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"Nur über meine Leiche"

Worte die ich meiner Mutter entgegenfauchte. "Niemals werde ich morgen diese fürchterlichen Klamotten anziehen, kein Mädchen trägt heute noch so etwas, das sieht so scheußlich und geschmacklos aus! Und niemals werde ich diese altmodischen Sachen auch nur anprobieren. Warum lässt Du mich nicht selber entscheiden, was ich morgen zu Tante Elisabeths Geburtstag anziehe?!"

Meine wütende Erregung galt diesem modischen Desaster, was meine Mutter zur Anprobe besorgt und in meinem Zimmer an der Kleiderschrank gehängt hatte. Und das ich ihrem Willen nach auf der Feier zum 70-jährigen Geburtstag meiner Patentante anziehen sollte.

Einen ebenso langen wie langweiligen blauen Faltenrock und eine wahre Scheußlichkeit von einer blütenweißen Bluse mit Rüschen. Ich hasse Rüschen! Und als Krönung ein muffiges, schwarzes Samtjäckchen. Damit kann ich mich doch nicht auf die Straße trauen... will man mich blamieren.

"Nur über meine Leiche", keifte ich in völliger Erregung und Wut bevor ich mit rotem Kopf und stocksauer aus dem Haus stapfte. Auf dem Gehsteig wäre ich fast mit einem andern Passanten zusammengerasselt. Angefressen wie ich gerade war, nahm ich das Geschehen um mich gar nicht mehr wahr, so beschäftigte mich die Peinlichkeit, die mir morgen drohte, überhörte deshalb auch das genervte "Augen auf im Straßenverkehr, junges Fräulein...." das mir der beinahe Angerempelte nachrief. Ich hatte andere Sachen im Kopf. Immer noch in Rage trat ich auf die Fahrbahn um auf die andere Straßenseite zu gelangen, gleichzeitg in die Gesäßtasche nach meinem Handy greifend. Ich musste meine beste Freundin anrufen. Jetzt! Um ihr mein Leid zu klagen. 

Etwas kam von der Seite, keine Zeit mehr zu reagieren, ich sah nur eine Motorhaube, das entsetzte Gesicht eines Mannes hinter einer Glasscheibe. Ein dumpfer Schlag ein knackendes Geräusch. Ich verlor den Boden unter den Füßen, spürte einen weiteren Schlag... Stille danach , alles was mich vor Sekunden noch beschäftigte... weg. Nur noch Stille und absolutes Nichts.

Keine 24 Stunden nach dem Streit lag ich im Kühlraum eines Bestattungsinstituts, bleich und starr in einem weißen Sarg, den Dickkopf jetzt tatsächlich leicht geschwollen, fein gemacht für meine letzte große Feier am morgigen Tag. Weiße Strümpfe hatte ich dafür anbekommen, einen langen blauen Faltenrock, der aber nicht zu sehen war, unter der weißen Decke, die mir bis zum Bauch reichte und auf der, artig gefaltet, meine kalten Hände lagen. Um so besser war die weiße Bluse mit den opulenten Rüschen zu sehen und das schwarze samtene Jäckchen darüber. Um meinen Kopf hatte man eine weiße Binde fest herumgebunden, um den Mund geschlossen zu halten. Als wollte man verhindern, dass ich sie wieder herausschreie, die Ablehnung dieses fürchterlichen Ensembles aus der Mottenkiste.

Doch warum sollte ich noch protestieren, habt mich denn nicht verstanden ?

"Nur über meine Leiche"

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