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Meine Kumpels haben es mal wieder geschafft. Sie haben mich dazu gebracht eine ihrer komischen Mutproben zu machen. Normalerweise konnte ich mich irgendwie raus reden, aber diesmal hatten sie mich provoziert und mich damit aufgezogen, dass ich die letzte Aufgabe, welche ich machen musste, nicht erledigt hatte. Also sagte ich, dass ich es machen wollte. Nur diesmal dachten sie sich etwas ganz besonderes aus. Ich sollte in der Nacht auf den alten verlassenen Rummelplatz gehen. Eigentlich hatte ich nicht sonderlich viel Angst, aber dieser Park wurde aus einem ganz bestimmten Grund gesperrt.


Vor einigen Jahren,‭ ‬als ich noch recht klein war,‭ ‬ist das Riesenrad aus‭ ‬bis heute ‬unerklärlichen Gründen‭ ‬kaputt gegangen.‭ ‬Es hat während der Fahrt angefangen zu rauchen.‭ ‬Ab dem Moment verfielen alle Menschen in Panik.‭ ‬Meine Mutter nahm mich auf den Arm und rannte los.‭ ‬Über die Schulter versuchte ich noch etwas zu sehen.‭ ‬Alles was ich sah war,‭ ‬dass alle andere auch rannten,‭ ‬aber einige wenige wiederum starrten einfach nur.‭ ‬Sie starrten auf das Riesenrad,‭ ‬das von den kreischenden und weinenden Kindern besetzt war.‭ ‬Plötzlich fing es an zu schwanken und ich ahnte, dass es jeden Moment umfallen würde.‭ ‬Auch in diesem Moment schaute meine Mutter nach hinten und hielt dann ihre Hand vor mein Gesicht und versuchte noch schneller zu rennen.‭ ‬Da meine Augen bedeckt waren,‭ ‬sah ich nichts mehr außer der Schwärze.‭ ‬Aber jetzt hörte ich alles ganz genau.‭ ‬Ich hörte das Schreien und Weinen,‭ ‬das Getrampel der Menschen die weg rannten und dann hörte ich ein lautes anhaltendes Quietschen.‭ 

Nach einigen Minuten konnte meine Mutter nicht mehr weiter,‭ ‬hielt an und setzte mich auf den Boden.‭ ‬Sie legte eine Pause ein und ich versuchte noch etwas zu sehen.‭ ‬Genau in jenem Moment hörte ich ein lautes metallisches Krachen,‭ ‬welches ohrenbetäubend war.‭ ‬Das Riesenrad war umgekippt.‭ ‬Das Schreien war für wenige Sekunden verstummt.‭ ‬Dann fing es wieder an, nur diesmal fehlte das angstverzerrte Gebrüll der Kinder.

Seit dem Tag war in der Stadt alles anders.‭ ‬Es war leiser,‭ ‬man hörte noch Krach von dem Rummelplatz‭ ‬wegen dem Bergen der Opfer.‭ ‬Viele Menschen pilgerten hierher um Blumen,‭ ‬Kuscheltiere,‭ ‬Kerzen und Fotos zu dem Unfallsort zu bringen.‭ ‬Einige der "coolen" Teenager gingen dorthin,‭ ‬jedoch berichteten viele davon angeblich Geister der Opfer‭ ‬gesehen zu haben.‭ ‬Ich war kein abergläubischer Mensch,‭ ‬also dachte ich, dass es so was wie Geister nicht gab.


Doch jetzt stand ich hier vor dem Eingang des Parks,‭ ‬mit einer Taschenlampe und einer Videokamera bewaffnet.‭ ‬Meiner Mutter hatte ich gesagt,‭ ‬dass ich zu meinem Kumpel ginge und bei ihm übernachten würde.‭ ‬Außerdem war mir kalt und eigentlich wollte ich zurück,‭ ‬aber dann würden mich‭ ‬meine Freunde auslachen.‭ ‬Das Tor des Parks war geschlossen und mit einem verrosteten Schloss gesichert.‭ ‬Als ich die kalten Stangen berührte,‭ ‬um über das Tor zu steigen,‭ ‬lief es mir kalt den Rücken runter.‭ ‬Langsam kletterte ich hoch und mein Herz fing an schneller zu klopfen.‭ ‬Schließlich war ich auf der anderen Seite des rostigen Gitters und stand im Park.‭ ‬Ich schaltete die Kamera auf‭ “‬Record” und das rote Lämpchen fing an zu leuchten.‭ ‬Ich schwang die Kamera langsam durch den Park und sagte: "Hier bin ich und wisst ihr was‭? ‬Bis jetzt ist es verdammt cool hier.‭” ‬Natürlich log ich,‭ ‬aber ich konnte nicht einfach sagen, dass ich Angst hatte.‭ ‬Ich ging los und wollte zu meinem altem Lieblingskarussell gehen.‭ ‬Es war die Krake.‭ ‬Ein Karussell mit mehreren Gondeln die sich während der Fahrt hoch und runter bewegten.‭

‬Als ich ankam,‭ ‬war jede einzelne Gondel mit einer großen,‭ ‬grauen Plane überdeckt.‭ ‬Ich sagte leise genug, dass die Kamera es nicht aufnehmen konnte:‭ ”Die gute,‭ ‬alte Krake.‭ ‬Irgendwie tut sie mir schon Leid.‭” ‬Dann sagte ich lauter:‭ ” ‬Na,‭ ‬wohin soll ich jetzt gehen‭? ‬Zu dem altem Wasserscooter‭?” ‬Ohne eine Antwort ging ich schweigend los und da nichts Merkwürdiges bisher passiert war,‭ ‬fühlte ich mich sicher.‭ ‬Doch plötzlich hörte ich ein leises Kinderlachen.‭ ‬Ich fragte leise in die Kamera:‭ ”‬Habt ihr das gerade gehört‭? ‬Ich meine das Kinderlachen.‭” ‬Wahrscheinlich bildete ich es mir nur ein,‭ ‬da es schon verdammt unheimlich war.


Zielstrebig ging ich zu dem kleinen,‭ ‬extra für den Wasserscooter angelegten Teich.‭ ‬Als ich ankam und mit der Taschenlampe über den Teich schweifte,‭ ‬sah ich, dass dieser mitsamt den Scootern,‭ ‬komplett überwachsen war.‭ ‬Der See war mit Seerosen überdeckt,‭ ‬die Scooter wurden von Gras umklammert und es sah fast so aus als würden sie gleich in die Tiefe gezogen werden.‭ ‬Erneut hörte ich ein leises Kinderlachen und erschrocken stammelte ich in die Kamera: ‭”‬Ha-Habt ihr das gehört‭? ‬Ich bi-bin sicher da-das ich mir das nicht eingebildet hab‭!” ‬Kurz lehnte ich mich an das Gerüst der Brücke,‭ ‬auf der ich stand,‭ ‬um mich etwas zu beruhigen.‭ ‬Dann sagte ich mit einer gedämpften Stimme:‭ ”Okay,‭ ‬alles wieder in Ordnung.‭ ‬Ich glaube ich stehe nur unter Schlafentzug oder sowas.‭ ‬Mal sehen wohin jetzt‭? ‬Ich gehe mal zu dem umgekippten Riesenrad.‭”


Um zum Riesenrad zu kommen musste ich über die Brücke und dann an den ganzen Ständen vorbei.‭ ‬Manche waren zerstört andere nur an einigen Stellen eingeschlagen,‭ ‬aber sie wirkten alle stark von der Verwitterung geschädigt.‭ ‬Ein‭ “‬Wow.‭”, ‬kam von meinen Lippen und ehe ich mich versah stand ich vor dem Riesenrad.‭ ‬Es war rostig und hier und da sah man noch etwas Rotes kleben.‭ ‬Jedoch war nur die Hälfte zu sehen,‭ ‬da auch das Riesenrad mit einer Plane bedeckt,‭ ‬diese jedoch vom Wind fast weggeblasen war.‭ ‬Ich zoomte mit der Kamera auf einige der Gondeln und sagte dazu leise:‭ ”‬Na,‭ ‬seht ihr das‭? ‬Da ist Blut an den Gondeln.‭” ‬Ich nahm hinter mir etwas war und dreht mich langsam um.‭ ‬Ich hatte Angst und als ich mich umgedreht hatte, sah ich etwas Seltsames.‭ ‬Es war so als würde ein kleines Kind an mir vorbei gehen.‭ ‬Nur war es durchsichtig.‭ ‬Die Kleine bemerkte, dass ich sie anschaute und sah mir tief in die Augen.‭ ‬Mit meiner zittrigen Hand versuchte ich die Kamera auf das Kind zu richten,‭ ‬welches mich anstarrte.‭ ‬Auf einmal kniff es die Augen glücklich zusammen und kicherte.‭ ‬Genau jenes Kichern das ich schon einige Male zuvor gehört hatte.‭ ‬Dann ging es,‭ ‬oder mehr,‭ ‬schwebte es davon.


Mein Herz schlug so stark gegen meine Brust,‭ ‬dass ich es hören und auch fühlen konnte.‭ ‬Lange stand ich da und versuchte zu verarbeiten, was ich da gesehen hatte.‭ ‬Es war ein kleines Kind in einem Park,‭ ‬bei Nacht.‭ ‬Nein,‭ ‬ich hatte gerade kein Kind gesehen,‭ ‬sondern einen Geist.‭ ‬Und dieser hatte auch mich gesehen.‭ ‬Ich versuchte meine Hand still zu halten und sagte in die Kamera:‭ ”‬Was zur Hölle‭? ‬Habt ihr das gesehen‭? ‬Da war ein kleines Mädchen‭!” ‬Dann sagte ich nochmal leiser:‭ ”‬Hoffentlich kann man Geister überhaupt filmen.‭” ‬Dann drehte ich mich um,‭ ‬schaute wieder auf das Riesenrad und einige der Szenen die ich gesehen hatte,‭ ‬als das alles passiert war,‭ ‬schossen mir durch den Kopf.‭ ‬Ich ließ die Taschenlampe fallen,‭ ‬um mir die Schläfe zu massieren,‭ ‬doch bei dem Sturz hatte sich wohl der An-Aus Schalter gelöst und ich war verloren in der Dunkelheit.‭ ‬Hilflos und verängstigt stand ich da und sprach:‭ ”‬Verdammt‭! ‬Wo zur Hölle ist meine Lampe‭? ‬Was soll ich tun‭?!” ‬Ich fiel auf die Knie und versuchte mit dem schwachen Licht des Kameradisplays meine Taschenlampe zu finden und dann hörte ich es.‭ ‬Das Kinderlachen.‭ ‬Wieder stand das Mädchen vor mir und ich richtete mich auf,‭ ‬um einen besseren Überblick zu bekommen.‭ ‬Schlagartig fiel mir auf, dass,‭ ‬obwohl es komplett dunkel war,‭ ich sie sehen konnte‬,‭ ‬wie sie direkt vor mir stand und mich wieder mit ihrem kindlichen Lächeln ansah.‭ ‬Ich versuchte sie anzusprechen und sagte vorsichtig:‭ ”‬Hallo kleines Mädchen.‭ ‬Wie heißt du‭?” ‬Sie starrte mich verwirrt an und hob ihre Hand um auf einen Fleck in der Dunkelheit zu zeigen.‭ ‬Ich versuchte zu erkennen was dort war,‭ ‬aber es ging nicht.‭ ‬Es war einfach zu dunkel.

Ich ging einen Schritt nach vorn um zu gucken ob ich etwas erfühlen konnte,‭ ‬aber auf einmal fing sie an ohrenbetäubend laut zu schreien.‭ ‬Aber es war kein kindliches Schreien.‭ ‬Es war das Schreien hunderter Personen.‭ ‬Das Schreien der Personen die am Tag des Unfalls hier waren.‭ ‬Plötzlich fingen die Lichter der Stände an zu flackern und die der Karussells.‭ ‬Aus Schock ließ ich auch die Kamera fallen und schrie:‭ ” Scheiße‭! ‬Was passiert hier‭?!” ‬Ich hielt mir die Ohren zu,‭ ‬da meine Trommelfelle kurz vorm Platzen waren.‭ ‬Dann fiel ich auf den Boden und kauerte mich zusammen.‭ ‬Ich schrie laut:‭ ”‬Bitte hör auf‭!” ‬Nach einer gefühlten Ewigkeit wurde sie immer leiser bis das Schreien entgültig verstummt war.‭ ‬Ich weinte aus Angst und Schock und als ich sah,‭ ‬dass das Mädchen auf mich zu kam,‭ ‬realisierte ich erst,‭ ‬dass die Lichter nicht mehr flackerten und sie etwas in der Hand hielt.

Langsam stand ich auf und sah das Mädchen an,‭ ‬welches mir etwas entgegen hielt.‭ ‬Ich streckte meine Hand aus und griff vorsichtig danach.‭ ‬Als ich den kalten,‭ ‬länglichen Gegenstand in meiner Hand hielt,‭ ‬löste sie sich wortwörtlich in Luft auf.‭ ‬Nachdem sie weg war,‭ ‬bemerkte ich erst, dass sie mir meine Taschenlampe gegeben hatte.‭ ‬Das Licht ging glücklicherweise an und ich suchte nach der Kamera und nahm sie wieder an mich.‭ ‬Schnell prüfte ich, ob auch diese noch funktionierte und zum Glück tat sie es.‭ ‬Hoffend, dass sie das alles aufgenommen hatte,‭ ‬stürmte ich zu dem Eisentor des Parks.‭ ‬Jedenfalls glaubte ich das und als ich im Nichts ankam und wusste, dass mein Orientierungssinn versagte,‭ ‬fiel ich auf den Boden und heulte laut.‭ ‬Mein Arme umklammerten meine Beine und ich war völlig entkräftet.


Nach vielen Minuten,‭ ‬die ich nur mit Weinen verbrachte,‭ ‬bemerkte ich, dass mich etwas anstarrte und ich hob meinen Kopf.‭ ‬Es war wieder das Mädchen und sie hatte wieder einen verdutzten Gesichtsausdruck.‭ ‬Sie kam auf mich zu und ich bekam es noch stärker mit der Angst zu tun.‭ Eigentlich wollte ich aufstehen und wegrennen,‭ ‬jedoch war ich dafür einfach zu schwach und ich sah ihr einfach nur zu wie sie näher kam.‭ ‬Sie stand neben mir und lachte wieder,‭ ‬dass es mir kalt den Rücken runter lief.‭ ‬Dann hockte sie sich neben mich und legte ihre kleine Hand auf meinen Kopf.‭ ‬Das Gruselige war,‭ ‬dass ich die Geisterhand spürte.‭ ‬Diese war warm und liebevoll und dennoch, auf eine merkwürdige Art und Weise, kalt.‭ ‬Ihr Kopf näherte sich langsam meinem Ohr und sie flüsterte: ‭”‬Ich bin hier so allein.‭ ‬Komm mit mir.‭ ‬Komm Spiel mit mir‭” ‬Ihre Stimme war so weich und unschuldig,‭ ‬dass es mich irgendwie verzauberte.‭ ‬Erneut flüsterte sie:‭ ”‬Komm mit mir,‭ ‬damit ich nicht mehr so allein bin.‭ ‬Wir können zusammen spielen.‭” ‬Ihr Lachen wurde mit der Zeit immer süßer.‭ ‬Dann nickte ich,‭ ‬da ich zu schwach war um noch etwas zu sagen.‭ ‬Wieder fing sie an zu lachen und strich mit ihrer kleinen Hand,‭ ‬langsam über meinen Körper.‭ ‬Ab dann wurde alles schwarz.‭ 

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