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Es war dunkel und kalt, als Taylor durch den Wald lief, seinen besten Freund Joe suchend. »Joe? Wo bist du!?« Seit Tagen war er verschwunden, das einzige, was man fand, waren Spuren aus Blut, die zu dem Wald führten. »Bitte, wo bist du?« flüsterte er leise, während er langsam zu Boden sank. Er war übermüdet von all dem, was in letzter Zeit in seinem Leben geschah. Die Tatsache, dass alle Menschen um ihn rum starben oder verschwanden, dass er nicht mehr schlafen oder sich konzentrieren konnte, warum passierte ihm das? Wieso wurde er alleine gelassen? Was hatte er jemals getan? Diese Fragen, welche in seinem Kopf herumschwirrten und ihm kihm eine Ruhe ließen, sie waren der Grund. Der Grund, weshalb er das Gefühl hatte, den Verstand zu verlieren. »Joe?!« schrie er. Er schrie diesen Namen, als würde es um sein eigenes Leben gehen, und vielleicht ging es das auch. Sie kannten sich schon immer, sie hatten sich geschworen, sich niemals alleine zu lassen. Hatte Joe dieses Versprechen gebrochen? Doch wieso sollte er das tun? Ohne den jeweils anderen waren beide nichts, nur ein Häufchen Elend. Sie waren voneinander abhängig, doch irgendetwas veränderte Joe, irgendetwas oder irgendwer veränderte alles. Doch war es wirklich Joe, welcher anders war, oder war es doch Taylor?

Er hatte einfach keine Kraft mehr, und so schlief er langsam auf dem kalten Boden des Waldes ein, den Wind und die Kälte ignorierend, darauf hoffend, nicht mehr aufzuwachen, nie wieder aufzuwachen. Als der Mond verschwand und der Sonne am Himmel Platz machte, öffnete er langsam wieder seine Augen, immer noch tief im Wald gefangen und immer noch alleine. Als er sich umsah, bemerkte er jedoch, dass sich die Büsche und das Moos um ihn rum noch mehr verdichtet hatten, oder konnte er es letzte Nacht einfach nicht so gut sehen, da es schon dunkel war?

Ohne einen weiteren Gedanken daran stand er auf und klopfte sich den Dreck von seiner Kleidung. Mit schnellen Schritten verließ er den Wald wieder, darauf hoffend, dass sein bester Freund, oder anders gesagt, seine bessere Hälfte gefunden wurde. Den Blick stets auf die Umgebung gerichtet lief er hinaus, er analysierte alles, alles, was er sah, von jedem zerbrochenen Ast bis zu den Bemalungen an den Bäumen, doch es war nichts Auffälliges an ihnen zu erkennen. Als er den ersten Schritt auf den Beton tat und Richtung Stadt lief, hätte er schwören können, von einigen Passanten komisch angestarrt zu werden, ignorierte dies jedoch. Er öffnete die Tür zu der großen Wohnung, welche er sich mit seinem besten Freund teilte; weiterhin die Blicke auf sich spürend, ging er rein und verriegelte die Türe.

Erleichtert atmete er aus und ließ sein Augenpaar durch die abgedunkelte Wohnung gleiten, vielleicht war der Jüngere von ihnen zurückgekehrt, doch nichts war anders als bei dem letzten Mal, wo er die Wohnung verlassen hatte. Er setzte sich auf seiner Couch nieder und dachte nach, an jene Worte, welche sein Freund von sich gab, bevor er verschwand.

»7 ist meine Lieblingszahl«, das war es, die letzten Worte, oder der letzte Satz, Taylor wusste immer noch nicht, was dies zu bedeuten hatte, doch er wusste, dass Joe ihm etwas sagen wollte. Niemals hätte sein Kumpel etwas so Unbedeutendes einfach so gesagt, doch das war nicht das Seltsame. Joe war still und hörte einem zu, er war offen und liebevoll, zur gleichen Zeit jedoch war er ernst und redete nicht viel, vor allem lachte er wenig, doch als Joe diese Worte von sich gab, starrte er Taylor an; er starrte ihm mit seinen hellen, blauen Augen direkt in die Seele, dann fing er an, wie verrückt zu lachen und ging schnell aus dem Raum raus. Taylor wusste, dass etwas nicht stimmte, da es jedoch schon Abend war, wollte er ihn am nächsten Tag darauf ansprechen und ihn jetzt erstmal alleine lassen. Wäre Joe noch hier, wenn Taylor mit ihm geredet hätte? War es also seine Schuld?

Lange blieb er so sitzen und begutachtete die Wand, welche sich gegenüber befand, lange dachte er nach und kam dann zu dem Entschluss, nochmal in Joes Zimmer zu gehen, vielleicht hatte der Jüngere ihm etwas hinterlassen. In dem Zimmer angekommen konnte er viele Bilder erkennen, die meisten von Taylor und ihm, auch Bilder mit anderen Freunden und seiner Familie. Ohne auch nur nachzudenken, lief Taylor geradewegs zu Joes Schreibtisch, dort lagen einige Notizblätter, die meisten waren nur Übungsblätter für Mathe oder andere Schulfächer. Taylor nahm alle diese und legte sie zur Seite, auf dem Tisch konnte er einige Kratzspuren erkennen, doch dies überraschte den Älteren nicht, er konnte oft in der Uni beobachten, dass, wenn Joe nachdachte, er mit den Fingern über das Holz kratzte. Doch irgendetwas in dem ganzen Raum schien ihm komisch, die Aura, welche in der Luft lag, war anders, sie war nicht so ruhig, wie er es eigentlich kannte.

Er schaute sich im ganzen Raum um, doch konnte er nichts sehen, was ihm helfen würde, Joe zu finden, er entschloss sich also noch ein letztes Mal die Notizen, welche der Junge angefertigt hatte, anzusehen. Nach einigen Minuten, in denen er sich einfach nur die Einträge angesehen hatte, fiel ihm auf, dass auf einem der Blätter, unten an der Seite, 7 Namen geschrieben waren.

Bei genauerem Hinsehen konnte er die Namen aller derer erkennen, welche zuvor verstarben und verschwanden, einschließlich Joes. Ein Schock über kam ihn, und schnell warf er diese Blätter auf den Boden. Er rannte aus dem Haus, die hell erleuchteten Straßen entlang. Die verwirrten Gesichter der Menschen, an denen er vorbeifegte, ignorierte er. Eine Wut machte sich im ihn breit, Joe wusste es, Joe wusste, dass er der Nächste war, und sagte ihm nichts. Warum? Sie waren doch beste Freunde, oder?

Taylor verlangsamte sein Tempo und lief nun in Schrittgeschwindigkeit die Straßen entlang; kurz erhob er seinen Blick und schaute in eines der Schaufenster hinein. Die Klamotten, welche er nun begutachtete, interessierten ihn zwar wenig, dennoch musste er sich ablenken. Bei genauerem Hinsehen konnte er sich selbst wahrnehmen, jedoch sah er nicht aus wie der normale Taylor, nein, er grinste und seine Augen waren weit aufgerissen, diese waren leer und zeigten keinen einzigen Ausdruck, in seiner Hand konnte er ein Messer erkennen, welches blutüberströmt war, seine beiden Hände hatten auch eine rote dickflüssige Substanz an sich. Verwirrt blinzelte er, doch bei dem nächsten Hinsehen sah er sein normales Ich vor sich.

Irritiert von dem, was gerade geschehen war, lief er weiter, wie von selbst trugen ihn seine Beine Richtung Wald. Genau an die Stelle, wo Joe das letzte Mal gesehen wurde; ein Lächeln machte sich auf Taylors Gesicht breit, wieso, konnte er selbst nicht sagen, es geschah einfach. Als er eine längere Zeit auf die Stelle sah, konnte er für einen kurzen Moment, sogar weniger als eine Sekunde, den kleinen zierlichen Körper seines ``Freundes`` vor sich sehen. Wie er dort lag, Blut aus seiner Brust strömend und mit ängstlichen, großen Augen.

Dies war er, der Moment, an dem Taylor alles klar wurde.

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