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Zitternd saß ich auf dem Boden.  Ich konnte sie hören. Die Schreie. Die qualvollen und schrillen Schreie, die sich durch die kahlen Wände hindurch drängen und sich ihren Weg in mein Ohr bannten. Instinktiv hielt ich mir meine Ohren zu. „Es soll aufhören!“, brüllte ich in Gedanken. Meine Nerven lagen blank. Mein Geist war zerstört. Langsam drehte ich meinen Kopf zu meinem Sitznachbarn. Auch wenn man es ihm nicht ansah: Er hatte große Angst. Wer hätte denn nicht Angst in einem engen und spärlich beleuchteten Raum zu sitzen und an Stühlen gefesselt auf seinen Tod zu warten? Dabei musste man anderen dabei zuhören, wie ihnen qualvoll mit einer Zange sämtliche Zähen herausgerissen wurden oder wie einem mit einem Bohrer, das Hirn püriert wurde… Bei diesem Gedanken würgte ich den Mageninhalt hoch. Nur mit Mühe konnte ich dem Brechreiz wiederstehen und schluckte das säuerliche, schleimige Zeug wieder herunter.

Um mich abzulenken begann ich ein Gespräch mit meinem Nachbarn, der durch das spärliche Licht ein ziemlich blasses Gesicht hatte. Meines würde nicht viel besser aussehen, dachte ich. „Kannst du mir deinen Namen verraten?“, begann ich das Gespräch vorsichtig. Ich war nie ein sonderlich kommunikativer Mensch gewesen und hatte mich auch nie für meine Umwelt interessiert. Wahrscheinlich waren dies einer der Gründe, warum ich zu dem geworden bin, was die Menschen am meisten fürchteten. „Brian“, ertönte ein leises Flüstern von der Seite aus. Ich nickte. Wieder herrschte zwischen uns Schweigen. Das einzige, was jetzt noch lauter war als zuvor, war das Kreischen des Opfers zusammen im Einklang mit der Bohrmaschine… Wir starrten uns beide an. Musterten einander prüfend. Brian hatte etwas in seinen Augen, was seinen inneren Zustand ausstrahlte. Es war purer Wahnsinn. Seine Pupillen waren ganz klein und seine hellblauen Augen so unnatürlich blass, als stünde er unter Drogen. „Was ist?“, fragte er plötzlich und ich zuckte leicht zusammen. Zu sehr war ich in seine Augen vertieft gewesen.

„Warum bist du hier?“, stellte ich schnell eine Gegenfrage und ignorierte seinen irritierten Blick. „Weil Mörder wie ich und du hier hingehören.“, antwortete er, als wäre es das normalste auf der Welt. Ja, sicher. Es war absolut natürlich für seine grausamen Taten gefoltert oder gar getötet zu werden! „Nein. Ich meine… Was hast du getan, dass sie dich hierhergebracht haben?“ Wagte ich einen Neustart. Für einen kurzen Moment runzelte mein Partner seine Stirn. Er schien zu überlegen, was vorgefallen war. „Ich… habe einen Menschen brutal zerstückelt und seine Einzelteile in einen See geworfen. Und bei dir?“ Dafür, dass ich nicht gerne und auch nicht viel mit Menschen sprach entwickelte sich das Gespräch besser als ich erwartet hatte. „Auch ich habe einen Menschen verstümmelt. Allerdings habe ich seine Einzelteile und seine Organe in einen Fleischwolf zerkleinert und aufgegessen.“ An die Erinnerung daran musste ich grinsen. Es war eine gute, alte Freundin von mir gewesen, der ich so etwas angetan hatte. Eigentlich mochte ich sie sehr. So sehr, dass wir eine Beziehung hatten. Ich war überglücklich gewesen und hatte mein Desinteresse meiner Umgebung gegenüber schon fast vergessen, bis ich sie eines Tages im Café mit einem anderen sah. In der Nacht darauf hatte ich meinen Racheplan dann in die Tat umgesetzt. Ach, das war so ein befreiendes Gefühl gewesen, mit anzusehen, wie sie mit durchgeschnittener Kehle dalag und hilflos - wie ein Fisch an Land – herumzappelte und vor Schmerzen krümmte. Es überdeckte den Schmerz, den ich empfunden hatte und ließ stattdessen Freude aufkommen. Freude über ihren gewünschten Tod!

Brian musste bemerkt haben, dass ich wie ein Honigkuchenpferd vor mich hingrinste, denn auch er tat dasselbe. Der Gedanke daran, einen verhassten Menschen getötet zu haben, brachte uns bald darauf zum Lachen. Dieses Lachen übertönte die Geräusche von außen und ließ uns unsere Angst vergessen. Wir erzählten uns gegenseitig, wie sehr wir unsere Opfer gehasst hatten und wie viel Spaß es uns gemacht hatte sie leiden zu sehen. Doch bald darauf verstummte unser Gelächter und mit ihr, die Folternden Laute, die unsere Seelen zerrissen hatten. Kalter Schweiß rannte meinen Rücken hinunter und tropfte leise auf den Boden, während die immer wieder hallenden Schritte sich vom Flur aus zu uns nährten. Ein letztes Mal drehte ich mich zu Brian um. Sein Blick und sein Gesicht waren genau wie zuvor auch: Glasig und totenbleich. Er öffnete seinen Mund um etwas zu sagen, doch noch im selben Moment öffnet sich die schwere Metalltür und ein dürrer Mann mit weißem Kittel und einer Hornbrille trat hervor. Suchend lief sein Blick durch den Raum, bis er an meinem haften blieb.

„Du bist der Nächste“, gab er mit einer kühlen, monotonen Stimme bekannt. Dabei zeigte er mit einem Finger auf mich. Wie auf Befehl kamen zwei Schwestern herbeigeeilt, entfernten die strammen Fesseln und führten mich fort. Fort von meinem Nachbarn, der mein Freund hätte sein können, weil er so dachte und handelte wie ich. Ziemlich unbequem setzten sie mich auf einen Stuhl und machten meine Hände und Beine wieder mit Fesseln fest, diesmal strammer als zuvor. Nachdem sie ihre Arbeit erledigt hatten, entfernten sie sich von dem Schauplatz. Dieser Moment sollte nur mir und dem Arzt gehören… Mit einem breiten Grinsen im Gesicht, so dass man seine verfaulten, gelben Zähne sah, holte er einen Bohrer hervor. Das schrille Surren der Maschine und die Metallspitze die sich sehr schnell drehte, machten mir keine Angst mehr. Nein ich hatte keine Angst mehr, weil ich wusste, dass ich nicht mehr alleine war. Ich hatte einen Freund gefunden, der mich verstand. Der dasselbe an Hass und Verachtung fühlte wie ich. Also… wovor sollte ich noch Angst haben? Mit einem lauten Lachen sah ich zu, wie sich der Bohrer langsam nährte und spürte wie er Stück für Stück in meinen Schädel eindrang.  


Geschrieben von:   BlackRose16

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