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Steinbruch

Erinnerst du dich noch an die Geschichte, die dein Vater dir abends immer erzählt hat, um dir Angst zu machen? Die Geschichte von dem Licht im alten Steinbruch, von den vielen verschwundenen Menschen und den verunglückten Autos? Er sagte immer, dass die Menschen, die man wiedergefunden hatte, alle den Verstand verloren hatten, dass sie nur noch wirres Zeug redeten, von einem kleinen grausamen Jungen, der heller scheint als die Sonne. Er sagte, dass es in dem Steinbruch spuken würde, nachdem man diesen plötzlich geschlossen hatte. Damals in den Medien wurde behauptet, dass es keine Ressourcen mehr geben würde. Aber weißt du, eigentlich haben sie den Steinbruch geschlossen, weil man etwas gefunden hatte, das man unter Verschluss halten wollte. Niemand sollte es erfahren.

"Was... Was willst du von mir? Lass mich hier raus, ich will weg! LASS MICH GEH'N!" Tim schrie immer lauter, in der Hoffnung, dass ihn jemand hören würde.

Was ich von dir will? Pass auf und höre mir genau zu! Weißt du, es war immer so unterhaltsam, dich zu beobachten, während dein Vater dir die Geschichte erzählte, die Geschichte, um dir Angst zu machen! Du hast ihn immer mit großen Augen angeschaut, und ich konnte die Angst in deinem Gesicht sehen. Das hat mir gefallen. Du hast die Nächte noch lange wach gelegen und hast dich gefürchtet. Du hattest Angst vor jedem Schatten, jedem Geräusch, was mir die Sache natürlich um einiges leichter gemacht hat. Der Schatten war ich, die Geräusche habe ich gemacht, ich habe damals sozusagen von deiner Angst gelebt, sie tat mir gut!

"Was bist du? Wer bist du? Was willst du von mir? LASS MICH ENDLICH IN RUHE!" Tim zerrte an seinen Fesseln, seine Augen brannten von dem hellen Schein in der Dunkelheit, der Höhle, im Bergwerk. Seine Stimme begann langsam heiser zu werden. Er wollte nicht mehr zuhören, er wollte weg. Doch er konnte sich einfach nicht losreißen, er konnte nur die Stimme mit seinen eigenen Schreien übertönen. Der Klang brachte ihn an den Rand des Wahnsinns.

Dann bist du älter geworden, du hast aufgehört, an die Geschichte deines Vaters zu glauben. Du hast mich hier oft besucht, aber am Tag; und am Tag bleibe ich lieber in meiner Höhle, dort ist es sicherer für mich. Es machte mich traurig, dass du so geworden bist; ich konnte mich nicht mehr an deiner Angst laben, und langsam wurde ich schwächer und kam nur noch selten zu dir. Aber ich darf dich nicht verlieren; ich habe damals keine Chance gehabt, deinen Vater zu bekommen, denn er hatte Angst, Angst davor, hierher zu kommen. Aber du, ja du, du warst zu neugierig. Mein Glück!

Tim konnte nur noch schreien und weinen. Die Tränen brannten in seinem vor Kälte geröteten Gesicht. Seine Schreie waren kaum noch vernehmbar und die Lederfesseln begannen, ihm ins Fleisch zu schneiden. Trotzdem wehrte er sich weiter, er riss an den Fesseln, strampelte mit den Füßen, so gut es ging, und bäumte seinen Körper auf, um mit noch mehr Kraft gegen die Fesseln anzukommen. Doch vergebens, er saß in der Falle. Aber Tim war ein Kämpfer, er würde nicht so schnell aufgeben!!

Es würde alles viel schneller gehen, wenn du mir in Ruhe zuhören würdest, denn jetzt kommt der spannendste Teil. Also sei still und pass auf! Einst lebte ich auch in dem Dorf, unten, am Fuße des Waldes. Ich war ein Einzelkind, meine Mutter ist damals bei meiner Geburt verstorben, und mein Vater hat seitdem keine andere Frau kennengelernt. So unternahm ich viel mit ihm, ich begleitete ihn sogar oft zur Arbeit. Wie du dir sicher denken kannst, da dies hier ein wichtiger Ort für mich ist, arbeitete er hier. Ich wollte einmal so werden wie er. In dem Steinbruch gab es vieles, was mich faszinierte. Zwar durfte ich mit meinen 12 Jahren nicht an Sprengungen teilnehmen, aber ich konnte mit auf die Maschinen und durfte einen Helm tragen.

"Lass mich bitte gehen. Ich weiß nicht, wer du bist! Ich weiß nicht, was du von mir willst! Warum ich? Lass mich gehen!" Tims Stimme klang nun nicht mehr wütend. Sie klang verängstigt und drohte, durch die Tränen und das Schluchzen zu ersticken. Er sprach leise, denn um zu schreien fehlte ihm nun jegliche Kraft.

Dich gehen lassen? Dass ich nicht lache! Aber hör doch zu, dann weißt du, warum gerade du hier bist! Es war an einem Freitag. Die Männer aus dem Steinbruch wollten einen gelungenen Tag feiern, und ich durfte mit auf das Fest am Abend. Ich zog meine beste Kleidung an und präsentierte mich stolz meinem Vater. Er freute sich, zog sich an, schnappte eine Flasche von dem selbstgemachten Schnaps und wir fuhren zum Bergwerk. Die Kollegen meines Vaters erwarteten uns schon. Es würde ein langer Abend werden, deswegen nahm mein Vater eine Decke und ein paar Spielsachen für mich mit, und ich setzte mich in die Nähe des Festzeltes. Irgendwann kam ein Mann zu mir, ich kannte ihn gut, mit ihm durfte ich immer das Förderband starten und anhalten. Wir unterhielten uns und er fragte, ob ich nicht Lust hätte, die Höhle, die am Morgen gesprengt würde, nochmal zu erkunden. Der Gedanke gefiel mir.

"Hör mal, ich weiß immer noch nicht, was du willst! Ich kann hier nicht ewig verbringen und mir deine Geschichten anhören. Lass mich einfach gehen! Ich werde auch nicht mehr herkommen, versprochen! Ich sage niemandem etwas, das schwöre ich dir!" Tim hoffte nun, dass "Es" sich endlich zufrieden geben würde, wenn er versprach, seine Ruhe nie wieder zu stören.

Ha! Hast du mir nicht zugehört? Durch dich bin ich nun stärker, deine Angst, welche du zweifellos im Moment verspürst, gibt mir endlich wieder Kraft! Ich lasse dich nicht gehen, oder vielleicht doch? Kommt drauf an, wie oft du mich noch unterbrichst! Also weiter. Ich bin mit dem Mann in die kleine Höhle gegangen, er hatte mir einen Helm gegeben und eine große Taschenlampe, die fast schon zu schwer war für meine schmächtigen Arme. Aber ich war ein neugieriges Kind. Ich ging also langsam in die Höhle, dann hörte ich eine weitere Stimme hinter mir. Mit Schwung drehte ich mich um und sah noch einen Arbeitskollegen meines Vaters, zusammen gingen sie hinter mir her, ebenfalls mit Taschenlampen, und sie schienen sich gut zu amüsieren, aber sie hatten auch schon einiges getrunken. Dann durchfuhr ein Blitz meinen Körper, mir wurde schwarz vor Augen, und ab da war nur noch Leere. Ich habe lange gebraucht zu begreifen, dass ich meine menschliche Hülle verlassen hatte. Aber ich musste wissen, was geschehen war.

>Ohh Mann, haben die den kleinen Jungen etwa niedergeschlagen und umgebracht? Aber warum?< "Ähm, das tut mir alles sehr leid, aber ich war das nicht, ich bitte dich nochmal, lass mich gehen, ich kann dir nicht helfen!" Tim flehte immer mehr, er wollte weg, er wollte vergessen, er wünschte, es wäre nur ein böser Traum und er würde jeden Moment erwachen.

Förderband

Sei endlich still. Du kannst vielleicht nichts dafür, aber dein Vorfahre kann es schon, er war der Mann am Förderband. Weißt du, wie es war, als ich herausfand, dass die Männer mich niederschlugen, nur um sich an mir zu vergehen? Mein Körper war jedoch zu zerbrechlich, ich überlebte es nicht. Und weißt du was, sie sprengten noch am selben Abend die Höhle und ließen es aussehen, als wäre es eine Fehlzündung gewesen. Meine Familie trauerte so lange, doch schließlich vergaß auch sie, dass es mich einst gab. Aber ich, nein, ich lasse niemanden vergessen. Ich weiß, wer die beiden Personen waren, die mir folgten, und ich verfolgte sie! An einem konnte ich schon Rache nahmen, indem ich ihnem das Gleiche antat, wie er mir einst. Aber dein Vorfahre war eine Ausnahme, er hatte keine Angst. Nun ja, da musste ich mich halt auf die Erben konzentrieren. Kurz um, wäre dein Vater nicht so ein verdammter Angsthase gewesen, könnten wir uns das alles hier ersparen. Denn ich will meine Rache, und du bist der letzte Nachfahre von Wilhelm Alois Gruber, dem Mann an dem Fließband!


Noch bevor Tim alles begreifen konnte, durchfuhr ein Blitz seinen Körper, und ihm wurde schwarz vor Augen...


Glaubst du immer noch, dass Gruselgeschichten nur ausgedacht sind, um uns Angst zu machen, oder erkennst du jetzt endlich die Warnung in den "Geschichten"?


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