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Das Gummi seiner dreckigen und abgelaufenen Stiefel quietschte, als er über die Wurzel eines alten und groß gewachsenen Baumes stolperte und gradewegs in dem Schlammigen und von Maden befallenen Blättern überzogenen Waldboden landete. Hustend drückte er sich wieder weg von der nassen Erde und rieb sich seine mit Dreck verschmutzen Hände an der mit Löchern überzogenen Jeans ab. Er wechselte die Schulter an der er das Gewehr hängen hatte und lehnte sich an den bemoosten Stumpf in seiner Nähe. Sein Herz hämmerte wie wild gegen seine Rippen und seine vom Rauchen und trinken geschändete Lunge tat ihr Bestes, die kalte und vermoderte Luft herein zu lassen, als er wie wild keuchte und sich die Brust hielt.

Er hörte sie, sie kamen näher! Ein Moment des Schocks durchfuhr seinen Körper und lähmte ihn, so war es wohl besser, denn das laute Atmen hätte ihn verraten. In seiner Brust kämpfte die Angst von ihnen entdeckt zu werden gegen den tiefen willen einzuatmen. „Wo ist er hin? Wo nur? Warum?“ Die Schreie der hohen Stimmen waren durcheinander und panisch. Er betete, dass diese Stimmen ihn nicht finden würden, diese Stimmen von einem Mädchen und einem Jungen. Er versuchte sich ein wenig zu beruhigen, nur mit halben Erfolg. Langsam normalisierte sich seine Atmung, doch er wusste, dass sie ihn finden würden, wenn er hierbliebe und das durfte nicht passieren. Würden sie ihn finden könnte er nichts mehr tun, nicht hierbleiben und nicht mehr nach Hause, in diese alte und vermoderte Hütte. Nein, sie würden ihn nicht bekommen! „Komm raus, das ist nicht lustig!“

Die Stimme, sie war wütend, sie war so nahe, der Mann wagte es nicht sich an dem kalten und klebrigen Moos entlang zu lehnen um einen Blick auf die andere Seite erhaschen zu können. „Verflucht, weiter!“ Er schrie auf, stieß sich von dem Baum ab und rannte weiter. Mit jedem Schritt blieb mehr Schmutz an seinen Stiefeln kleben und immer schwerer wurde es einen Fuß vor den anderen zu setzen. Sie wurden wie Blei, wogegen seine Verfolger wie Federn über die Wurzeln und Blätterhaufen gleiteten. Sie hätten ihn gleich, würden ihn packen und nie wieder loslassen. Sie wären bei ihm, und dann würde sie ihn verlassen, oh Gott, nur für sie tat er das! Er bog um eine riesige, abgestorbene Eiche. Die Rettung, das Glück meinte es gut mit einem Sünder, der Schutz vor seinen eigenen Verbrechen zu suchen brauchte.

Er drückte die verdorrten Ranken bei Seite, ihre krummen Stacheln bohrten sich in seine geschundenen Hände, kratzen an seinen Backen und zerrissen sein altes Hemd. „Dann anders!“, dies dachte er, als er sich das Gewehr von der Schulter riss. Was hatte er vor, er hielt inne, seine Angst verband sich mit Trauer und Wut auf sich selber. Was hatte er mit der Waffe vor, was nur? Er umgriff den Lauf und warf das Gewehr in hohem Bogen durch den Wald. Mit einem rascheln kratze es an den Kronen der Bäume und donnerte mit einem Gemisch aus knackendem Holz und zerberstendem Metall gegen einen Stumpf eines bereits gefällten Baumes. „Da, da war was!“ Sie waren nahe, viel zu nah. Er musste es jetzt tun, jetzt oder nie! Er riss die Dornen zur Seite, grub sich durch das Meer aus Schmerzen, bis er schließlich in die feuchte, ausgehölte Grube viel, welche sich in dem großen Baum gebildet hatte. Er blieb einfach im Dreck liegen, sein Gesicht berührte den feuchten, nach Verwesung stinkenden Boden, doch er wagte es nicht auch nur einen Muskel zu rühren. „Wo ist er lang?“ Keine Bewegung, so nahe! „Komm her, da liegt was!“ Beim lieben Gott, keine Bewegung, sie würden ihn finden. „Sein Gewehr, er muss hier lang sein!“

Erleichterung, es hatte funktioniert. Die Schritte wurden leiser, gingen zurück in den Tiefen Wald. Dahin, wo sie ihn gezwungen hatte die Kinder hin zu bringen. „Hänsel, Gretel vergebt mir bitte…“ Er kroch aus den Dornen heraus, seine Augen nass vor tränen. Er nahm sein Gewehr nicht mit, ließ es liegen im Schmutz. Er trottete zurück, durch den dunklen Wald, allein, bis er in der Ferne seine kleine Hütte und seine… über alles geliebte Frau sah.

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