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"Scher dich hier bloß weg, du kleiner Bastard!" Bearbeiten

Ein Teller verfehlte nur knapp den Kopf des Jungen und zersprang an der Wand. Das war sein Vater. Er ließ seine Wut mal wieder an ihm aus, so wie jeden Tag. Aber das störte ihn nicht. Er musste jetzt zur Schule. Zu ihr. Das Mädchen mit den goldenen Locken und den unglaublich grünen Augen.

Nebinot drückte sich die Schultasche seufzend an die Brust, als er an sie dachte. Lecissia, der Name schmolz ihm wie Butter auf der Zunge. Sie war das freundlichste Mädchen, das er je gesehen hatte. Ganz anders als die anderen. Anders als die, die ihn nur verächtlicht anstarrten. Allerdings konnte er es ihnen auch nicht wirklich verübeln. Wer war er schon, er Nebinot, mit dem komischen Namen, den schwarzen Augen und der unheilvollen Ausstrahlung, die jeden abschreckte? Selbst sein eigener Vater konnte ihn nicht leiden.

"Hey, Nebinot, noch da?"

Eine Hand wedelte vor seinem Gesicht herum. Sie gehört zu Trace Callahan, dem einzigen Freund, den er auf der Schule hatte.

"Hm", machte Nebinot nur und schob die Hand energisch weg. Jetzt war der Moment gekommen! Auf die Sekunde genau bog Lecissia um die Ecke, ihre Haare glänzten, ihre Augen leuchteten, ihr Rock schwang um die Beine. Sie stellte sich vor ihr Schließfach, um die Bücher zu holen. Und Nebinot merkte, dass er nicht konnte. Er konnte nicht zu ihr hingehen. Was, wenn sie sein Aussehen nicht mochte? Was, wenn er etwas Falsches sagte?

"Du musst mir helfen!", er stupste Trace an und nickte in Lecissias Richtung.

Trace lachte. "Was? Traust du dich etwa nicht?"

"Könntest du bei ihr ein gutes Wort für mich einlegen?", bettelte Nebinot.

Trace schenkte ihm ein breites Grinsen und ging los. Nebinot beobachtete, wie er sich neben Lecissia lässig ans Schließfach lehnte. Die beiden sprachen miteinander. Verstehen konnte er nichts, dafür waren sie zu weit weg. Selig lächelnd machte er sich auf den Weg zum Klassenraum. Jetzt würde alles gut werden!

Die Schule war vorbei und Nebinot war auf dem Weg zu Trace, um ihn zu fragen, wie es gelaufen war, als er ein Kichern hinter einem der Büsche hörte. Nun gut, das war der alte verlassene Spielplatz und viele Pärchen kamen nachmittags hierher, aber er konnte dieses ungute Gefühl einfach nicht abschütteln. Vorsichtig schlich er sich an die Buschreihen heran und spähte durch die Äste. Was er sah, verschlug ihm dem Atem. Denn hinter den Büschen war nicht einfach nur ein Pärchen. Es waren Trace und Lecissia. Ihre Hand lag an seinem Gesicht, seine auf ihrem Dekolleté. Nebinot rannte, so schnell er konnte, es war ihm egal, ob sie ihn nun gehört hatten.

Die nächsten Wochen waren schwer für Nebinot. Es machte ihn krank, jeden Tag das Liebesglück von Trace und Lecissia ansehen zu müssen, und sein Vater wurde zunehmends aggressiver. Eines Tages erhielt er jedoch von der Direktorin die Nachricht, dass Lecissia tot war. Sie war überfahren worden, ein betrunkener Autofahrer hatte sie erfasst. Nun hielt er es nicht mehr aus. Nebinot lief in den Wald, tief, sodass niemand ihn finden würde. Er zog sich Hemd und Jacke aus und legte sich in den frischen Schnee. Die Kälte schmerzte auf der nackten Brust, doch es war ihm egal. Alles war seine Schuld. Wäre er Lecissias Freund gewesen, hätte er sie beschützen können. Und wenn sie in diesem Leben nicht zusammensein konnten, dann eben im Himmel.

Trace blickte traurig aus dem Fenster. Seine Freundin war tot, sein bester Freund erfroren.

"Welchen Sinn hat das alles eigentlich noch?", murmelte er.

"Den, dass ich mich an dir räche!"

Schockiert blickte der Junge sich um. Das war doch die Stimme von...

"Ja, Trace ich bin es."

Und dann sah er ihn. Nebinot schwebte direkt vor ihm. Doch es war nicht der Nebinot, den er kannte. Seine Haut war weiß wie der Schnee, in dem er erfroren war. Die Augen auch, bis auf die Pupillen, die sich wie zwei Stecknadeln in Trace bohrten. Sein Mund war eine entstellte Fratze, die Lippen waren durch eine Kaltverbrennung geschmolzen. Er ähnelte mehr einem Geist als einem Menschen.

"Was willst du?", fragte Trace wimmernd.

Sein ehemaliger Freund lachte so klirrend, wie Eiszapfen. "Dir wehtun. So wie du mir, als du dich an Lecissia rangeschmissen hast. Als du sie sterben lassen hast! Als du sie mir für immer weggenommen hast!"

Nebinot stürzte auf ihn zu und versenkte die Hände in seiner Brust. Sie gingen durch Trace hindurch, es waren keine körperlichen Hände. Doch er fühlte eine Kälte in sich aufsteigen, die erbarmungslos in jeden Winkel seines Inneren kroch. Sie zog sich um sein Herz zusammen. Nebinot lachte grausam, ballte die Hand zur Faust und Traces Herz zerbarst in tausende Eissplitter!

Zufrieden, sein Werk vollendet zu haben, entschwebte Nebinot in die Nacht. Er konnte überall hin, zu jedem. Wenn euch kalt wird, ist es wahrscheinlich schon zu spät!

Nebinot

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