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Dunkelheit...

Ich wusste nicht, wie lange ich nun schon gefesselt auf dieser Liege lag. Der Pestarzt (so nannte ich ihn mittlerweile) war noch nicht zurückgekehrt und auch sonst war das Krankenhaus totenstill. Man hatte meinen können, ich hätte mir das alles nur eingebildet, doch dann wäre ich nicht auf dieser Liege festgeschnallt. Ich versuchte seit Stunden mich mit aller Kraft zu befreien, doch es gelang mir nicht. Die Riemen waren zu stabil. Ich hatte eigentlich schon aufgegeben und mein Schicksal akzeptiert, da öffnete sich die Türe und das Licht ging an.

Ich kniff instinktiv die Augen zusammen und brauchte eine Weile um mich an das Licht zu gewöhnen. Nachdem ich wieder sehen konnte, erkannte ich, dass die beiden Kreaturen den Raum betreten hatten. Sie kamen auf mich zu und pressten meinen Brustkorb herunter. Ich wehrte mich kaum noch. Der Arzt betrat den Raum.

,,So, mein Schatz. Ich habe da etwas für dich."

Ich ahnte schon nichts Gutes und sah etwas in der Hand des Doktors aufblitzen. Ein Messer?

,,Nein! Nein! Lass mich in Ruhe!", schrie ich und versuchte erneut mich zu befreien. Die Kreaturen drückten mich noch fester herunter und ich hatte keine Chance mehr mich zu bewegen.

Der Pestarzt zerriss mein Oberteil und hob seine rechte Hand. ,,Eine Spritze...", stellte ich erschrocken fest. Ich hatte seit jeher Angst vor Nadeln. Er holte aus und rammte mir die Spritze zwischen die Rippen. ,,Auuuu!", schrie ich und angetrieben von dem Schock, schaffte ich es irgendwie, die Riemen an meinen Handgelenken abzureißen und den Arzt und seine Kreaturen zu überrumpeln. Reflexartig entfernte ich die Riemen an meinen Fußknöcheln und torkelte aus dem Raum.

,,Hinterher!'', hörte ich die knarzige Stimme des Doktors.

Ich fühlte mich sehr seltsam. Wer weiß, was mir der Maskierte da gespritzt hatte. Ich erkannte den Durchgang zur Wendeltreppe und ging darauf zu. Zu schnell, wie sich herausstellte. Ich fiel die Treppe herunter und schlug mir mehrfach den Kopf auf.

Blutend und total benebelt lag ich am Fuße der Treppe. Ich stand unsicher auf und wankte desillusioniert auf eine weitere Treppe zu, welche ich verschwommen wahrnahm. Ich schleppte mich, schwach wie ich war, die Treppe herunter und fand mich in einem Kellergewölbe wieder.

Ich versuchte mich noch zu orientieren, doch ich konnte kaum noch etwas sehen. Alles verschwamm ineinander und kurz darauf kippte ich um. ,,Da bist du ja, mein Schatz. Ich hatte mir schon Sorgen um dich gemacht.", hörte ich noch den Doktor sagen und kurz darauf dämmerte ich langsam weg.

Einige Stunde später...

,,Herr Doktor? Was hat dieser Patient genau?", fragte der neue Assistenzarzt.

,,Nun, das wissen wir selbst noch nicht genau. Die Nachbarn des Mannes hatten vor einigen Tagen die Polizei alarmiert, da sie Schreie aus der Wohnung des Patienten hörten. Immer Nachts und immer zu ähnlichen Uhrzeiten. Die Beamten versuchten auf normalem Wege in die Wohnung zu gelangen, doch der Herr reagierte nicht darauf. Aus der Wohnung waren nur Schreie und Gepolter zu hören, so dass die Polizisten sich gezwungen sahen, die Wohnung des Mannes aufzubrechen. Sie fanden ihn total aufgelöst und unzurechnungsfähig vor. So weit wir bisher wissen, leidet dieser Mann seit Jahren unter extremen Schlafstörungen. Durch den exzessiven Schlafmangel scheint er eine Schizophrenie entwickelt zu haben, welche mit Halluzinationen und Wahnvorstellungen einhergeht. Er nimmt die Realität anscheinend extrem verzerrt auf und scheint mich für einen Arzt aus der Zeit der schwarzen Pest zu halten. In Ihnen und dem Kollegen Berger scheint er groteske Kreaturen zu sehen."

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,,Dann ist es ja kein Wunder, dass er so latent aggressiv und verstört reagiert."

,,Das ist richtig. Wir haben ihm ein starkes Beruhigungsmittel gespritzt und ihn erst mal in einer Weichzelle untergebracht, bis er sich wieder etwas beruhigt hat. Dann fahren wir mit der Behandlung fort."

...

Ich brauchte extrem lange um wieder richtig zu mir zu kommen. ,,Ugh", stöhnte ich. Ich sah mich um. ,,Was ist das nun wieder?", fragte ich mich. Ich befand mich in einem geschlossenen, kleinen Raum. Er war komplett leer und auch eine Tür konnte ich nicht ausmachen. ,,Lasst mich hier raus!", schrie ich. Plötzlich fühlte ich ein kribbeln auf der Haut. ,,Was ist das?", wimmerte ich. Auf einmal platzte meine Haut auf und lauter Insekten brauchen daraus hervor. ,,Was habt ihr mit mir gemacht?!", brüllte ich.

,,Doktor! Der Patient rastet völlig aus!"

,,Folgen sie mir. Beide."

Die Assistenzärzte folgten dem Doktor, leicht nervös. Dies war ihr erster Fall mit einem solchen Patienten. Gemeinsam betraten sie die Zelle.

,,Nein! Nicht Sie und Ihre scheußlichen Kreaturen!"

,,Beruhigen Sie sich, Herr Marek."

,,Gehen Sie weg, verdammt!"

,,Herr Berger, Herr Kneist, fixieren Sie den Patienten."

,,Ja, Herr Doktor.", sagten die Jungspunde und griffen den Patienten an den Schultern.

,,Nehmt eure dreckigen Klauen weg!", schrie er.

,,Ich komme sofort wieder. Wir brauchen das Beruhigungsmittel. Kümmert euch um ihn.", sagte der Doktor und hastete aus dem Raum. So schnell er konnte, besorgte er eine Ampulle des stärksten Beruhigungsmittel, welches in der Anstalt vorhanden war.

Der Arzt eilte durch die Gänge, zurück zur Zelle.

,,Was ist denn hier passiert?!", fragte er die Assistenzärzte.

,,Herr Doktor, er hat sich mit aller Kraft gewehrt. Wir hatten Schwierigkeiten ihn unter Kontrolle zu bekommen, doch urplötzlich regte er sich nicht mehr."

,,Lassen sie mich zu ihm.", sagte der Arzt besorgt und schob die Neulinge beiseite.

,,Kein Puls...keine Atmung...er ist tot."

...

Der spätere Obduktionsbericht zeigt, dass der Patient Marek vor Erschöpfung zusammengebrochen ist. Seine Schlaflosigkeit, in Kombination mit seinen Wahnvorstellungen und dem extremen, psychischen Stress, welchem er ausgesetzt war, führte zu einem vollständingen Zusammenbruchs seines Kreislaufs. Die Beisetzung findet am 24. des nächsten Monats statt.

Er ruhe in Frieden.

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