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Es ist fast eine Ewigkeit vergangen, seit ich mich das letzte Mal entschlossen habe, aus meinem Loch hervorzukriechen. Der staubige Geruch, der dort herrscht, die beruhigende Enge, die wohlige Dunkelheit. Eine lange Zeit habe ich nichts anderes mehr gekannt. Zu lange. Die Welt hat sich gewandelt, sie ist jetzt so viel anders. Heller. Überall ist künstliches Licht zu finden, kaum ein Platz in absoluter Dunkelheit. Ich werde es ertragen müssen. Ich habe keine andere Wahl.

Da steht sie. Lachend, in den Armen eines jungen Mannes. Sie sieht so glücklich aus. Ich kichere leise. Noch. Genieße ruhig deine letzten Minuten, Mädchen. Sie löst sich, lächelt, dann küsst sie ihn. Dreht sich um und geht. Sie fühlt sich sicher, wer sollte das auch nicht? Es ist so eine schöne Nacht. So schön... fast zu schade für sie. Langsam löse ich mich aus der Ecke. Verschmelze mit den Schatten, husche auf sie zu, lautlos. Eine jahrelang perfektionierte Kunst, erprobt in zahlreichen Nächten. Dann stehe ich hinter ihr, betrachte ihren Rücken. Lächle leise und fahre ihr mit meinen Fingern über den Nacken. Erschrocken fährt sie herum, doch ich bin schon längst wieder eins mit der Dunkelheit. Zögernd setzt sie ihren Weg fort, ihre Jacke fest um den Körper schlingend. Ich hauche ihr meinen Atem in den Kragen, lasse einen Luftstrom durch ihre Haare wehen. Solche Dinge zu spüren ist doch nichts Ungewöhnliches, oder? Jeder hat so etwas schon einmal am eigenen Leib erfahren.

Als sie um die Ecke biegt, husche ich vor sie, manifestiere mich. Sie bleibt ruckartig stehen und keucht erschrocken auf. Noch bevor sie sich umdrehen und rennen kann, habe ich sie schon am Arm gepackt und gleite diesen langsam mit meiner Hand hinauf. Das junge Ding will sich wehren, versucht sich doch wahrhaftig, aus meinem Griff zu befreien. Mit einer schnellen Bewegung lege ich meine Hände auf ihre Schultern und drücke sie zu Boden, lege ihr dabei mein Knie auf den Magen. Ich grinse sie an, während sie mich nur verzweifelt anstarrt und keinen Ton hervorbringt. Langsam nähere ich mich ihrem Gesicht, bis unsere Nasen sich fast berühren. Ich werfe einen letzten Blick in ihre wunderschönen blauen Augen, die mich so panisch anschauen, bis ich meine Lippen auf ihre lege. Ich öffne meinen Mund ein wenig und die mir wohlbekannten schwarzen Schwaden entstehen. Ich atme aus und sie entfliehen meinem Mund und strömen in den ihren. Sie keucht auf, versucht sich ein letztes Mal zu wehren, und doch erschlafft sie unter meinem Griff. Langsam richte ich mich wieder auf. Ich sehe in ihre nun pechschwarzen Augen und lächle zufrieden. Bald wird sie wieder erwachen.

Sie war Nummer 12.

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