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Habt ihr ein Wort, dass euch eine Gänsehaut des Wohlbefindens über den Körper jagt, sobald ihr es aussprecht? Bei mir ist es Nein. Ich mag das Wort Nein. Es ist simpel und doch so aussagekräftig. Es ist eine Aussage und Begründung in einem. Egal wie man es betont, es bleibt eine Aussage für sich. Deswegen verstehe ich Menschen nicht, die kein Nein akzeptieren können! Wenn man eine Frage stellt, muss man doch mit einem Nein rechnen, oder? „Darf ich was von deinem Kuchen?“ - „Nein.“ - „Aber warum nicht?“ Es wurde doch Nein gesagt! Hör auf, so dumm zu fragen, und akzeptiere das, du Wichser!

Ihr versteht, worauf ich hinaus will, oder?

Sehen wir uns mal die Schreibweise an. Zwei Konsonanten und zwei Vokale. Die perfekte Harmonie. Die Konsonanten rahmen die Vokale ein, die auch noch alphabetisch geordnet sind! Im Grunde gibt es sogar einen unsichtbaren Zusatzvokal, denn man spricht es ja „Nain“ aus. Ein Gratis-A! Ist das nicht wunderbar? Ich hasse Ja-Sager. Menschen, die zu allem und jedem Ja und Amen sagen, sind widerliche Lügner. Und dazu sieht das Ja nicht mal gut aus. Nur Nein-Sager sind die wahren Könner dieser Welt. Das Nein-Sagen ist meine Regel und Maxime. Ich habe mich dieser verschrieben. Sie ist toll und erfüllt mich mit Stolz und Zufriedenheit. „Können Sie mir helfen?“ - „Nein.“

Und schon gehe ich meiner Wege und bin glücklich. Warum Menschen nach einer Frage kein Nein akzeptieren können, ist mir fraglich. Und aus Höflichkeit werde ich sicherlich nicht Ja sagen und dieses dreckige Wort in den Mund nehmen, pfui! Es ist auch so herrlich einfach, das auf die Gesellschaft anzuwenden. Man kann sich von jeder bösen Tat fernhalten und ein friedvolles Leben leben. Letztens zum Beispiel klingelte die Polizei bei mir.

„Entschuldigung“, sagte der Beamte, „letzte Nacht wurde ein Fahrradfahrer hier in der Gegend niedergeschlagen und schwer verletzt. Haben Sie etwas mitbekommen?“ Ich sagte Nein, wie immer. Die Polizisten gingen und ich schloss die Tür. Seht ihr, wie leicht mir mein Nein das Leben gemacht hat? Mit einem einfachen Nein kann man sich nicht in Lügen verstricken. „Nein, aber...“ ist natürlich schwieriger. Ich hätte ja auch sagen können, dass mein verhasster Nachbar Radfahrer hasst und gern nachts unterwegs ist. Dann hätte mein „Nein, aber mein Nachbar.“ ihn in Schwierigkeiten gebracht. Aber mich auch. Vielleicht hätte ich aussagen müssen, mich in Widersprüche verstrickt. Ihr seht, wo das hinführt, oder? Hätte ich jedoch Ja gesagt, hätte ich zugeben müssen, dass ich ebenso Fahrradfahrer hasse, besonders die, die ohne Licht fahren. Ja, Herr Polizist, ich habe den Mann runtergeschubst und ihm mit einem Stein den Schädel blutig geschlagen. Ja, ich komme mit. Seht ihr? Pfui Pfui Pfui. Kommen wir nochmal zu Regeln. Ich habe mir, wie bereits erwähnt, Regeln gesetzt. Also immer, wenn ich etwas vorhabe, stelle ich mir eine Frage im Kopf, und sobald ich diese mit Nein beantworten kann, lasse ich es. Schön einfach.

Ihr wollt ein Beispiel? Letztes Jahr zog eine junge Dame mit ihrem Mann und ihrer Tochter in das Nachbarhaus. Sie sind ganz nett, die Tochter jedoch, sie ist um die zwanzig, ist besonders interessant. Ich würde sie gern näher kennenlernen, aber ich sehe in ihren Augen, dass sie mich seltsam und abschreckend findet. Kann man nicht ändern. Sie ist jeden Tag von Eins bis halb Zwei allein zuhause, bevor sie zur Arbeit fährt. Also stellte ich mir die Frage:

Soll ich rübergehen und einbrechen? Nein.

Soll ich sie überraschen und niederschlagen? Nein.

Soll ich sie fesseln und knebeln und in ihrem eigenen Keller verstecken? Nein.

Soll ich abends wiederkommen und sie in mein Haus holen? Nein. Soll ich sie gefangen halten und kennenlernen, bis sie mich liebt? Nein.

Soll ich sie entsorgen, sobald ich ihrer überdrüssig werde? Nein.

Ihr seht, ganz einfach.

Aber was soll ich sagen? Jetzt, da ich im Schutze der Dunkelheit zu ihrem Haus schleiche, um sie aus dem Keller zu holen, bin ich froh, dass ich mir auch eine andere Frage gestellt habe.

Sollte ich mich immer an Regeln halten? Nein.