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"Ein Mensch...?"

"Er muss ein Mensch sein!"

"Aber wie könnte er...?"

"Es gibt keines deiner Fantasiegebilde in der Realität! Verdammt nochmal!"

Horror-0

"Aber sieh dir doch an, was er getan hat!"

"Ich habe Menschen weitaus grausamere Dinge tun sehn!"

"Grausamere ja... Aber nicht mit dieser Kraft!"

"Sei jetzt endlich still! Weswegen beobachten wir ihn denn?!"

"Natürlich... natürlich... Der Grund..."

"Hast du es endlich verstanden?!"

"Ja... ja... Und dennoch...?"

"Schweig endlich! Verdammter Idiot, bevor ich dich hier rauswerfe! Sieh lieber zu, dass du die Kamera besser einstellst! Wir verlieren ihn!"

"Natürlich... Sofort...!"

Das Objektiv der Kamera surrte leise, als es sich neu ausrichtete, und die Szenerie deutlicher machte.

Damit begann das Grauen seinen vollen Umfang zu offenbaren und für die Nachwelt auf einer Speicherkarte gesichert zu werden.

Zu sehen war der dreckige Hinterhof einer schäbigen Spelunke in einem der abgewracktesten Teile der Stadt. Es war der Barbesitzer selbst, den man erkennen konnte. Mit dem Rücken zum Auge der Kamera gewandt, entsorgte er einen schwarzen Sack in einem großen Müllcontainer, wie sie hier üblich waren. Er war schwarz gekleidet und schien beinahe mit der düsteren Backsteinmauer vor ihm zu verschmelzen, wäre da nicht eine trübe Straßenlaterne gewesen, die alles in ihrer Reichweite in diffuses Licht tauchte. Seine kurzen dunklen Haare schimmerten schwach, als er sich drehte und den Sack mit einer Bewegung des Handgelenks in den Container beförderte.

Als hätte er plötzlich etwas gehört, hielt er inne, drehte langsam den Kopf und schien angestrengt zu lauschen.

Durch die Kamera hindurch sah man sein Profil. Sah, wie sich seine Lippen zu einem Grinsen kräuselten. Das Funkeln in seinen schier schwarzen Augen. Augen, wie sie kein Mensch haben sollte. Noch durfte. Beinahe wie Perlen saßen sie in seinem Gesicht. Sprangen ein Stück umher und bohrten sich unbarmherzig durch das Objektiv der Kamera und des angeschlossenen Bildschirms.

Die beiden Männer in dem Van, die an diesem Abend zur Observierung eingeteilt waren, versagte mit einem Mal der Atem. Es schien fast, als könne er sie sehen. Unmöglich. Der alte Transporter in dem sie Stellung bezogen hatten, stand sei Monaten hier, ohne Reifen, ohne Scheiben. Und sie hatten sich Mühe gegeben nichts zu verändern. Wussten, dass sie nichts verändert hatten!

Sie sahen einander an. Nur für einen kurzen Augenblick. Als ihre Blicke wieder auf den Bildschirm fielen, war dort nur noch der volle Müllcontainer und die einsame Laterne.

"Wo...?", begann der Kleiner der Beiden. Er hatte es von vornherein für keine gute Idee gehalten selbst hier her zu kommen. Er war Forscher, verflucht nochmal! Er gehörte in ein Labor! Und nicht in einen stinkenden, alten Van um jemanden zu beobachten der aller Wahrscheinlichkeit nach nichts weiter war als ein durchgeknallter Kneipenwirt, mit etwas zu viel Anabolika in der Pisse.

Er warf seinem Partner einen verwirrten Blick zu.

"Hast du gesehen wie er verschwunden ist?" Der Blick seines Partners war weiterhin unverwandt auf den leuchtenden Bildschirm vor ihm gerichtet. Er reagierte nicht einmal auf seine Worte. Verärgert runzelte der Kleine die Stirn. "Hat´s dir die Sprache verschlagen oder was?!"

Als er nach einigen Sekunden noch immer keine Antwort bekam, streckte er die Hand aus um seinen Partner an der Schulter zu packen und aus seinen Tagträumen zu holen. Millimeter bevor sein Hand jedoch eben diese erreichte, erstarrte sie.

Mit einem Mal liefen blutige Tränen aus den Augen seines Partners. "Frank?!" Unsicherheit, ja Furcht lag in seiner Stimme. Etwas stimmte nicht.

Schließlich führte er seine Bewegung doch zu Ende.

Packte den Großen an der Schulter, schüttelte ihn.

Ein grässliches Schmatzen ertönte, als sich rings um den Hals seines Partners eine feine rote Linie bildete, sich der Kopf durch das Schaukeln langsam löste und mit einem dumpfen Poltern auf dem Boden zwischen die Beine des Großen plumpste.

Er konnte ein angewidertes Stöhnen nicht unterdrücken. Schluckte den sich schnell sammelnden Speichel in seinem Mund hinunter. Suchte den Würgereflex zu unterdrücken, als sich das Blut in einer kleinen Fontäne einen Weg aus dem Körper seines Partners Frank suchte.

"Wie ist ...?"

"Nicht wie ... ist hier die Frage. Sondern doch wohl eher warum ...!"

Wie unter einem Peitschenhieb getroffen fuhr der Kleine zusammen, wirbelte auf seinem Stuhl herum. Blickte schreckensbleich in den hinteren Teil des Vans. Den dunklen Teil. Natürlich, sie hatten keine Beleuchtung hier drin, außer den kleinen Bildschirm der Kamera. Mehr brauchten sie eigentlich auch nicht.

Jetzt reichte der Schein gerade aus, um ein Paar lederner Stiefel und den Ansatz von dunklen Hosenbeinen aus der Dunkelheit zu reißen. Der Rest lag in trügerischer Finsternis. Nur etwa dort, wo sich die Augen befinden mussten, sah man etwas. Oder Nichts. Je nachdem aus welchem Blickwinkel man es betrachtete. Auf Höhe der Augen war es, als wäre selbst die Dunkelheit verschwunden und hätte zwei kleinen schwarzen Löchern Platz gemacht.

Etwas silbriges blinkte kurz auf. Es war die karmesinrote Schneide eines langen, grausam geformten Messers.

Wahrscheinlich lag sie auf dem Schoß des Eindringlings.

Des Mörders, wie dem Kleinen nun rasch klar wurde. Er versuchte seine Stimme wieder zu finden.

"Was willst du von uns?!"

Ein leises, heiseres Kichern.

"Sollte ich das nicht eher euch fragen?" Auch ohne Licht konnte der Kleine das Grinsen fast sehen, dass dort in der Finsternis lauerte. "Schließlich habt ihr mich beobachtet, nicht umgekehrt."

Der Kleine versuchte den harten Kloß in seiner Kehle irgendwie hinunter zu würgen und seine Ängste zu verdrängen. Schließlich war das hier nichts weiter als ein stinknormaler Mensch. "Das geht dich nichts an!"

Ein beinah traurig klingendes Seufzen. "Du bist wirklich naiv genug zu glauben, hier lebend rauszukommen, wenn du mich verärgerst?"

Die Stiefel verschwanden, mitsamt der Hosenbeine.

Eine eiskalte Hand legte sich von hinten um seinen Hals.

Eine Stimme, ganz nah an seinem Ohr flüsterte: "Ihr hättet niemals hierher kommen dürfen, ihr idiotischen Kretins."

"Du ... du bist nur ein Mensch! Nichts weiter!"

"Nicht so vorlaut, mein Alter. Natürlich bin ich nur ein Mensch. Was habt ihr denn erwartet?!" Das darauf folgende Lachen ließ das Blut in seinen Adern gefrieren. Er wagte es kaum noch einen Ton von sich zu geben, ganz zu schweigen davon sich zu bewegen.

"Was willst du denn von mir?"

"Du sollst schreien wie ein Schwein!" War die einfache Forderung.

Das eiskalte Lachen, begleitet von schneidenden Geräuschen mitsamt einiger heftigen Bewegungen, waren von außerhalb des Vans sichtbar. Blut trat unter der geschlossenen Heckklappe hervor und tropfte in einer größer werdenden Lache zu Boden.

Ein Monster ....

Ein Monster ....?, dachte der Kleine schwächer werdend, seine alptraumhafte Pein in die Düsternis hinaus schreiend. Lediglich begleitet von dem grausamen Lachen und seinem schwindenden Lebenswillen.

Als er die letzten Worte auf Erden vernahm, weiteten sich seine Augen in tiefem Unglauben ob des Wahnsinns der sich ihm darbot ...

Ein Monster ...!!!

Ravnene

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