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Meine zukünftige Liebe,

ich weiß, du würdest es als äußerst kindisch abstempeln, wenn ich meine letzten Worte mit einem einfachen Brief verfasse, doch gibt es einiges, was du noch nicht über mich weißt und vieles… was ich versuchen muss aus meiner Seele zu schreiben.

Mir fällt es nicht gerade leicht darüber zu reden, selbst wenn es das Letzte ist, was du hören wirst. Aber ich möchte, dass du weißt, dass ich eine wahre Hölle durchlaufen habe, was Menschen angeht die mir sehr nahestanden. Besonders Menschen, denen ich alles anvertraut habe. Du weißt sicher von der Schule aus, dass ich nicht der beliebteste Junge war. Von den ganzen Schlägen und Tritten mal abgesehen, machten mir ihre Worte mehr zu schaffen als alles andere. Selbst als du mir eines Tages mit einem spöttischen Grinsen unterstellt hast, ich würde mich ritzen und unter schweren Depressionen leiden… hattest du gar nicht mal so unrecht. Aber bis zu diesem Zeitpunkt war es mit Hilfe von Antidepressiva noch halbwegs erträglich. Obgleich ich jeden einzelnen Morgen, bei dem mein Wecker mich für einen neuen inneren Tod bereitmachte, verabscheute, wusste ich, dass es keinen anderen Ausweg geben würde. Selbstverständlich könnte ich die Schule wechseln. Selbstverständlich könnte dann alles besser werden. Doch wer sagt schon, dass es auch so sein muss? Wer kann schon erahnen, dass es auf einer anderen Schule nicht schlimmer werden würde? Doch allen voran konnte ich einfach nicht fort. Ich konnte nicht, wegen dir.

Jedes Mal, wenn du in der Klasse Einladungen zu einer deiner Geburtstagspartys verteilt hast, hatte mein Herz wie wild geklopft, in der Hoffnung dabei zu sein. Und wenn dem nicht so war – wie immer – oder du so etwas bewusst vor mir verschwiegen hattest, weil du mich nicht dabeihaben wolltest, habe ich die Hoffnung nie aufgegeben. Es ist schon beachtlich, wie stark die Liebe sein kann, findest du nicht auch? Vielleicht war es auch eine der Gründe, warum ich mich so sehr verletzt fühlte, als du die Freundschaft zu mir vorgetäuscht hattest und unmittelbar nach dieser meine größten Geheimnisse rumerzählt hattest, seien sie auch noch so privat oder peinlich gewesen. Dennoch gebe ich dir nicht die Schuld, keine Angst. Ich würde einer Person, die ich liebe nie die Schuld für etwas geben, was sie in meiner Anwesenheit verbrochen haben soll. Dieses Vergehen liegt ganz bei mir. Ich habe weder klug noch taktisch gehandelt, dass gebe ich zu. Doch du musst wissen, dass mich dieser Fehler förmlich zerfressen hat. Es verging keine Nacht in der ich nicht einmal geweint habe, ohne an jenes Ereignis zurückzudenken. Ich habe diese bitteren Tränen für dich vergossen!

Ich weiß nicht, wie lange ich gebraucht habe um über diese Sache hinweg zu kommen.Vielleicht waren es Tage, Wochen oder Monate. Wohlmöglich bin ich auch überhaupt nicht drüber weggekommen, sondern habe es nur für einige Male verdrängt, um es bei einem geeigneten Augenblick mir wieder vor Augen führen zu können… Jedoch will ich, dass du nur eine Sache weißt: Auch als du mir diese gemeinen und Herzzerbrechenden Texte geschrieben hast, habe ich gelacht. Ich hoffe du erinnerst dich noch an diese verletzenden Worte, die meinem Herz einen gewaltigen Stich verpasst hatten, dennoch habe ich mit dir gelacht. Du konntest es nicht sehen oder hören, aber ich habe gelacht, weil ich wusste, dass ich es dir nicht übelnehmen konnte. Und auch nicht würde.

Selbst als du mich zusammen mit deiner coolen Clique auf einer einsamen, dreckigen Schulbank hast sitzen sehen und mit weiteren gehässigen Sprüchen an mir vorbeigezogen bist, während die anderen gelacht haben, musste ich schmunzeln. Ich muss schon verrückt sein, um das folgende zu behaupten, aber ich fand es irgendwie süß. Mir ist inzwischen langsam bewusst geworden, dass du nie etwas für mich empfunden hast, aber damals noch, erfüllte sich mein Herz mit Freude dich Lächeln zu sehen, umso schmerzhafter war es für mich, wenn jenes Lächeln allein durch meine Anwesenheit erstarb. Zu sehen, wie dein wunderschönes Lächeln binnen weniger Sekunden in hängende Mundwinkel überging, brach mir das Herz. Wenn auch zum tausendsten Mal. Doch keines dieser Brüche war so intensiv, wie jener, den ich damals verspürt hatte.

Um alles in der Welt wollte ich sowas nie wieder erleben wollen. Ich wollte dir zeigen, wie sehr es mir wehtat, dich so zu sehen. Aus diesem Grund habe ich damals allen Mut zusammengenommen und dir ein Geschenk überreicht. Was denn? Fandest du an dem abgetrennten Kopf deines Freundes nicht gefallen? Dein Schrei zeugte jedenfalls nicht von erwarteter Freude… Dabei hätte er dich doch sicherlich verletzt, verstehst du das nicht? Es ist wirklich seltsam, dass du all meine Hilfe nie zu würdigen wusstest. Nicht zuletzt, solltest du dich doch freuen, als ich mir dein Körper nahm und es zu meinem eigenen kleinen, perfekten Gemälde zusammengebastelt habe. Meiner Meinung nach, stehen dir die Narben, die fehlenden und zerstückelnden Körperteile einfach perfekt. Selbst dein Kopf, den ich mir nach langer Überlegung zu meinem eigen machte, um Nachts mit dir zu kuscheln, sieht mit dem blassen Gesicht und den leeren, weißen Augen einfach traumhaft aus. Ich bin überaus froh, dass die Gefängniswärter nach einer langen "Diskussion" sich doch dazu entschieden haben wenigstens deinen Schädel bei mir zu lassen.

So bereitet es mir eine ungeheure Freude deine spröden und kalten Lippen zu küssen, wenn ich in der Nacht wieder einmal einen Alptraum habe. Mein Gesicht in dein fettiges Haar zu legen, wenn ich mal wieder deinen fauligen Geruch vernehmen will, ist eine weitere Intention dazu, dich bis ins Verwesungsende in meinem Armen halten zu wollen.

Ich hoffe du kannst mir diese eine Tat verzeihen. Bald komme ich dich besuchen.

In Liebe

J.K.


Geschrieben von: BlackRose16 (Diskussion) 18:19, 26. Mai 2017 (UTC)

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