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Meine Neugier war einfach zu groß. Es war nur eine Frage der Zeit.   

Sie verfolgen mich. Egal wo ich hin gehe, überall spüre ich ihre Augen. Und mit jedem Tag kommen sie näher.    

Alles begann mit unserem Betriebsausflug mit Übernachtung in einem relativ großen Haus, inmitten einer kleinen Waldlichtung. Je später der Abend wurde, desto mehr Alkohol rann meinen Kollegen die Kehle runter. Ich selbst trank nicht mit. Ich hatte noch etwas anderes vor. Schon seit ich ein Kind war, faszinierten mich Wälder, vor allem in hellen Vollmondnächten. Damals hatten sie für mich noch etwas anziehendes und mystisches an sich. Heute würde ich nicht einmal mehr in die Nähe eines Waldes gehen. Als meine Kollegen endlich betrunken genug waren, um mich nicht mehr zu vermissen, wenn ich plötzlich weg wäre, ging ich nach oben aufs Zimmer und richtete gemütlich alles her, was ich so im Wald brauchen könnte. Ich packte meine Taschenlampe, mein Taschenmesser, eine metallene Flasche und ein wenig Essen in meinen Rucksack. Ich hatte nicht vor, lange weg zu bleiben, nur eine Stunde oder zwei. Aber man kann ja nie wissen, vielleicht finde ich etwas Interessantes oder verlaufe mich. Und ich sollte recht behalten.     

Ich spüre ihre Augen, wie sie mich quälen. Bald ist es so weit, bald werde ich sie sehen können. Ich weiß nicht, ob ich dann noch weiter leben kann. Ich denke, sobald es so weit ist, werde ich mich umbringen. Aber bis dahin versuche ich, ihnen zu entkommen. Was war das gerade für ein Geräusch?    

Da stand ich nun, bereit mal wieder in einen für mich unbekannten Wald zu gehen. Ich war schon richtig gespannt, was ich dort so finden werde. Würde ich einen Bach entdecken? Ein paar Tiere beobachten? Einen Bunker finden? Ich schaute auf meinen Kompass. Er war und ist mein wichtigstes Werkzeug. Wie oft hätte ich mich wohl schon ohne ihm verlaufen? Ich finde es sehr schade, dass heute fast keiner mehr mit einem Kompass umgehen kann. Ich setzte meinen ersten Schritt in den Wald.     

Verdammt! Es ging schneller als ich dachte. Innerhalb eines Tages war es so weit. Für ein paar Stunden war es nur wieder dieses mir bereits bekannte, unverständliche Flüstern, welches mich damals schon wahnsinnig werden ließ. Und seit einer halben Stunde kann ich sie sehen. Sie sehen schrecklich aus. So schrecklich, dass ich ihr Aussehen nicht in Worte fassen kann. Ich wollte mich bereits umbringen, aber es geht nicht. Sie lassen es nicht zu. Was wollt ihr von mir? Warum tut ihr das? Ich werde auf sie zugehen. Wünscht mir Glück. Entweder das es aufhört, oder das sie mich endlich erlösen.     

Ich irrte schon seit mindestens 3 Stunden im Wald herum. Genau sagen kann ich das heute nicht mehr. Ich hatte damals jedes Zeitgefühl verloren. Es war egal, in welche Richtung ich lief, ich kam immer wieder an der selben Stelle, die ich mir mit mehreren Zeichen markiert hatte, vorbei. An meinem Kompass konnte ich mich auch nicht orientieren. Dieser führte mich auch immer wieder nur an diese Stelle. Ich beschloss, die letzte noch mögliche Richtung einzuschlagen. Ich drehte um, sobald ich den Ort wieder sah. Normalerweise war ich nach nur wenigen Minuten wieder da, aber diesmal war es bereits doppelt so lange. Doch als ich schon ein siegessicheres Lächeln aufsetzte kam die Ernüchterung. Ich kam wieder an besagter Stelle an. Ich gab alle Hoffnung auf und lies mich zu Boden fallen. Vor mich hin weinend hörte ich ein Flüstern. Es war ziemlich leise und unverständlich. Doch es wurden immer mehr flüsternde Stimmen. Aber auch je lauter und grässlicher es wurde, verstehen konnte ich immer noch nichts. Ich wurde langsam immer mehr und mehr wahnsinnig. Ich hämmerte auf meinen Kopf ein, in der Hoffnung, bewusstlos zu werden. Und tatsächlich, nachdem mir bereits über den Kopf das Blut den ganzen Körper runter ran, wurde mir schließlich schwarz vor Augen.      

Meine Augen sind geschlossen. Aus dieser Nähe kann ich den Anblick nicht ertragen. Ich kann das Flüstern jetzt verstehen. "Komm zu uns!" Ich mache genau das, was sie von mir schon die ganze Zeit wollten. Sie ziehen mich mit ihren hässlichen Gliedmaßen zu sich in die Dunkelheit, in der sie sich verstecken. Ich spüre ihre Klauen, oder was auch immer es ist, in meiner Haut. Alles wird langsam leichter. Endlich bin ich erlöst. Endlich verfolgen sie mich nicht mehr.     

Ich erwachte am Rand der Lichtung, auf der das Haus stand. Ich setzte mich in mein Auto, mit dem ich privat hergekommen war. Ich kann nicht mit dem Bus fahren, mir wird immer schlecht und es gibt keine Medikamente oder Ähnliches, die mir dagegen helfen. Ich fuhr Richtung Zivilisation. Doch überall spürte ich ihre Blicke. Endlich erreichte ich die Stadt. Doch es wurde nicht besser. Ich machte mich so schnell wie möglich auf den Weg nach Hause und packte die wichtigsten Sachen. Ich machte mich auf den Weg, ohne jemals zurück zu blicken.     

"Komm zu uns!", flüster ich mit meinen Brüdern im Chor. Wir haben unser nächstes Opfer entdeckt. Eine arme Seele, die einfach ein wenig die Umgebung erkunden wollte. Es ist keine gute Idee, nachts alleine in den Wald zu gehen. Bald werden wir wieder einer mehr sein. Bald werden wir mächtiger sein. Es ist nur noch eine Frage der Zeit, bis jeder einer von uns ist. "Komm zu uns!", flüstere ich mit einem zufriedenen Lächeln, glücklich darüber, ein Teil des großen Ganzen zu sein.

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