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Meine Tochter hat ihr Kuscheltier verloren.

Und tatsächlich bin ich überrascht, wie biestig eine 6-Jährige werden kann, wenn sie Mr. Knuddel – ein kleiner Teddy-Bär mit blauer Krawatte – nicht mehr finden kann. Mein kleiner Engel wich praktisch über Nacht einem zeternden Monster, ohne sich dabei besonders um das verlorene Objekt zu kümmern. Sie hat erst auf den Verlust reagiert, als meine Frau ihr versprach, einen neuen Plüschbären zu kaufen. Nämlich mit Unverständnis. "Was soll ich damit?"

In den darauffolgenden Tagen aber veränderte sich das Mädchen weiter zum Schlechten. Sie reagierte kaum mehr auf mich, oder meine Frau, begann, mit sich selbst zu sprechen, nachts durch das Haus zu schleichen, oder in regelmäßigen Abständen einfach kurzzeitig zu verschwinden. Ihr Flüstern war nicht mehr das unschuldige Gebrabbel eines Kleinkindes, das sich mit einem imaginären Kind über die Tätigkeiten des Tages berät. Es hatte stets etwas Unheimliches, Zischendes an sich, und oft hörte ich Worte heraus, von denen ich sie eigentlich bis zum Erwachsenenalter fernhalten wollte.

Einmal hatte sie aus dem Nichts begonnen, wie eine Wahnsinnige zu lachen, und die daraus resultierende Gänsehaut, die sich in meinem Nacken festsetzte, werde ich nie vergessen.

Das war meine Tochter. Ich liebe meine Tochter. Und dennoch habe ich aus irgendeinem Grund Angst vor ihr bekommen. Angst, die auch mich mit der Zeit prägte.

Welcher Vater verdächtigt seine eigene Tochter, wenn Rasiermesser im Sandkasten beim Spielplatz gefunden werden?

Welcher Vater verdächtigt seine eigene Tochter, wenn immer mehr Kinder in der Nachbarschaft verschwinden?

Welcher Vater verdächtigt seine eigene Tochter, wenn er immer mehr den Verstand verliert?

Als ich das Mädchen an einem Abend dabei erwischte, wie sie versuchte, sich die Insulin-Spritzen meiner Frau zu schnappen, hatte ich genug. Ich musste diesen nutzlosen Teddy (Was soll ich damit?) finden. Aus irgendeinem Grund hatte ich das Gefühl, dass er wie ein roter Faden mit dieser Geschichte zusammenhing. Vielleicht wäre ja alles wieder gut, wenn sie nur Mr. Knuddel wieder in den Armen halten konnte? Trotzreaktionen konnten ja schließlich viel mit Kindern in der Entwicklung anstellen.

Somit sperrte ich das kreischende, um sich schlagende und fluchende Monster in ihr Zimmer. Dann begann ich zu suchen. Und ich suchte lange, bis ich irgendwann vor dem Schuppen stand, den schon seit Jahren niemand in der Familie mehr geöffnet hatte. Es war ein kleines, verlottertes Ding hinter unserem Haus, und schon wenige Meter entfernt roch ich, dass er schon viel zu lange nicht mehr benutzt worden war.

Das wäre ein reichlich seltsamer Ort, um ein Kuscheltier zu verlieren, und dennoch traute ich das meiner Tochter zu. Zumindest der Tochter, die ich in der letzten Woche kennengelernt hatte.

Als ich die Tür aufsperrte, schwangen mir zwei Dinge entgegen. Sekundär ein Gestank, und primär der Anblick eines reichlich kleinen, verwesenden Körpers. Die Leiche eines Kindes klammerte sich an einen blutverschmierten Teddy (Was soll ich damit?), dessen Füllung neben ihren Gedärmen recht ungleichmäßig auf den modrigen Holzdielen verteilt war. Nur wenige blaue Flecken ließen sich auf der Krawatte von Mr. Knuddel erahnen.

Aus dem Haus erklang ein gellender Schrei.

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