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Heute habe ich mein erstes, und bisher einziges Kind zu Grabe getragen. Die Bestattung war rührend, eine in schwarz trauernde Menschenmasse, am Grab der viel zu jung Verstorbenen vereint. Es waren so viele Menschen da, alle, die meine Tochter kannten und sogar ihre ganze Grundschulklasse ist gekommen, um mit mir um sie zu trauern und mir ihr Beileid und ihre Anteilnahme mitzuteilen. Der Gesang des Kirchenchors füllte die hohe Kirche und immer wieder war leises Schluchzen zu hören, aber ich weinte nicht mehr. Dazwischen predigte der Pastor, was für ein wundervoller Mensch mein Kind gewesen sei und wie Gott sie nun bei sich habe, neben sich bei den anderen Engeln, und wie sie alle gemeinsam auf uns hinabschauten.

Meine kleine Veronique war schon immer ein wahrer Engel. Mit ihren blonden Locken, den niedlichen Sommersprossen und den, dazu stark im Kontrast stehenden, schokoladenbraunen Augen war sie das süßeste Kind, welches man sich vorstellen konnte. Die blonden Haare und den blassen Hauttyp hatte sie von mir, die Augen von ihrem Vater. Meinem Mann, der mich vor drei Jahren für immer verlassen hat. Er wurde so schwer krank, verlor seine Arbeit und konnte schließlich nichts mehr tun, als im Bett zu liegen. Ich liebte ihn noch immer, auch wenn die Krankheit ihn blass und schwach machte; und er brauchte mich, so sehr wie nie zuvor ein Mensch mich gebraucht hatte. Ich hielt immer zu ihm, gab ihm Kraft und Liebe, auch als die Ärzte ihn schließlich aufgaben. Ich war alles, was er noch hatte.

Und genau dieselbe Krankheit, welche meinen Mann nahm, hat nun auch unseren wunderschönen Engel dahingerafft. Kein Arzt hatte uns helfen können, niemand hatte eine Heilung oder auch nur eine Ursache für das Leiden meiner Liebsten gefunden. Wir waren von einem Spezialisten zum anderen geschickt worden, ich habe wohl Monate meines Lebens im Krankenhaus, neben dem Krankenbett zur Not auch auf dem Boden schlafend, verbracht. Ich musste schließlich sicherstellen, dass alle Ärzte und Pfleger das Beste taten, uns zu helfen, und dass sie nur die richtige Medizin gaben. Es hat mir wirklich alles abverlangt, so stark zu bleiben und nicht zu verzweifeln. Ich habe mich so sehr aufgeopfert, ihr zu helfen und dafür haben mich die anderen Mütter, die Bekannten und auch ihre Lehrer bewundert und zu mir aufgesehen, wie nie zuvor. Für mich war es selbstverständlich, dass ich vollkommen für sie da war. Das gehört schließlich zu den Pflichten einer Mutter, und immerhin war sie meine einzige Tochter – auch, wenn ich sie schließlich nicht gerettet habe.

Und nun habe ich also mein erstes, und bisher einziges Kind zu Grabe getragen.

Ich frage mich, was ich wohl so mit ihrem Bruder tun könnte.

BecksLaFleur

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