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Monja ist mal wieder zu spät. Das ist sie immer. Eine lästige kleine Macke. So oft habe ich ihr das schon vorgehalten. Aber hören will sie ja nie. Was für ein Sturkopf. Das hat sie wohl von ihrer Mutter. Mir.

Ich seufze und drehe mich im Bett von einer Seite auf die andere und versuche in der völligen Dunkelheit meines Schlafzimmers mein Smartphone zu ertasten. Bei dieser Aktion werfe ich es versehentlich auf den Boden. Angenervt steige ich aus meinen warmen Federn , schlurfe zum Lichtschalter und knipse ihn an.

Das ist wohl das einzig Gute am Singledasein.  Niemand, der neben einem schnarcht , sich aber schon beim kleinsten Geräusch, das man selber wagt von sich zu geben, zur schlaftrunkenen Zombie-Furie verwandelt.

Ein bittersüßes Lächeln huscht mir über die Lippen.

Doch. Es ist gut, dass ich mich habe scheiden lassen. Dieser Idiot von Ehemann...

Aber nachts holt sie mich doch manchmal ein: die Einsamkeit. Wie eine Millionen winziger, eiskalter Nadeln sticht sie mir dann ins Herz. Monja weiß darum. Sie ist ein kluges Mädchen. Seit der Trennung schläft sie immer wieder bei mir. Wie als sie klein war. Ja, sie ist das Wundervollste, dass mir je passiert ist.

Apropos, mein –vielleicht doch nicht so wundervolles - Kind ist immer noch nicht da.

Ich blicke suchend umher. Wo ist dieses blöde... Oh, da. Ich ziehe das Handy unter dem Nachttischchen hervor. Schon nach zwei... Wir hatten eins ausgemacht. Das ist sogar für Monja spät.

Während ich das Licht ausschalte und mich wieder hin lege debattiere ich mit mir selber, ob ich nun wütend oder besorgt sein soll.

Beruhig dich. Heute ist ihr Abschlussball. Wäre doch wohl eher seltsam, wenn sie die Zeit nicht vergessen würde. Vor allem, weil sie ja mit diesem hübschen Kerl dort ist. Wie heißt er noch gleich? Ach ja, Leonard.

Ich drehe mein Gesicht zur Wand . Versuche in der nächtlichen Schwärze das Blumenmuster der Tapete auszumachen.

Ich schrecke aus meinen Gedanken als sich plötzlich, ganz vorsichtig um nur keine Geräusche zu machen, die Tür zum Schlafzimmer öffnet.

Monja schleicht auf Zehenspitzen herein. Sie legt sich ins Bett. Ich kann ihren Atem spüren, fühle wie die Matratze neben mir nach unten sinkt.

Endlich ist sie da. Beruhigt schließe ich die Augen und werde sogleich von einer unglaublichen Müdigkeit übermannt.

Zehn Minuten später bin ich bereits am wegdämmern, so dass ich es weder bemerke, als die Haustür aufgeschlossen wird, noch als jemand die ächzende Holztreppe hinaufsteigt. Erst als das Licht des Flurs auf mein Gesicht fällt, komme ich etwas zu Sinnen.

„Mama?“ flüstert Monja „Bist du noch wach? Ich will nur, dass du weißt, dass ich jetzt da bin. Du musst nicht mehr warten.“
2541777-creepy bed

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