruhigen zu können. Eine fremde Stimmer ertönte, " Du bist mutig. Du verdienst diesen Schmerz. Das Mädchen ist nichts. Sie hat Angst ohne mich zu sehen. Ohne mich zu hören. " Eine dunkle Gestalt kam auf mich zu. Je näher sie kam, desto klarer konnte ich seine Gesichtszüge erkennen. Er hatte ein spitzes Gesicht, und kleine Augen. Er grinste, " Es ist Jahre her, dass sich jemand getraut hat mich zu rufen. Noch länger ist es her, dass sich jemand hat fangen lassen. Du machst dir mehr Sorgen um das Mädchen, als um dich selber. Welch ein fataler Fehler. " Er lachte, ein grausames Lachen. Es war viel zu amüsiert für diese Situation. Er schnippte mit den Fingern und ich stand wieder aufrecht. Immer noch unfähig mich zu bewegen oder zu sprechen. Der Mann kam langsam auf mich zu. Als er vor mir stand striche er mir fast schon sanft über die Wange, " Deine Haut ist so weich. Ganz anders als die Haut derer, die mich sonst gerufen haben. Es ist mir eine Ehre. Ich bin Yoru No Shi oder, wie ihr mich nennt, der Mitternachtsmann. Welch ein vulgärer Name. Leider war nach einer Begegnung mit mir niemand mehr in der Lage meinen echten Namen weiterzugeben. Es ist fast schon schade, dass sie nicht mal den Namen des Peinigers wissen, der ihnen den Verstand raubte. " Meine Haut brannte wo er sie berührt hatte. Er zog ein Messer aus der Tasche und betrachtete es, als würde er abschätzen wie scharf es war, " Diese Messer hat mir schon viele gute Dienste geleistet. Sicherlich wird es mir auch hier sehr hilfreich sein. " Mit einer Armbewegung schnitt er knapp oberhalb des Bauches durch meine Kleidung und riss sie mit einer weiteren Bewegung ab, sodass ich nun mit entblößtem Bauch vor ihm stand. Er betrachtete ihn,  " Schlank. Keine Narben. Wie sich die Zeiten ändern. Der letzte Mensch war dünner als du und hatte viele Narben. Nur, dass er nicht dünn war weil er wollte, sonder weil er zu arm für ein Stückchen Brot war. " Dann begann er mit dem Messer meine Haut aufzuritzen. Langsam, fast schon bedächtig. Ich war überrascht wie sehr diese Kleinigkeit schmerzte. Ich wollte schreien, konnte aber keinen Ton rausbringen. So war ich gezwungen den Schmerz auszuhalten, bis er von mir abließ. Er fuhr das Muster, das er ihn meine Haut geritzt hatte mit den Fingern nach, " Ich hatte fast vergessen wie es sich anfühlt das Zeichen in die Haut von jemandem zu Brennen. Es hatte mir schon damals gefallen die Menschen am schreien zu hindern. Dieses Gefühl bestimmen zu können wann sie sich äußern ist sehr angenehm. " Allein die Art wie er sprach lies erkennen, wie alt er war. Ich wollte nur noch weg von dort. Egal was es kostete. Ich spürte ein kribbeln in meinem Hals und versuchte zu sprechen, " Bitte lass mich gehen. " Es war kaum mehr als ein krächzten. Der Mann lächelte, " Natürlich darfst du gehen. Wenn du meine Prüfung bestehst. " "Wie sieht sie aus? " Sein Lächeln wurde breiter, " Einfach schweigen. Egal was passiert. Die Prüfung beginnt jetzt. " Ich wollte schon etwas erwidern, aber ich dachte an die Regel. Ich wollte nicht schon ganz am Anfang verlieren. Dann begann es.

Meine Sicht verschwamm für einige Sekunden. Ich stand neben Oíche und sie sah mich erschreckt an, " Du bist endlich wach. Lass uns gehen. Es ist mir zu gruselig hier. " Ich stutzte. Auch wenn sie erschreckt aussah, wirkte sie viel zu ruhig. Auch ihre Kerze war weg. Sie zog an meinem Arm und führte mich in Richtung Ausgang. Neben der Tür stand ein Schwert. Ich griff danach. Auch Oíche hatte ein Messer in der Hand. Sie grinste, " So schnell. Ich hatte erwartet, dass du sofort redest. " Bevor ich reagieren konnte hatte ich ein das Messer im Bauch. Ich versuchte nicht zu schreien oder ohnmächtig zu werden und hieb mit dem Schwert nach ihr. Ich verfehlte sie. Meine Sicht verschwamm. Ich konnte nur noch Oíches Gesicht sehen. Verzehrt vor Schmerz. Ich sah nach unten. Mein Schwert durchbohrte ihren Brustkorb. Schon wieder wollte ich etwas sagen, konnte mich aber gerade noch davon abhalten. Dies alles gehörte noch zu Prüfung. Wenn ich sie bestand würde ich Oíche nach Hause zerren und nie wieder bei so einer Aktion mitmachen.

Das Bild änderte sich. Ich war in einer Leere gefangen. Vor mir war wieder der Mitternachtsmann,  " Gut gemacht. Die Prüfung ist aber noch nicht zuende. " Einen Sekundenbruchteil später lag ich auf dem Rücken und starrte an eine steinerne Decke. Ich fühlte schwere Ketten an meinen Armen und Beinen, die es mir unmöglich machten mich zu bewegen. Aus meiner Lage konnte ich nur sehen, dass der Mann direkt vor mir stand, immer noch mit einem widerlichen Grinsen. Ich wollte sprechen. Ihm beleidigen. Ihn anflehen mich gehen zu lassen. Er griff neben sich und hielt ein glühendes Stück Metall in der Hand. Sein Grinsen wurde breiter, während er es auf meine Haut presste. Ein quälender Schmerz durchzuckte mich, verschleierte meine Sicht und ich konnte einen stechenden Ton hören. Ich konzertierte mich mit allem was ich noch an Kraft aufbringen konnte darauf nicht zu schreien. Er sah mich an, " Du hast meine Bewunderung. Nur wenige haben es geschafft hier zu schweigen. Du bist tatsächlich stark. " Ich weiß nicht wie lange er mich noch folterte, aber ich weiß, dass ich nur daran denken konnte nicht zu schreien.

Irgendwann war ich wieder in der Leere. Aller Schmerz war verschwunden. Der Mitternachtsmann stand wieder vor mir, " Du hast bestanden. Jeder der es bis hier schafft hat ein Privileg. Er darf versuchen mich zu töten. Aber sei gewarnt. Es ist nicht alles wie es scheint. " Ich spürte das Gewicht einer Waffe in meiner Hand. Ein Messer. Das Messer, mit dem er mir in den Bauch geritzt hatte. Er stand noch immer vor mir. Hass durchflutete mich. Ich rammte ihm das Messer so fest ich konnte in den Brustkorb. Meine Sicht verschwamm. Auf einmal war es nicht mehr der Mitternachtsmann, sonder Oíche, die das Messer in der Brust hatte. Das war dann zu viel für mich. Es gab ab da nur noch vergessen.


Jahre später...


"Wer ist das? ", ich war neu auf die Station für die besonders schweren Fälle von Geisteskrankheit. Die Oberschwester führte mich herum, " Das ist Alice Withe. Vor einigen Jahren hat sie plötzlich ihre beste Freundin Oíche Ó Brian getötet und wurde einige Tage später in einem verlassenen Haus aufgefunden. Der Fall ist durch alle Zeitungen gegangen. Das hättest du mitbekommen müssen, Anne. " Alice murmelte, " Yoru No Shi. Der Mitternachtsmann. Er beobachtet dich. Er beobachtet mich. Ihr müsst schweigen. Yoru No Shi. Der Mitternachtsmann. "

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